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DALLENWIL: Dällebach Kari feinfühlig porträtiert

Unter der Regie von Beppi Baggenstos vermittelt das Theater dem Publikum sehr feinfühlig die Lebensgeschichte des Berner Originals Dällebach Kari. Eine tragisch-komische Inszenierung vor beeindruckender Kulisse.
Romano Cuonz
Reto Gabriel (links) als Dällebach Kari und Klaus Odermatt als Geist. (Bild: Romano Cuonz (NZ) (Obwaldner Zeitung))

Reto Gabriel (links) als Dällebach Kari und Klaus Odermatt als Geist. (Bild: Romano Cuonz (NZ) (Obwaldner Zeitung))

Romano Cuonz

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Wer kennt sie nicht, die witzige kleine Geschichte: Der Berner Coiffeur-Meister Dällebach Kari fällt nachts auf dem Heimweg stockbetrunken um. Als ihm Polizisten auf die Beine helfen, gibt er an, dass zwei Italiener ihn zu Boden gebracht hätten. Auf die Frage, wer denn diese Italiener seien, antwortet das Original: «Der Chianti und der Barbera!» Dies ist nur einer von zahllosen Dällebach-Witzen, wie sie von Generation zu Generation überliefert wurden und wie man sie zurzeit auf der Dallenwiler Bühne erzählt und vorgeführt bekommt.

Doch, wer ist dieser Dällebach Kari wirklich? Dieser Frage gehen die Dallenwiler Theaterleute und Beppi Baggenstos mit seinem neuverfassten Stück nach. Eine erste Antwort erhält das Publikum bereits im originell gestalteten Programmheft. Dort ist nämlich der Pass des «Witzbolds» abgedruckt. Darin steht es schwarz auf weiss: «Karl Tellenbach – Coiffeur-Meister – Aus Walkringen, Bern – Ledig». Und: «Besonderes Kennzeichen: Hasenscharte». Sein unvergesslicher Humor – die meist liebenswürdigen, bisweilen aber auch gezielt bissigen Scherze des Eigenbrötlers – kommen aber nicht von ungefähr.

Tragisches Drama um ein unfreiwilliges Original

Eben diese Tatsache versucht Autor und Regisseur Beppi Baggen­stos mit seiner Fassung zu vermitteln. «Wir zeigen Dällebachs Leiden wegen der Hasenscharte, die ihn zum näselnden Sprechen zwang, und wie er seine Scham deswegen im Alkohol ertränkte oder mit Witzen zu überspielen versuchte», schildert er sein Unterfangen. Eine Komödie um den Witzbold sei es. Aber eben noch viel mehr das tragische Drama eines unfreiwilligen Originals. Die Dallenwiler verstehen es, diese doppelte Absicht eindrücklich umzusetzen. Etwa mit einem sehr gegensätzlichen Bühnenbild: Als Ganzes ist es unheimlich grau und düster. Im Coiffeursalon und in Frau Jennis Beiz Grünegg aber voller Details und bis in den letzten Winkel schillernd ausgeleuchtet. Dazu kommt die wunderschön malerische musikalische Livebegleitung mit Kompositionen von Urs Ehrenzeller. Am Klavier Gabi Keller, als Trompeter Marcel Krummenacher und Norbert Kiser. Musik vermag hier mehr, als einfach nur eine Stimmung zu kreieren. Die oft schrägen Töne machen betroffen.

Die Trauergemeinde steht am Grab des Originals. Der Pfarrer (Michi Fuchs) setzt eben zum Nachruf an. Dabei wird Bild um Bild, wird Episode für Episode aus dem Leben dieses eigenartigen und doch so verletzlichen Menschen nochmals beleuchtet. Dällebach Kari (von Reto Gabriel ergreifend gemimt) hat die Lacher bald auf seiner Seite. Doch mit der Zeit bleibt einem jedes Lachen im Halse stecken. Mitleid kommt auf, wenn der Kari seine unglückliche Liebe zur Herrentochter Annemarie mehr und mehr in Wein, Bier und Schnaps ertränkt. Sein Geselle Hermi (Samuel Christen) mahnt und warnt zwar. Die andern Leute rund um ihn herum aber spüren wenig: Der eingebildete Nationalrat (Tres Moser) zankt sich mit ihm, selbst wenn er stets das Nachsehen hat. Auch Müller (Edgar Gabriel), Hirschi (Jonas Odermatt), der Polizist (Victor Betschart) oder der Reisende (Sandro Christen) lachen, wo eher Weinen am Platz wäre. Die Wirtin (Sabine Christen mit schöner Singstimme), Frida (Karin Durrer) und die Tobsys (Denise Christen und Silvia Bründler) ahnen kaum, wie sehr sich der zum Trotz witzige Coiffeur quält.

«Wie die Blümlein draussen zittern»

Einzig der Geist (von Klaus Odermatt ganz unheimlich gespielt) lässt einen das himmeltraurige Ende des Originals im Wasser der Aare erahnen. Dafür, dass es dann in der «Grünegg» trotz allem noch zu einem geselligen Freudenschmaus bei Hammen und einem Tropfen Roten kommt, war Dällebach Kari persönlich besorgt. Was er sich aber in seinem Abschiedsbrief dafür ausdrücklich wünscht: Dass zum Abschluss des Mahls für ihn noch einmal sein Lieblingslied «Wie die Blümlein draussen zittern» gesungen wird. Das Ensemble erfüllt ihm den Wunsch. Noch vor dem herzlichen Schlussapplaus.

Hinweis

Theater Dallenwil 2017: Dällebach Kari – eine Lebensgeschichte. Regie und Buch: Beppi Baggen­stos. Noch weitere neun Aufführungen bis zum 11. November. Informationen und Vorverkauf unter: www.theaterdallenwil.ch

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