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DALLENWIL: Maturand untersucht Kunstschnee

In seiner aufschlussreichen Maturaarbeit zeigt Benjamin Ott auf, wie sich der Kunstschnee am Jochpass auf den Boden und damit auf die Pflanzenwelt auswirkt.
Edi Ettlin
Benjamin Ott aus Dallenwil holte Schnee für seine Analysen ins Kollegi-Labor. (Bild: Edi Ettlin (Stans, 22. Dezember 2017))

Benjamin Ott aus Dallenwil holte Schnee für seine Analysen ins Kollegi-Labor. (Bild: Edi Ettlin (Stans, 22. Dezember 2017))

Edi Ettlin

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Beim Skifahren war Benjamin Ott bereits als Bub aufgefallen, dass sich der Schnee unter seinen Ski nicht überall gleich anfühlte. Der Grund dafür war ihm schnell klar: Kunstschneepisten sind deutlich härter als Naturschnee. Mit dieser Erkenntnis war Otts Neugier fürs Erste gestillt. Bis er Jahre später nach einem Thema für die Maturaarbeit suchte. Das Schwerpunktfach Biochemie hatte sein Interesse nun auf die biologischen und chemischen Aspekte gelenkt. Er wollte wissen, wie die Zusammensetzung des künstlich verschneiten Wassers Pisten und Böden beeinflusst.

Im Skigebiet Engelberg-Titlis wird zur künstlichen Beschneiung Wasser aus dem Trübsee entnommen. Daher erwartete Benjamin Ott, dass sich die Wasserzusammensetzung des Trübsees wie ein Fingerabdruck in der Kunstschneepiste wiederfinden würde. Auch nahm er an, dass es Auswirkungen auf die Böden und damit auf die Pflanzen gibt. «Das Spiel zwischen Ökonomie und Ökologie ist sehr interessant», sagt Ott über eine zen­trale Frage des Tourismus, welche besonders beim Kunstschnee immer wieder gestellt wird.

Auf Theorie folgt die Praxis

Doch bevor er seine eigene Forschung aufnehmen konnte, stürzte er sich auf die Fachliteratur. «Beim Einlesen wuchs mein Interesse, und ich sah, wie vielfältig das Thema ist», erzählt er. Neben der Lektüre holte Ott auch Informationen bei Fachleuten ein.

All die Theorie befähigte den Jungforscher schliesslich, seine eigenen Fragestellungen zu formulieren, Methoden zu definieren und die benötigten Proben zu beschaffen. Am Jochpass entnahm er Schneeproben. Dabei suchte er nach Stellen, an denen er eine Vermischung der Schneearten ausschliessen konnte. Zudem nahm er Wasser aus dem Trübsee. Die gewonnenen Proben analysierte er im Kollegi-­Labor bezüglich pH-Wert und Sauerstoffgehalt. Auch den Gehalt an Nitraten und Phosphaten ermittelte er und bestimmte die Wasserhärte.

Um zu vergleichen, wie die Wasserproben mit der Bodenbeschaffenheit korrespondierten, schaute Ott, welche Pflanzen an den untersuchten Pistenstandorten und im freien Gelände wachsen. Dazu verglich er die sogenannten Zeigerwerte. Dies sind Kennzahlen, die angeben, wie eine Pflanze in Bezug auf Feuchte, Nährstoffe, Sauerstoffdurchlüftung oder pH-Wert des Bodens gedeiht. So weisen zum Beispiel Schlüsselblumen mit der Feuchtezahl 3 auf eine mittlere Feuchtigkeit und mit der Nährstoffzahl 4 auf nährstoffreiche Böden hin.

Den Zusammenhängen auf der Spur

Erwartungsgemäss war der Boden unter der Kunstschneepiste feuchter als jener der Naturschneepiste. Benjamin Ott erklärt sich dies unter anderem durch die dickere Schneedecke.

Bezüglich der chemischen Analysen des Schmelzwassers fand er tatsächlich mehrere Unterschiede zwischen den Schneearten. Am deutlichsten unterschied sich der Kunstschnee durch seinen hohen Kalkgehalt vom Naturschnee.

Ebenfalls fällt auf, dass Ott im Naturschnee keine Nährstoffe fand, im Kunstschnee hingegen schon. Ein hoher Nährstoffgehalt im See beweist laut Ott, dass die Nährstoffe von der Beschneiung stammen. Mit den Zeigerwerten der botanischen Untersuchung konnte er ferner nachweisen, dass auch der Boden unter der Kunstschneepiste einen deutlich höheren Nährstoffgehalt aufweist. Das legt den Schluss nahe, dass die Einträge aus dem See einen nährstoffreichen Boden hervorrufen.

Konsequenzen noch unerforscht

Mit Einschätzungen, ob sich die von ihm festgestellten Veränderungen auf die Natur negativ oder positiv auswirken, ist Ott zurückhaltend. «Um solche Rückschlüsse zu ziehen, müsste man die Untersuchungen geografisch ausweiten», antwortete er auf eine entsprechende Frage aus dem beeindruckten Publikum anlässlich der Präsentation seiner Arbeit am Stanser Kollegi.

Vorerst lässt der 18-jährige Dallenwiler seine Schneeanalysen aber ruhen und konzentriert sich voll auf die Maturaprüfung. Und dann kommt das Militär. Was er anschliessend in Angriff nimmt, weiss er noch nicht so genau. Mit seinen Interessen für Umwelt und Technik kann er sich ein Studium an der ETH vorstellen. «Das kann sich aber noch ändern», sagt er gelassen.

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