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DALLENWIL/ENGELBERG: Ihr Leben ist das der Indianer

100 Darsteller stehen im Freilichtspiel «Winnetou II» auf der Bühne. Pan Ronner und seine Frau Sarah fertigen für sie Indianerkleider. Sie leben die indianische Kultur mit ihren Kindern auch unterm Jahr.
Marion Wannemacher
Pan Ronner mit seiner Familie: Sarah und die Kinder Yara (links) und Nanuk. (Bild: Marion Wannemacher (OZ) (Nidwaldner Zeitung))

Pan Ronner mit seiner Familie: Sarah und die Kinder Yara (links) und Nanuk. (Bild: Marion Wannemacher (OZ) (Nidwaldner Zeitung))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

In der Stube hängen Plakate von «Der mit dem Wolf tanzt» mit Kevin Costner und von Indianern, im Büro reiht sich im Regal Buch an Buch über Lebensweise, Geschichte und Kleidung von ­Indianern. «Seit ich in der Lehre war, habe ich mich gefragt, ‹war das wirklich so mit Winnetou?› und kaufte ein bis zwei Sachbücher über Indianer», erzählt Pan Ronner. «Ja, ja, ein bis zwei Bücher», zieht ihn seine Frau Sarah auf. In seiner Bibliothek stehen heute über 500.

Der gebürtige Emmentaler nähte sich selbst Leggins und ein Kriegshemd – «heute würde ich sagen, ein Fasnachtskostüm», kommentiert er. Bald fragten ihn Kollegen, ob er ihnen historische Trapperkostüme nähen könnte. Er konnte und erhielt als «Lohn» die Rindslederreste. «Damit nähte ich mir meine erste Lederhose.» Bald darauf kamen authentisches Kriegshemd, Köcher, Pfeil oder Bogen dazu, nach und nach eine ganze Ausstattung. Seine Frau Sarah lernte Pan Ronner in einem Indianerladen kennen. «Wir haben uns gesehen und uns nicht mehr aus den Augen verloren», erzählt sie. Mit seinen langen glatten schwarzen Haaren, den Piercings an beiden Ohren und den tätowierten Unterarmen sieht der 39-Jährige selbst aus wie ein Indianer. «Black Elk», Schwarzer Hirsch, heisst er mit Indianernamen und bezieht sich vor allem auf die Lakota-Sioux, deren Stamm eher westlich in Amerika beheimatet war. Mit seinem Faible hatte seine Frau kein Problem, im Gegenteil: «Es war das, was ich mir schon immer gewünscht habe», erzählt sie.

Mit der ganzen Familie im Tipi leben und wohnen

Auch ihre Kinder Nanuk (4 Jahre) und Yara (fast 2 Jahre) sind dabei. Mehrmals im Jahr geht die Familie mit einem Tipi in mehrtägige bis einwöchige Lager in der Schweiz und in Süddeutschland und führt mit Gleichgesinnten ein Indianerleben. Gekocht wird mit authentischen Gerätschaften nach indianischen Rezepten, «meist Eintopf, überm Feuer gekocht», erklärt Sarah. Die vier schlafen unter einem Bisonfell und kleiden sich indianisch, die Kinder spielen mit authentisch gebasteltem Spielzeug. Zum Glücklichsein brauchen sie nicht viel. Das fasziniert Pan und Sarah auch an den Indianern: «Die Naturverbundenheit, dass sie alles selbst machen und die Philosophie dahinter», erklären beide. Nur eine Einschränkung haben sie beim «Reenactment», dem historischen Nachleben. «Sicherheit und Gesundheit gehen vor», erklärt Pan Ronner.

Zum Winnetou-Casting im Dezember 2016 forderten die Organisatoren dazu auf, Requisiten und Kleider mitzubringen, falls vorhanden. Familie Ronner brachte selbst gemachte Kleider mit und versetzte Produzent und Winnetou-Darsteller Tom Volkers und Geschäftsführer Florian Niffeler in Erstaunen. Kurz darauf kam die Anfrage, ob Ronner nicht die Indianerkleider herstellen und für die Requisiten verantwortlich sein wolle. Er wollte.

Indianerkleider stapelten sich im Wohnzimmer

Pan Ronner war in seinem Element. Fortan ratterte die Nähmaschine im Büro ohne Unterlass, die Indianerkleider stapelten sich im Wohnzimmer der Familie. Vor allem für ihn selbst war es wichtig, dass die Kleider authentisch daherkamen. Sarah stand ihm zur Seite. Denn es galt ja nicht «nur» Indianerkleider samt Mokassins zu nähen, sondern auch Requisiten fürs Pueblo oder Mirandas Saloon zu besorgen. Die beiden kämmten alle Brockis der Umgebung durch nach passenden Stoffen, Lederwaren und Teppichen. Sarah Ronner fuhr sogar bis nach Hamburg, um ein Indianerkanu abzuholen. Ein Indianerfan hatte dieses vor 30 Jahren gebaut und trennte sich nun schmerzvoll von dem ihm lieb gewordenen Stück, damit es im Freilichtspiel zur Geltung kommen würde.

Ein langjähriger, guter Freund aus Dallenwil, Andreas Niederberger, der auch als Komparse angestellt war, half beiden beim Nähen. Rechtzeitig zur Vorpremiere für das Dorf Engelberg wurde alles fertig. Während aller Aufführungen stand Pan Ronner den Darstellern zur Seite, legte schnell mal Hand an, wenn es erforderlich war, um vielleicht einen kleinen Schaden an den Kostümen auszubessern. In «Winnetou II» treten 100 Haupt- und Nebendarsteller und Komparsen auf. «Die Gewänder der Apachen können wir vom letzten Stück wiederverwenden», erklärt er, die der Assiniboines und Poncas wird er teilweise neu fertigen. Bis Ende Mai hat er Zeit, seine persönliche Frist setzte er sich auf Ende April. Und Ronner sitzt wieder an der 40 Jahre alten verlässlichen «Pfaff», Sarahs Nähmaschine, die sie von ihrer Mutter hat. Und näht und näht und näht.

Häuptling wird gesucht

Noch sind nicht alle Rollen besetzt für das Stück, das vom 6. Juli bis 12. August in Engelberg aufgeführt wird. Die Verantwortlichen suchen noch einen Darsteller für die Rolle des Tascha-Tunga, des Häuptlings der Assineboins. Bewerber sollten Reiterfahrung haben. Ebenfalls gesucht werden noch fünf Krieger. Theatererfahrung wird nicht vorausgesetzt. Ideal wäre es, wenn die Darsteller in der Nähe von Engelberg wohnen. Interessenten wenden sich an info@winnetou.ch (unp)

Hinweis

Mehr Informationen unter www.winnetou.ch

Pan Norrer beim Fertigen des Gewandes der Ribanna. (Bild: Marion Wannemacher (OZ) (Nidwaldner Zeitung))

Pan Norrer beim Fertigen des Gewandes der Ribanna. (Bild: Marion Wannemacher (OZ) (Nidwaldner Zeitung))

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