Coronakrise
Der Lockdown kommt für Sporthändler denkbar schlecht – jetzt ist Hochsaison

Wegen Corona war die Saison für Nid- und Obwaldner Sportartikelhändler schwieriger als sonst. Nun kommt noch die von Bern verordnete Schliessung dazu. Der Entscheid wird zähneknirschend akzeptiert.

Florian Pfister
Merken
Drucken
Teilen

Es klingt paradox. Nach dem jüngsten Bundesratsentscheid vom Mittwoch dürfen Skigebiete weiter öffnen, während Läden mit Waren des nicht täglichen Gebrauchs schliessen müssen. Dazu zählen auch die Wintersportartikelhändler, die jetzt Hauptsaison haben. Viele sind entsprechend frustriert.

«Das macht weh», sagt Matthias Prinoth, Geschäftsführer von Dolomitensport in Sarnen. «Zwei Wochen hätte ich verkraften können, aber fünf sind sehr lange.» Jetzt – kurz vor den Sportferien – schmerzt der Lockdown sogar noch mehr als im letzten Frühling. Dabei verlief die bisherige Saison für Dolomitensport gut. Wegen der Pandemie waren die Skilifte über Weihnachten zu und es gingen generell weniger Leute auf die Piste. Deshalb liefen Alpinski schlechter als in Vorjahren. Andere Produkte waren dafür gefragter, was das Geschäft ausglich. Laut Prinoth seien Schneeschuhe bereits ausverkauft. Zum erneuten Lockdown sagt er zähneknirschend:

«Wir müssen es akzeptieren.»
Michi Achermann verkauft Wintersportartikel in Stans, Engelberg und Alpnach. Der «Lockdown» ist für ihn wie ein Saisonende.

Michi Achermann verkauft Wintersportartikel in Stans, Engelberg und Alpnach. Der «Lockdown» ist für ihn wie ein Saisonende.

Bild: Urs Hanhart (Stans, 14. Januar 2021)

Auch für Michi Achermann, Geschäftsführer bei Ski + Sport Achermann mit Hauptsitz in Stans, steht fest: «Für uns ist es natürlich keine tolle Saison.» Zur national angeordneten Schliessung sagt er:

«Das ist gleichbedeutend mit dem vorzeitigen Saisonende. Aber wir verstehen die Behörden.»

Neben Umsatzeinbussen würden wohl auch viele Restbestände übrig bleiben, besonders bei den Kleidern. Er hofft dennoch auf ein wenig Betrieb. «Das Büro wird besetzt sein. Wir werden eine Pick-up-Station einrichten.» So will man Mieten und die Abholung von Artikeln weiterhin anbieten. Achermann betreibt auch Geschäfte an den Standorten Engelberg und Alpnach.

Die Pandemie veränderte das Kaufverhalten

Wegen der Pandemie waren auch weniger internationale Gäste in den Ob- und Nidwaldner Skigebieten. Und über die umsatzstärksten Tage im Dezember standen die Lifte still. Wie lief es den Wintersportverkäufern bis zu diesem Zeitpunkt? Achermann sagt:

«Der Verkauf von Alpinski ist dadurch enorm zurückgegangen.»

Auch die Skimieten gingen zurück. Dafür liefen andere Sparten überdurchschnittlich gut. Darunter fallen die Bereiche Langlauf, Schneeschuhe und Skitouren. «Die Leute haben sich anders organisiert», so seine Einschätzung. «Sie wollen raus und Sport treiben.» Deshalb sei man bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen.

Bei Achermann lag der Umsatz im Bereich des langjährigen Durchschnitts. Die veränderte Ausgangslage machte sich in den verschiedenen Filialen bemerkbar. Das Geschäft in Stans ist auf den Langlaufsport spezialisiert und spürt den Boom, der aktuell herrscht. In der Filiale in Alpnach laufe hingegen reichlich wenig, da diese auf Ski alpin und Telemark ausgerichtet ist. In Engelberg sei die Filiale ganz besonders von den geöffneten Skipisten abhängig. «Wenn der Lift läuft, läuft auch das Geschäft super. Wenn nicht, geht praktisch nichts.»

Michi Achermann von Achermann Ski und Sport präsentiert eine ganze Skitourenausrüstung.

Michi Achermann von Achermann Ski und Sport präsentiert eine ganze Skitourenausrüstung.

Bild: Urs Hanhart (Stans, 14. Januar 2021)

Sportfachmann Achermann sagt, «dass Langlauf, Ski- und Schneeschuhtouren momentan ideal sind, um draussen Sport zu treiben». Man müsse sich aber beeilen. Nicht nur wegen des Lockdowns vom kommenden Montag. So sind gewisse Sachen bereits ausverkauft. «Die Nachfrage bei Mieten konnten wir zeitweise nicht decken», sagt Achermann. Er empfiehlt auch, Skifahren zu gehen. «Man wird belohnt mit guten Schneeverhältnissen und wenig Leuten. Selten hatte es wohl so viel Platz auf den Pisten.»

Arena Sport: «Es ist ein Schock»

Auch Bruno von Flüe von Arena Sport in Buochs trägt den Entscheid des Bundesrats mit. «Einerseits sind wir froh, dass wir nicht schon früher schliessen mussten. Andererseits ist es trotzdem ein Schock. Obwohl es zu erwarten war.» Seinen Optimismus hat er dennoch nicht verloren: «Wir versuchen das Beste zu machen. Für uns ist es das Wichtigste, dass wir für die Kunden da sind.» Gerade von der Kundschaft habe man im vergangenen Halbjahr sehr viel Solidarität gespürt.» Noch stünden die nötigen Abklärungen an, wie es weitergehen kann.