DALLENWIL: Südländisches Feuer mit Pep

Der «Giessenhof» in Dallenwil und Luis Martins gehören seit zehn Jahren zusammen. Auch privat ist die Familie hier zu Hause und integriert.

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Flambieren gehört zu seinen Spezialitäten: Luis Martins, Wirt und Besitzer des «Giessenhofs» in Dallenwil. (Bild: Christoph Riebli / Neue NZ)

Flambieren gehört zu seinen Spezialitäten: Luis Martins, Wirt und Besitzer des «Giessenhofs» in Dallenwil. (Bild: Christoph Riebli / Neue NZ)

«Grüezi mitenand, buona sera, merci vielmal.» Luis Martins begrüsst oder verabschiedet jeden Gast, der den «Giessenhof» in Dallenwil betritt oder verlässt, auf Schweizerdeutsch oder Italienisch. Er selber ist vom Aussehen und von der Sprache her klar ein Südländer. Italiener, Spanier? Nein, Portugiese mit grossem Sprachtalent. «Italienisch und Spanisch lernt man als Portugiese sehr leicht», so seine Erklärung. Schon mit sechzehn Jahren hat Martins Portugal verlassen. Seine erste Etappe war Venezuela. Nach einem halben Jahr sei sein Spanisch perfekt gewesen. Nicht nur die Sprache hat er in Venezuela gelernt, sondern auch erste Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt. Inzwischen ist er 47 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern. In die Schweiz ist er vor 22 Jahren gekommen. In verschiedenen Betrieben und mit diversen Weiterbildungen hat er seine Kenntnisse in der Gastronomie vertieft. Ein halbes Jahr nach ihm ist auch seine Frau Isabel in die Schweiz gereist. Seit zehn Jahren sind die beiden nun im «Giessenhof». Zuerst war Martins Geschäftsführer, dann Pächter und seit drei Jahren Eigentümer des Betriebes in Dallenwil.

Gastfreundschaft pur

«Buona sera!» Neue Gäste betreten das Lokal. Luis Martins steht auf, reicht ihnen die Hand, führt sie an einen Tisch. Etwas später serviert er eine Flasche Wein, wechselt ein paar Worte. «Bei mir wird jeder Gast gleich behandelt», sagt er später, «egal, ob Politiker oder Arbeiter», und «man muss mit Herz, Seele und Leib dabei sein, dann funktionierts». Bei Luis und Isabel Martins ist das keine leere Phrase, und das «Gastfreundschaft pur» auf der Visitenkarte leben die beiden jeden Tag. Sie sind ein eingespieltes Team. «Während er sitzt und redet, muss ich schuften», sagt Isabel Martins lachend. Schon ist sie wieder weg, bei den Gästen.
Luis Martins stammt aus einem kleinen Dorf in der Mitte von Portugal, Vila Nova de Tazem, am Fusse des Berges Serra da Estrela (Sternenberg). Einwohner von ganzen Strassenzügen seien damals ausgewandert. Heute stünden viele Häuser im Dorf leer. Wie viele andere geht die Familie Martins nur noch in den Ferien nach Portugal. Denn «zu Hause bin ich hier in Dallenwil», sagt er bestimmt. Hier sind seine Kinder aufgewachsen. Sohn Luis studiert inzwischen in St. Gallen, Tochter Isabella geht noch in Dallenwil zur Schule. «Als sie geboren wurde, war das der schönste Tag in meinem Leben», erinnert sich ihr Vater. Eigentlich hätte er auch an diesem wichtigen Tag im Restaurant arbeiten müssen, doch Freunde sprangen ein und übernahmen den Betrieb, sodass er bei der Geburt dabei sein konnte. Das ist neun Jahre her. Noch heute feiert die Familie zusammen mit ihren Freunden jedes Jahr diesen ganz speziellen Geburtstag.

Ungewohntes Kafi complet

«Mein Freundeskreis ist gemischt, halb Schweizer, halb Portugiesen», sagt Martins. Inzwischen hat er sich und seine Familie einbürgern lassen. Noch fehlen ein paar Formalitäten, doch im Herbst soll es offiziell sein. An der Schweiz schätzt Martins vor allem Sicherheit, Sauberkeit, Pünktlichkeit, schlicht das ganze System. «Wenn ich in Portugal bin und dort etwas brauche und das klappt nicht, kann ich es nicht verstehen», sagt er. Dann erinnert er sich an seinen ersten Tag in der Schweiz. Er trat eine neue Stelle im Kanton Aargau an. Kaum angekommen, musste er im Betrieb einspringen und arbeiten. Die erste Mahlzeit am Abend sei ein Schock gewesen. «Es gab eine kalte Platte.» Er lacht. «Ay, ay, ay – und dazu gab es Kaffee.» Er schüttelt den Kopf, lacht wieder. In Portugal, Italien oder Spanien sei das eine Vorspeise und würde niemals zusammen mit Kaffee serviert. Inzwischen aber hat er sich an das «Kafi complet» gewöhnt. Mehr noch, er mag das kalte Abendessen. Natürlich liebt er auch die portugiesische Küche. «Wir essen viel Fisch, auch Stockfisch. Das liebe ich auf alle Arten.» Trotzdem ist er überzeugt, dass ein portugiesisches Restaurant es hier nicht einfach hätte, seinen Kundenkreis zu finden. Die Küche sei eher fettig, mit vielen Eintöpfen. Da sei die italienische Küche viel abwechslungsreicher. Ein Gast will das Lokal verlassen. Luis Martins steht einmal mehr auf, reicht ihm die Hand und verabschiedet ihn: «Arrivederci, grazie!»

Rosmarie Bugmann / Neue NZ