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DALLENWIL/PHILIPPINEN: «Ich arbeitete sieben Tagen die Woche»

Regula Schegg baut in Asien Häuser für die Ärmsten der Armen. Per Skype erzählt sie von ihrem Leben in einer völlig anderen Welt.
Rosemarie Bugmann
Regula Schegg (1. v. rechts) vor einem Spatenstich in Tacloban auf den Philippinen. (Bild: pd)

Regula Schegg (1. v. rechts) vor einem Spatenstich in Tacloban auf den Philippinen. (Bild: pd)

«Wo deine Talente und die Bedürfnisse der Welt sich kreuzen, dort liegt deine Berufung.» Aristoteles könnte den Satz für Regula Schegg geschrieben haben. Ihre Talente, das Bauen, Organisieren, Finanzieren und Kommunizieren, kreuzen sich zurzeit mit den Bedürfnissen von vielen Menschen in Asien, vorwiegend auf den Philippinen. Es sind Menschen, die wenig Chancen haben, ein würdiges und unabhängiges Leben zu führen.

Seit zweieinhalb Jahren verbringt die Dallenwilerin viel Zeit in den Philippinen, wo sie für die Hilti Foundation den Aufbau eines nachhaltig sozialen Unternehmens vorantreibt. Vision ist die Entwicklung von alternativen Bautechnologien und deren Einführung in die Märkte. Ausserdem sollen Arbeitsplätze in der Produktion und im Bau geschaffen und mit Bauern zusammengearbeitet werden, die das Material liefern. Diese Tätigkeiten bringen es mit sich, dass die 45-Jährige oft unterwegs ist und aus dem Koffer in einfachsten Verhältnissen lebt.

Häuser aus Bambus

Aufgewachsen ist Regula Schegg in Dallenwil, hat auf der Gemeindekanzlei die kaufmännische Lehre absolviert und später ein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen. Seit 2005 ist sie für die Hilti-Gruppe in verschiedenen Ländern tätig. 2011 entwickelte sie die Idee, bezahlbaren Wohnraum für benachteiligte Menschen zu schaffen, zusammen mit einer Bauingenieurin, die die Entwicklung der Technologie vorangetrieben hat. Während eines Jahres ist die Idee zu einem konkreten Projekt gereift, und Regula Schegg ist im Oktober 2012 in Asien gelandet. Inzwischen ist ihr Team auf über zehn Personen angewachsen und wächst stetig weiter. Die Arbeit wird ihnen nicht ausgehen, denn alljährlich ziehen Tausende Filippinos vom Land in die Stadt, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Dort siedeln sie sich in Slums an, leben unter den widrigsten Umständen. Immer wieder werden sie aus den Slums vertrieben und landen im Nichts. Genau hier setzt die Hilfe von Regula Schegg an. Zusammen mit ihrem Team und den betroffenen Menschen realisiert sie taifun- und erdbebenresistente Häuser oder ganze Überbauungen vorwiegend aus Bambus.

Abgase, Armut und viel Herzlichkeit

Es ist ein Engagement, das nicht viel Luft für anderes lässt. «Am Anfang habe ich an sieben Tagen pro Woche gearbeitet», erinnert sich Regula Schegg. Das wird sich in Zukunft ändern. Seit Mai 2015 ist sie Geschäftsleiterin eines eigens für diese Vision gegründeten Unternehmens in Singapur. Ist dieses Leben nicht sehr beschwerlich? Sie zögert. «Es bringt mich manchmal an die Grenzen meiner Kräfte», sagt sie schliesslich. Aber sie könne sich sehr gut erholen und neu motivieren. So geht sie oft zu den Leuten, mit denen sie zusammenarbeitet, tauscht sich mit ihnen aus, vorwiegend in Englisch. Ein paar Worte Tagalog (lokaler Dialekt) hat sie sich angeeignet. «Es sind genug Worte, um die Herzen zu öffnen», sagt sie dazu. Dann erzählt sie vom Lärm in Manila und anderen Städten, von der enormen Armut und gleichzeitig grossen Herzlichkeit der Leute, vom alltäglichen Verkehrschaos, den Abgasen und dem Smog.

Im Gegensatz zu den Leuten dort kann sich Regula Schegg hin und wieder zurückziehen, an den Strand gehen zum Tauchen beispielsweise. «Ich habe aufgehört, mich deswegen zu verteidigen», sagt sie und «man muss es nehmen, wie es ist». Anders sei die Situation kaum aushaltbar.

In Nidwalden zum Auftanken

Richtig Energie tanken kann Regula Schegg hier in Nidwalden, wo sie noch eine Bleibe hat. «Ich geniesse die Ruhe und die Natur», sagt sie. Ihr Zuhause sei die Schweiz, ein Anker, wo sie zur Ruhe kommt. «Die Schweiz ist ein Paradies», fährt sie nach einer kurzen Pause fort. Steht bald ein nächster Besuch an? «Ja, irgendwann im Sommer», lacht sie. Vorerst aber bleibt sie für eine Weile in Singapur und erholt sich vom letzten Projekt. Jetzt will sie sich um die unternehmerischen Belange kümmern, Freundschaften pflegen und vor allem das nächste Projekt planen.

Rosemarie Bugmann

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