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DALLENWIL: Kein Skibetrieb mehr auf Wirzweli? «Deshalb geht keine Welt unter»

Es war zwar absehbar, dass auf dem Wirzweli bald Schluss sein wird mit Skifahren. Dass der definitive Entscheid aber kaum zu negativen Reaktionen geführt hat und auch die Ferienhausbesitzer sich gut damit abfinden können, ist doch erstaunlich.
Philipp Unterschütz
Lubi Jakovic, Besitzer des Restaurants Arviblick, sucht einen neuen Besitzer für seine Beiz. (Bild: Dominik Wunderli (Wirzweli, 28. Oktober 2017))

Lubi Jakovic, Besitzer des Restaurants Arviblick, sucht einen neuen Besitzer für seine Beiz. (Bild: Dominik Wunderli (Wirzweli, 28. Oktober 2017))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ nidwaldnerzeitung.ch

Der Verwaltungsrat der Luftseilbahn Dallenwil-Wirzweli (LDW) fällte dieses Jahr einen mutigen strategischen Entscheid, vor dem künftig auch andere Bahnen oder Tourismusdestinationen an tieferen Lagen stehen dürften. Angesichts von Klimawandel und Schneemangel wird der Skibetrieb nur noch so lange aufrechterhalten, bis grössere Investitionen bei den Skiliften anstehen. Spätestens 2021 ist Schluss mit Skifahren auf dem Wirzweli. Hanny Odermatt, Betriebsleiterin der LDW, betont, wie schwer dieser emotionsbelastete Entscheid gefallen sei. «Wir hatten richtig Angst vor den Reaktionen, die im Dorf auf uns hätten zukommen können, und waren überrascht, dass man unseren Entscheid so gut nachvollziehen kann.» Es habe kaum negative Rückmeldungen gegeben.

Laut Gemeindeverwaltung Dallenwil leben aktuell 96 Personen ganzjährig im Weiler Wirzweli. Etliche der rund 130 Chalets sind Ferienhäuser. Viele davon wurden nicht zuletzt wegen des kleinen, aber feinen Skigebiets gekauft oder gebaut. Droht nun ein Exodus der Chaletbesitzer? Verlieren die Immobilien an Wert?

Der Vorteil: Hier gibt es keinen Massentourismus

Die Frage der Wertverminderung oder ob der steuertechnische Eigenmietwert der Immobilie sinkt, dürften sich wohl auch einige Besitzer stellen. Margrit Gander, Abteilungsleiterin Güterschatzung beim kantonalen Steueramt, sagt, dass die Berechnungen zur Güterschatzung einen langfristigen Horizont ab­decken. «Tendenziell würde es wohl schwierig, eine Wertverminderung zu begründen, weil der Skibetrieb wegfällt.» Umgekehrt würden bei besseren Angeboten in einer Gegend die Schatzungen ja auch nicht einfach erhöht. Man habe bisher keine Anfragen vom Wirzweli erhalten.

Auf den einschlägigen Immobilienportalen gibt es keine Hinweise, dass nun ein Ausverkauf von Häusern auf Wirzweli stattfindet. Unter den Hausbesitzern sei das kein Thema. «Wegen der Einstellung des Skibetriebs geht keine Welt unter», sagt beispielsweise Stefan Spring. Der Solothurner, Vater von drei Kindern im Alter von 7 bis 9 Jahren, hat erst im vergangenen Jahr auf Wirzweli ein Ferienhaus gebaut. Ein Grund sei schon das für Kinder ideale Skigebiet gewesen, aber es gebe ja noch andere Möglichkeiten für Aktivitäten. «Dafür hat es keinen Massentourismus, was für uns wichtig ist.» Er sei aber gespannt, was die Bahn mache, um den Wegfall zu kompensieren. «Vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit, etwas von den Liften zu retten, vielleicht mit privater Beteiligung.»

Auch Urs Wagenseil, Tourismusexperte und Dozent an der Hochschule Luzern, sieht Chancen im Wegbleiben der Skifahrer: «Es kann durchaus sein, dass das Wirzweli zum Paradies für Ruhesuchende wird. Dieses Bedürfnis nimmt in den verdichteten Ballungszentren stark zu.» Dass die LDW einen geordneten Rückzug planten, sei auf jeden Fall besser, als «ungebremst auf den Konkurs-Prellbock zu fahren». Erfahrungen, was der Verzicht auf Skisport für eine Destination auslöse, gebe es bis jetzt noch keine.

«Arviblick» soll verkauft werden

Zum Verkauf steht schon seit Sommer 2016 das Berggasthaus Arviblick unweit der Bergstation. Laut Besitzer Lubi Jankovic haben die Verkaufspläne nichts mit dem Wegfall des Skiangebots zu tun. «Das macht es aber sicher nicht leichter, einen Käufer zu finden.» Seine Familie sei nun 20 Jahre auf dem Wirzweli, die Kinder fast erwachsen. Der Zeitpunkt für einen Wechsel wäre deshalb ideal. «Falls wir aber bis Sommer 2018 keinen Käufer finden, machen wir vielleicht doch selber eine grössere Investition in das Haus. Ich könnte mir unter Umständen sogar vorstellen, den Skilift zu übernehmen, um die Skischule erhalten zu können.» Diese habe ihm viel Umsatz im Restaurant beschert. Tatsächlich konnte man laut Hanny Odermatt in durchschnittlichen Wintern jeweils 600 bis 700 Skischulkinder begrüssen, die oft auch noch von Verwandten und Freunden begleitet worden seien. «Den Verlust dieser Frequenzen und Umsätze aufzufangen, wird schwie­rig», sagt sie.

Die Luftseilbahn ist die Lebensader für den Weiler Wirz­weli (die Strasse ist auch nach der Sanierung nicht wintersicher), gilt als Linie des öffentlichen Verkehrs und erhält deshalb Beiträge von Bund und Kanton – 2017 rund 550000 Franken (Kanton 250 000, Bund 300 000).

Laut Hanny Odermatt muss die Bahn trotzdem versuchen, den Ausfall der Skifahrer so weit wie möglich zu kompensieren. «Zwar ist das Schneeschuhwandern sehr erfolgreich, aber auch dazu brauchen wir Schnee. Wir sind mit Hochdruck daran, Ideen zu entwickeln, die auch ohne Schnee funktionieren.» Der Ski- und Schneeschuhwanderbetrieb wird durch Stundenlöhner auf Abruf abgedeckt, viele sind Landwirte. «Bisher mussten wir nie Arbeitslosenentschädigungen an sie ausrichten», sagt der Dallenwiler Gemeindeschreiber Lars Vontobel auf Anfrage. Wenn es keinen Schnee hat, haben die Landwirte noch genug Arbeit auf dem eigenen Betrieb.

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