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DALLENWIL: Mit Bhutans Bauern auf Tuchfühlung

In Bhutan lernte Sabrina Behrschmidt eine für sie unbekannte Landwirtschaft kennen. In einem Land, von dem sie zuvor noch nie gehört hatte.
Sabrina Behrschmidt bei der Arbeit auf den Feldern (Bild: PD)

Sabrina Behrschmidt bei der Arbeit auf den Feldern (Bild: PD)

Matthias Piazza

«Ich wollte weit weg.» Dies war für die 26-jährige Dallenwilerin Sabrina Behrschmidt klar, als es darum ging, im Rahmen ihres vor dem Abschluss stehenden Agronomiestudiums ein Land für einen halbjährigen Aufenthalt für ihre Bachelorarbeit auszuwählen. Als grosser Fan von Yaks einer Rinderart – hätte sie sich Nepal vorstellen können. Das Land stand aber nicht zur Auswahl. Stattdessen bot sich ihr die Möglichkeit, im Rahmen eines Helvetas-Entwick­lungsprojekts nach Bhutan zu gehen. Das Königreich ist zwischen Indien und China gelegen, knapp so gross wie die Schweiz und hat rund 750 000 Einwohner. «Ich hatte von Bhutan noch nie etwas gehört, musste erst im Internet recherchieren», gesteht sie. Sie sagte zu. «Es war ein Bauchentscheid.»

Von April bis Oktober im vergangenen Jahr lebte sie in Zhemgang, auf dem Gelände einer lokalen Landwirtschaftsschule. Sie hatte dort ein Zimmer und durfte das benachbarte Büro für das Verfassen ihrer Bachelorarbeit benutzen. Schnell freundete sie sich mit bhutanischen Schülern an, die gerade einen Kurs im Gartenbau belegten.

Zwischen Tradition und Moderne

Interessant fand sie das Spannungsfeld der jungen Bhutanesen zwischen Tradition und Moderne. «Einerseits sind sie sehr von Bollywood und seinem Glamour angetan, wollen sich modern geben. Andererseits fühlen sie sich auch ihrer Religion verpflichtet.» Manchmal wird auch sehr spontan «gehüpft». «Fällt der Strom aus, was relativ häufig vorkommt, kommen alle aus ihren Zimmern raus und treffen sich am Feuer, weil sie ihren DVD-Film nicht weiterschauen können.» Gewöhnungsbedürftig war das Essen. Fast immer stand Chili auf der Speisekarte, gefolgt von Reis und Kartoffeln.

Hygiene, Fütterung und Stallbau

Der Auftrag ihrer Bachelorarbeit bestand darin, den Wissensstand der einheimischen Bauern zu ermitteln. Mit einem klapprigen Auto fuhr sie zusammen mit einer Lehrerin der örtlichen Landwirtschaftsschule bis zu sechs Stunden über hügelige Landschaften zu den Bauern. Mit über 50 Bauern mit Legehennenhaltung sprach sie unter anderem über Hygiene, Fütterung und Stallbau, wollte von ihnen wissen, was sie in der örtlichen Landwirtschaftsschule gerne lernen wollten. Bauern, die die Schule bereits besuchten, fragte sie, was ihnen der Unterricht brachte. «Ich war damit ein Bindeglied zwischen den Bauern und den Lehrern.»

Schnell merkte sie, dass sie mit der Schweizer Mentalität nicht immer erfolgreich war. «Ich wollte meine Besuche ursprünglich telefonisch ankünden. Das klappte gar nicht, da die Nummern häufig wechseln.» Und Zeitangaben seien alles andere als verbindlich. Aus 10 Uhr könne locker 10.30 oder 11 Uhr werden. Glücklicherweise kenne in diesem kleinen Land fast jeder jeden, was den Kontakt zu den Leuten vereinfache.

Dafür gab es sprachliche Barrieren. «Die wenigsten Bauern können Englisch. Ihre Kinder übersetzten unsere auf Englisch gestellten Fragen in Dzongkha, die Sprache Bhutans, und die Antworten wurden von Dzongkha ins Englische übersetzt», erzählt sie. Sie sei herzlich aufgenommen worden. «Als Weisse von einem Industrieland wurde ich vorzüglich behandelt, bekam zum Beispiel im Gegensatz zu den Einheimischen eine Bambusmatte zum Sitzen, Kuhbauern boten mir Milch an.»

Glück als Massstab

An so vieles habe sie sich als Westlerin zuerst gewöhnen müssen, was ihr zu Beginn völlig fremd erschien, wie etwa der sogenannte Happiness-Index. «Statt des Bruttoinlandproduktes ist in Bhutan das Glück die entscheidende Grösse. Das Volk wird nach seinem Glücksbefinden befragt.» Leider bräuchten die Leute dies häufig als Ausrede, um den bequemeren Weg einzuschlagen. Ein Erlebnis bleibe ihre besonders in Erinnerung. «Schweizer entwickelten im Labor eine Reissorte, welche den doppelten Ertrag abwirft. Das führte dazu, dass die Bauern nur noch das halbe Feld bestellten.» Als weiteres Beispiel erwähnt sie die neue Biogasanlage. Sie dient bloss ans Anschauungsmaterial, weil die Bauern zu bequem sind, den Mist einzusammeln.

Bereut habe sie den Entscheid, nach Bhutan zu reisen, keine Minute. «Im Nachhinein empfinde ich es als eine Ehre, da nur wenige in Bhutan arbeiten können und man als Tourist sehr viel bezahlen muss, um durch Bhutan zu reisen.» Sie habe Hochs und Tiefs erlebt, habe sich auch auf ein anderes Staatssystem einstellen müssen. Bhutan ist noch immer eine Monarchie mit einem König an der Spitze, welcher beim Volk allerdings sehr beliebt sei und mit den Kindern Fussball spiele. Der Weg zur angestrebten Demokratie sei wohl noch weit. «Die Leute nehmen nicht vier Stunden Fussweg auf sich, um auf einem Zettel ein Kreuzchen zu machen.»

Zurzeit ist die studierte Agronomin auf Stellensuche in der Schweiz ihr Traumberuf wäre ein Unterrichtsjob in der Landwirtschaft.

Sabrina Behrschmidt im Gespräch mit einer Bäuerin (Bild: PD)

Sabrina Behrschmidt im Gespräch mit einer Bäuerin (Bild: PD)

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