dallenwil

Dieses Bier kommt ohne Hopfen aus – und soll so einen Bierbauch verhindern

Die Genossenschaft Keimling eröffnet im Dezember ihren neuen Laden in Dallenwil. Das Kollektiv besteht aus Apothekern, Biologen, Hebammen und Handwerkern.

Ruedi Wechsler
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Marco Christen (links) und Roger Zwyssig stossen auf den neuen Verkaufsladen an.

Marco Christen (links) und Roger Zwyssig stossen auf den neuen Verkaufsladen an.

Bild: Ruedi Wechsler (Dallenwil, 16. November 2020)

Im Dezember wird in Dallenwil ein Verkaufsladen der Genossenschaft Keimling eröffnet. Dort werden ihre lokalen Produkte – Bier und Naturkosmetik – erhältlich sein. Während Roger Zwyssig an der Bier-Abfüllanlage beschäftigt ist, geben die Gründungs- und Geschäftsführungsmitglieder Marco Christen und Nadja Christen einen Einblick in die Entstehung der Genossenschaft.

Diese wurde 2014 von Apothekern, Hebammen, Handwerkern und Biologen gegründet, mit dem Ziel, naturbelassene und lokale Produkte in Nidwalden herzustellen. Als zusätzliches Standbein berät die siebenköpfige Genossenschaft Hotels und Privatpersonen bei der Planung von Permakulturgärten. Schon während des Studiums zum Apotheker in Basel entwickelte Marco Christen aus Dallenwil mit einem Kollegen erste Babyprodukte wie Windel- oder Brustwarzensalben. Diese seien ganz natürlich und ohne jegliche Erdölprodukte wie Plastik oder Vaseline versehen. Dazu sagt Christen:

«Für uns ist es absolut zentral, die Gesamtheit der Heilpflanzen ins Produkt zu bringen. Der ölige und fettlösliche Anteil dringt somit besser durch die Hautoberfläche.»

Gespickt werden die Produkte auch mit altbekannten Heilmitteln wie dem Lärchenharz. Es werden – wann immer möglich – einheimische Pflanzen verwendet. Positive Feedbacks zählen für die jungen Produzenten zu den Highlights. «Ein Kunde mit amputiertem Bein bestellte bei uns immer wieder Lippenpomade zur Wundpflege. Als wir ihn nach dem Grund fragten, meinte er, das sei die Salbe, die nach dreissig Jahren endlich den gewünschten Erfolg bringe», erzählt Christen. «Das hat uns motiviert, die Menge hochzufahren.» Sehr gefragt seien das Biershampoo und das Bierbad.

Auch mit dem Bierbrauen begann Christen bereits in seiner Studiumszeit in Basel, um die Entwicklung der Kosmetikartikel zu finanzieren. Bald folgte die mobile Bierproduktion an diversen Events – wie im Mittelalter im grossen Kupferkessel. Heute werden in der Brauerei von Keimling in Dallenwil rund zwanzig verschiedene Biersorten hergestellt. Eines davon ist das «Brösmelibier». Das Malz wird dabei teilweise durch Brot ersetzt, da Malz nicht ökologisch sei und meist in Osteuropa gemälzt werde. Das alte Brot wird zerkleinert und getoastet bevor es der Maische zugeführt wird. Die einheimische Wasserbirne enthält viel Zucker und eignet sich für die Herstellung als alternative Stärke und Zuckerquelle, ähnlich wie Kartoffeln, Marroni oder Kürbisse.

Bier ohne Hopfen soll Bierbauch verhindern

Hopfen sorgt beim Bier für den bitteren Geschmack und das Aroma. Zudem ist es verwandt mit Cannabis. «Für mich als Apotheker ist Hopfen eine weibliche Pflanze. Sie fördert die weiblichen Hormone und fördert einen Bierbauch. Wir verwenden männliche Pflanzen wie Gundermann, Liebstöckel oder Löwenzahnwurzeln», erklärt Marco Christen. Das Reinheitsgebot stamme aus den Klöstern, wo Hopfen für die Unterdrückung der Triebe der Mönche verwendet wurde.

Seit zwei Jahren leitet der gelernte Sanitär-Installateur Roger Zwyssig die Brauerei. «In unserem Betrieb kombinieren wir die Wissenschaft mit dem Handwerk. Jemand muss die Anlage führen und unterhalten», erklärt Marco Christen. Zwyssig gelinge dies hervorragend und er sei mit viel Herzblut dabei. Im Moment gehe es ums Überleben, da Corona zu Schliessungen vieler Restaurants und Absagen von Events führte. Somit sank auch die Nachfrage nach dem Bier.

Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen funktioniert

Von aussen herrsche manchmal die Wahrnehmung, Keimling betreibe Rebellion gegen die grossen Konzerne, sagt Marco Christen. «Das ist nicht ganz unwahr. Die Pharmazie dominiert die Regale und die mächtigen Bierkonzerne sorgen mit ihrem Sponsoring an grossen Events oft für Ernüchterung. Eine Zusammenarbeit kann ich mir aber künftig auch mit einer grossen Firma gut vorstellen.» Regional funktioniere die Kooperation mit Nidwaldner Unternehmen bereits: Der Schaukäserei Engelberg kann das «Fonduebier», der Bäckerei Christen das «Brotbier» und dem Nachbarn Pasta Farinato das «Pastabier» geliefert werden.

«Das neuste Projekt von Keimling ist eine Eiersalbe mit Strausseneihaut von Barmettler Eier in Ennetmoos. Mittelfristig sind das erfreuliche Perspektiven», sagt Christen. Zwyssig schwärmt von der vielseitigen Arbeit: «Ich kann dabei in die Welt der Chemie und der Biologie eintauchen.» Prozesse wie die Vergärung und die Komplexität der Mikroorganismen faszinieren ihn. «Ich habe meine Leidenschaft gefunden, sie zum Hobby und mittlerweile zum Beruf gemacht. Das ist wie ein Lottosechser.»