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DALLENWIL / LUZERN: Verschwindet der «Yeti» bald nach Übersee?

Die Pläne, den letzten PC-6 mit Kolbenmotor wieder flugfähig zu machen, scheinen zu scheitern. Es droht gar der Verkauf nach Amerika. Damit ginge dem Verkehrshaus ein Stück Schweizer Aviatikgeschichte verloren.
Philipp Sturm vor dem PC-6 «Yeti» im Verkehrshaus. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 17. Oktober 2016))

Philipp Sturm vor dem PC-6 «Yeti» im Verkehrshaus. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 17. Oktober 2016))

Es war eine grossartige Sache für Aviatikfreunde, Fans der Pilatus- Flugzeugwerke und Interessierte der Schweizer Fluggeschichte. Vor gut einem Jahr konnte das Verkehrshaus in Luzern einen speziellen PC-6 in der Flugzeughalle aufhängen. Geplant war auch, das Flugzeug wieder flugtauglich zu machen. Doch dieser Traum scheint zu platzen. Mehr noch: Das Flugzeug könnte bald ganz aus dem Verkehrshaus verschwinden. Doch der Reihe nach.

Das Besondere an diesem PC-6: Es ist weltweit das einzige erhaltende Exemplar mit einem Kolbenmotor, und es trägt genau die gleiche Bemalung wie der legendäre «Yeti». Dieser wurde 1960 für eine Bergsteiger-Expedition unter der Leitung des Luzerners Max Eiselin im Himalaja gebraucht, stellte mit der Landung auf 5700 Metern einen Weltrekord auf, kehrte nach einem Unfall aber nie mehr in die Schweiz zurück. Besitzer des PC-6 mit der kopierten Yeti-­Bemalung ist der Dallenwiler Phi­lipp Sturm. Zusammen mit Daniel Geissmann, Leiter Ausstellung und Sammlung im Verkehrshaus, gründete er die In­teressengemeinschaft «Yeti soll wieder fliegen». Geplant waren beispielsweise Gletscherflüge mit bis zu sieben Personen.

Pilatus hat die Zukunft im Fokus

«Wir haben verschiedene Leute angefragt, das Projekt vorgestellt und hatten auch etliche Interessenten», erzählt Daniel Geissmann. Auch das Verkehrshaus hätte allenfalls als Partner mitgemacht. Gesucht waren total rund 900000 Franken. «Letztlich haben wir aber einfach zu wenig Rückhalt zur Aufarbeitung die­-ses Aspekts der aviatischen Geschichte erhalten», sagt Philipp Sturm. Das sei für ihn schon eine grosse Enttäuschung.

Auch die Pilatus-Flugzeugwerke wurden um Unterstützung gebeten. Ende August gab das Unternehmen aber öffentlich bekannt, dass man die Produktion des PC-6 auf Anfang 2019 einstelle. Aus diesem Grund hat die Firma, die oft Anfragen von Besitzern nostalgischer Maschinen erhält, eine Absage erteilt. «Generell sehen wir davon ab, solche Projekte zu unterstützen, da wir stets die Zukunft im Fokus haben», schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Der finanzielle Aufwand, solche Flugzeuge oder einzelne Komponenten davon wieder flugtauglich zu machen, sei zudem oft erheblich. «Aus Fairness gegenüber den vielen anderen Anfragen, welche wir bereits erhalten haben, haben wir auch Philipp Sturm eine Absage auf seine Sponsoringanfrage erteilt», so Pilatus weiter. Auch wenn es ihnen nicht leichtfällt – für Sturm und Geissmann ist dies ein unternehmerischer Entscheid, den man akzeptieren könne. Vom Sinn, den PC-6 in Luzern zu halten, sind die Pilatus-Flugzeugwerke aber überzeugt. «Obwohl es sich nicht um das Original handelt, wäre der PC-6 ‹Yeti› von Philipp Sturm im Verkehrshaus unserer Meinung nach am rich­tigen Platz, symbolisiert er doch einen wichtigen Teil der Schweizer Luftverkehrsgeschichte», gibt das Unternehmen zumindest moralische Unterstützung. Doch davon kann Philipp Sturm nicht leben. Da das Verkehrshaus grundsätzlich keine Mieten für ihre Ausstellungsstücke bezahlt, ist für ihn die jetzige Lösung finanziell unbefriedigend.

Amerikanischer Sammler will kaufen

«Das Flugzeug ist für 350000 Dollar zum Verkauf ausgeschrieben, und ich habe auch bereits einen Käufer gefunden», sagt der Dallenwiler, der gegenwärtig für längere Zeit ausser Landes ist. Es handle sich um einen reichen Sammler aus Amerika, der ein privates Museum betreibe. «Er war auch schon hier und hat das Flugzeug begutachtet.» Eigentlich sei man sich einig, aber er habe noch um Zeit gebeten. «Ich kann einfach noch nicht glauben, dass die schweizerische Fluggeschichte nicht mehr Unterstützung findet. Das ist traurig.»

Er könne es sich aber nicht leisten, sein Flugzeug einfach im Verkehrshaus gratis auszustellen, deshalb «werde ich im Frühjahr nach meiner Rückkehr in die Schweiz den Flieger im Verkehrshaus abhängen lassen und ihn verkaufen.» Er hoffe natürlich sehr, dass man bis dann doch noch Interessenten finde, die das Projekt retten oder mindestens eine anständige Miete sicherstellen würden. Keine Freude an diesen Plänen hat natürlich Daniel Geissmann. «Philipp Sturm kann als Besitzer selbstverständlich über sein Flugzeug verfügen. Es wäre aber sehr schade, wenn es aus dem Verkehrshaus in eine unerreichbare Privatsammlung verschwindet.»

Verkehrshaus möchte «Yeti» weiterhin zeigen

Ein Kauf sei für das Verkehrshaus der Schweiz mangels Budget kein Thema. Er habe aber grosses Interesse, dass der PC-6 hier bleibe. 2018/19 präsentiert das Verkehrshaus nämlich den Schwerpunkt «Die Schweiz fliegt» mit allen Bereichen, von Industriestandorten bis zu touristischen Aspekten. «Ein Ausstellungsbereich wird sich um Gebirgs- und Rettungsflug drehen, da wäre dieser PC-6 natürlich ein sehr wichtiges Exponat.» Er hoffe im Übrigen sehr, dass das Verkehrshaus die Partnerschaft zu den Pilatus-Flugzeugwerken vertiefen könne, aber halt für Flugzeuge, die noch produziert und verkauft würden.

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

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