DALLENWIL: Pilzkontrolleur entdeckt seltenen Pilz

Der frühere Pilzkontrolleur Paul Arnold hat bei uns erstmals den SpechtTintling gefunden. Dieser schöne Pilz ist äusserst selten.

Romano Cuonz
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Sein Riecher ist auch heute noch gefragt: der ehemalige Pilzkontrolleur Paul Arnold. (Bild: Romano Cuonz)

Sein Riecher ist auch heute noch gefragt: der ehemalige Pilzkontrolleur Paul Arnold. (Bild: Romano Cuonz)

Spät kamen sie, jedoch sie kamen ... die Pilze. In der Tat: Zu ungewohnter Zeit kann man momentan – sowohl in Obwalden wie auch in Nidwalden – nochmals reiche Ernten halten. Vor allem Steinpilze, die im Sommer und selbst im September eher rar waren, wachsen nun wieder in grosser Zahl unter Bäumen und an Waldrändern. Während sich das Schwämmler-Latein bei vielen Sammlern auf Paradepilze wie Steinpilz und Eierschwamm beschränkt, gibt es doch auch einige Spezialisten. Kenner, die mit viel Studium und Wissen die Grenze der sogenannten Magenbotanik überschreiten.

Pilzler rufen immer noch an

Zu ihnen gehört der frühere Nidwaldner Pilzkontrolleur Paul Arnold. Während 20 Jahren hatte der bärtige Mann die Leute im Oberdorfer Waaghuisli beraten und ihnen gezeigt, wie man Delikatessen von Ungeniessbarem oder gar Giftigem unterscheidet. Seitdem Nidwalden, zum grossen Unverständnis und Leidwesen vieler Naturfreunde, die Pilzkontrolle abgeschafft hat, ist Arnold eigentlich pensioniert. Aber in Tat und Wahrheit ist das nicht ganz so. Gerade in den letzten Tagen läutete bei Arnolds das Telefon immer wieder. Viele Leute haben nämlich entdeckt, dass der «Päuli» sie auch jetzt, wo er dafür nicht mehr bezahlt wird, nicht einfach im Stich lässt.

Äusserst interessanter Fund

Ein Gutes hat die Abschaffung der Kontrolle: Paul Arnold kommt heute – mehr wieder als früher – dazu, selber nach Pilzen zu suchen. Dabei aber interessieren ihn seltene Exemplare eher noch mehr als jene, die man in die Pfanne legt. «Kürzlich habe ich am Rande des Laubwaldes hinter der Abfalldeponie Dallenwil einen Pilz gefunden, der mir in all den 20 Jahren Pilzkontrolle nie unter die Augen gekommen ist», schwärmt der Kenner. Es handle sich dabei um den Specht- oder Elstern-Tintling (Coprinus picaceus), den man praktisch in keinem gängigen Pilzbuch finde. Der russig-schwarzbraune Pilz ist spechtartig bunt. Er fällt durch grosse, weisse, abfliessende Flocken auf. Der Hut ist eiförmig, die Lamellen sind grauschwarz.

«Dieser Pilz ist zwar ungeniessbar, aber überaus interessant», berichtet Arnold. Wie er – nachdem Experten ihn in den Voralpen für ausgestorben gehalten hatten – plötzlich wieder nach Dallenwil kam, bleibt wohl ein Geheimnis. Dass es einen Zusammenhang zwischen deponierten Abfällen und diesem Fund geben könnte, schliesst Arnold eher aus.