DALLENWIL: Er will für mehr Zivilcourage sorgen

«Wäre es sinnvoll, Zivilcourage in der Schule zu trainieren?», fragte sich Ken Holtey in seiner Maturaarbeit. Das Resultat hat ihn positiv überrascht.

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Der Maturand Ken Holtey hat ein Programm für ein Zivilcourage-Training an der Schule entwickelt. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Maturand Ken Holtey hat ein Programm für ein Zivilcourage-Training an der Schule entwickelt. (Bild Corinne Glanzmann)

Carina Odermatt

«Was würden Sie in dieser Situation tun?», fragt Ken Holtey (17) am Anfang seiner Maturapräsentation und zeigt ein Bild von einer Frau am Telefon, die vor einer Schlägerei steht. «Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um darüber nachzudenken, und behalten Sie das Bild bis zum Ende der Präsentation im Kopf.» Wer an Ken Holteys Maturapräsentation mit dem Titel «Zivilcourage-Training Kollegium Stans» anwesend war, hat sich nicht nur darüber Gedanken machen müssen, sondern auch noch viele Tipps für den Ernstfall bekommen. Genau das ist das Ziel von Ken Holteys Arbeit: Zivilcourage zu thematisieren und Handlungsmöglichkeiten zum richtigen Eingreifen zu bieten.

Zivilcourage ist trainierbar

Nach Definition im Duden ist Zivilcourage «der Mut, humane und demokratische Werte ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen in der Öffentlichkeit zu vertreten». Doch nicht nur Mut wird benötigt, um im richtigen Moment einzugreifen. Damit sich jemand entscheidet zu helfen, muss er fünf Hürden überwinden: Als Erstes muss das Ereignis bemerkt und anschliessend als Notfall interpretiert werden. Der potenzielle Helfer muss bereit sein, Verantwortung für das Opfer zu übernehmen. Das ist oft besonders schwierig, wenn viele Personen den Vorfall beobachten. Die vierte Stufe sind die Fachkompetenzen, der Beobachter muss also wissen, wie er eingreifen kann. Zuletzt steht dann die Entscheidung, zu helfen oder nicht.

«Inwiefern ist Zivilcourage trainierbar?», war die erste Leitfrage in Ken Holteys Arbeit. «Mit einem Training kann man die theoretischen Handlungskompetenzen erhöhen. Somit fühlt sich ein Beobachter sicherer, denn er weiss, wie er eingreifen kann. Rollenspiele und deren Analysen sind gute Übungen dafür», erklärt der Dallenwiler.

Zivilcourage in der Schule

Als Feldarbeit hat Ken Holtey ein Zivilcourage-Training in je einer Klasse der zweiten und der fünften Stufe des Kollegiums durchgeführt. Er wollte herausfinden, wie die Schüler ein solches Training aufnehmen würden. Es beinhaltete theoretisches Wissen über Zivilcourage, das Spielen und Analysieren von Rollenspielen und Informationen zum empfohlenen Vorgehen im Ernstfall. «Es freute mich zu sehen, dass die Mehrzahl der Schüler ein Zivilcourage-Training als sinnvoll erachtet. Sie haben sehr engagiert mitgemacht», reflektiert Ken Holtey mit einem Lächeln.

Die Ziele seiner Arbeit waren mit einem einmaligen Training jedoch noch nicht erreicht. Er präsentierte sein Trainingskonzept und die Resultate daraus der Schulleitung des Kollegiums, welche darauf über die Einbindung eines Zivilcourage-Trainings in den Schulplan nachgedacht hat. Man kam zum Schluss, dass ab 2017 jedes zweite Jahr ein Training in der Sonderwoche im Frühling sowie ab 2016 eines im Philosophieunterricht durchgeführt werden kann. Die Grundlage dafür bietet das Produkt aus Ken Holteys Maturaarbeit. Er hat ein dreiteiliges Programm erstellt, das aus einem Leitfaden und der dazugehörigen Präsentation besteht. Darin sind Aufbau, Ziel und Durchführung der einzelnen Module zusammengefasst.

Stolz, etwas erreicht zu haben

«Die Maturaarbeit war eine sehr wertvolle Erfahrung, und ich bin überrascht, wie positiv die Schüler und die Schulleitung auf das Training reagiert haben», freut sich Ken Holtey. «Ich bin natürlich auch stolz, dass ich damit etwas erreicht habe und Zivilcourage von nun an in der Schule thematisiert wird.»

Zum Schluss der Präsentation gab er den Zuhörern noch einige wichtige Tipps zum richtigen Verhalten im Ernstfall. Er stellte klar: «Nicht eingreifen ist nicht dasselbe wie wegsehen. Wenn man sich nicht in der Lage fühlt, etwa weil es gefährlich ist, sollte man die Polizei alarmieren. Das ist auch eine Form von Zivilcourage.» Man solle sich schon im Voraus Gedanken machen zu den persönlichen Grenzen in Situationen, die Zivilcourage erfordern. So sei man im Ernstfall eher bereit, zu handeln, und spare wichtige Zeit für das Opfer.