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Dank Negativzinsen: Zentralschweizer Kantone verdienen mit Schulden Millionen

Seit Einführung der Negativzinsen sind die Säckelmeister der öffentlichen Hand gefordert. Einige agieren geschickt – und verdienen viel. Doch die Unterschiede zwischen den Zentralschweizer Kantonen sind gross.
Christian Glaus

Wer Schulden macht, wird belohnt – wer viel Geld hat, wird bestraft. Die Finanzwelt steht seit der Einführung von Negativzinsen kopf. Stark davon betroffen ist die öffentliche Hand. Hier geht es um Millionen- oder gar Milliardenbeträge. Entsprechend gross ist der Aufwand für die Finanzverwalter von Kantonen und Gemeinden, um Negativzinsen zu vermeiden. Diese fallen an, wenn eine von der Bank gesetzte Limite auf dem Konto überschritten wird. Je nach Bank und je nach Verhandlungsgeschick der Finanzverwalter ist der Freibetrag unterschiedlich hoch.

Wie eine Umfrage unserer Zeitung unter allen sechs Zentralschweizer Kantonen und deren Hauptorten zeigt, betreibt die öffentliche Hand für das Cash Management grossen Aufwand. Eine Herausforderung ist die aktuelle Situation vor allem, weil die Einnahmen – anders als etwa beim Lohn – ungleichmässig verteilt sind. Kommt innert kurzer Zeit viel Geld aufs Konto, ist die Gefahr am grössten, Negativzinsen bezahlen zu müssen. Dazwischen kann es Liquiditätsengpässe geben – eine gute Gelegenheit, um kurzfristig Geld aufzunehmen, woran die öffentliche Hand in der heutigen Zeit sogar verdient. Grosse Summen erhalten die Kantone jeweils im März/April, wenn die direkte Bundessteuer bezahlt wird (Kanton Zug: 1,3 Milliarden Franken). Zwischen November und Januar zahlen die meisten Privatpersonen ihre Steuerrechnungen.

Um Negativzinsen zu vermeiden, erhöhen die Kantone die Zahl der Konten und verteilen diese auf mehr Finanzinstitute. Das Geld wird fleissig zwischen den Konten hin- und hergeschoben. Zudem verzichten derzeit viele darauf, die Verrechnungssteuerguthaben beim Bund vollständig abzuholen. Dafür haben sie fünf Jahre Zeit, danach würde die Rückforderung des Geldes aufgrund der Verjährungsfrist verfallen. Der Aufwand für das Cash Management scheint sich in drei Kantonen zu lohnen: Zug, Luzern und Obwalden haben mit dem Schuldenmachen seit 2016 mehr verdient, als sie den Banken für Negativzinsen bezahlt haben. Kumuliert kommen die sechs Zentralschweizer Kantone auf ein Plus von 1,2 Millionen Franken. Von den Gemeinden kommen gut 300'000 Franken hinzu. Die Unterschiede sind allerdings gewaltig.

Zug verdient 1,7 Millionen Franken

Am aktivsten scheint der Kanton Zug zu sein. Finanzdirektor Heinz Tännler (SVP) hat es sich zum Ziel gesetzt, pro Jahr höchstens 10'000 Franken für Negativzinsen auszugeben. Das klappte nicht immer: 2017 zahlte der Kanton Zug 33'000 Franken – der bisher höchste Betrag (siehe Grafik). Zum Vergleich: Der Kanton Schwyz zahlte 2018 insgesamt 284'700 Franken für Negativzinsen, 2016 sogar 364'100.

Tännler sagt auf Anfrage: «Es ist ein tägliches Ringen, damit wir kein Geld liegen lassen.» Negativzinsen dürften höchstens während eines halben Tages anfallen, dann erwarte er eine Reaktion seiner Mitarbeiter. «Regelmässig erteile ich Ausnahmebewilligungen, damit wir unser Geld so gut wie möglich anlegen können.» Dies sei nötig, weil der Umgang mit Negativzinsen in den internen Richtlinien nicht abgebildet werde.

Doch der Kanton Zug schiebt sein Geld nicht nur regelmässig von einem Konto zum nächsten. Wenn er kurzfristig flüssige Mittel benötigt, holt er sich das Geld mittels Krediten, für die er dann Negativzinsen bekommt. Im vergangenen Jahr verdiente er so 734'000 Franken. «Im laufenden Jahr wird dies einen Zinsertrag von 1,73 Millionen Franken ausmachen», sagt Heinz Tännler. Schuldenmachen lohnt sich also. Der Finanzdirektor betont aber: «Das ist nicht unser Geschäftsmodell. Es ist nichts anderes als der Not gehorchend.»

Luzern nimmt vermehrt kurzfristig Geld auf

Der Kanton Luzern zahlte in den letzten Jahren Negativzinsen zwischen 11'000 und 200'000 Franken. Die Einnahmen aus kurzfristigen Kreditaufnahmen sind mit bis zu 800'000 Franken im Jahr 2018 wesentlich höher. Und im laufenden Jahr dürften die Einnahmen weiter steigen. Der Wert des Vorjahres wurde bereits im Oktober erreicht. «Seit der Einführung von Negativzinsen ist eine der effektivsten Massnahmen die, dass wir fällige Darlehen nicht mehr nur langfristig finanzieren. Vermehrt nehmen wir benötigte Mittel kurzfristig am Geldmarkt auf», sagt Hansjörg Kaufmann, Leiter der Dienststelle Finanzen. Je kürzer die Laufzeit eines Kredits, desto höher ist der Negativzins. Kredite mit einer Laufzeit von maximal fünf Jahren sind in der Regel mit einem Negativzins erhältlich. Bei längerfristigen Krediten kann der Kanton die Zinslast senken. Davon wird er noch jahrelang profitieren. Man achte nach wie vor auf einen gesunden Mix zwischen kurzfristigen und langfristigen Darlehen, sagt Kaufmann und betont: «Wir sind keine Bank. Wenn sich aber die Chance bietet, im Kreditgeschäft Geld zu verdienen, nutzen wir sie.» Die öffentliche Hand habe den Auftrag, das Finanzvermögen optimal zu verwalten.

Schwyz zahlt vergleichsweise viel

Der Kanton Schwyz verfügt nach schwierigen Jahren wieder über «umfangreiche flüssige Mittel». Derzeit zahlt Schwyz vergleichsweise hohe Zinsbeträge, kassiert aber keine Negativzinsen ein. «Mit überschüssigen Finanzmitteln gehen wir sorgfältig und konservativ um und machen keine Zinsdifferenzgeschäfte. Das ist eine Kulturfrage und eine Frage der Risikopolitik», erklärt Hermann Grab, Vorsteher des Amts für Finanzen. Dennoch profitiert auch Schwyz von der «verkehrten Finanzwelt». Anfang 2016 hat er aufgrund der hohen Defizite der Vorjahre eine Anleihe über 125 Millionen Franken aufgenommen, die 2023 ausläuft – der Zins beträgt 0 Prozent.

Uri hortet Geld – und «wird bestraft»

Im Kanton Uri sind die Zahlungen wegen Negativzinsen in den letzten Jahren gestiegen. Das habe sich aufgrund der guten Finanzlage kaum vermeiden lassen, sagt Rolf Müller, Generalsekretär der Finanzdirektion. «Wir haben in den letzten Jahren Geld für anstehende Grossinvestitionen gehortet. Dafür werden wir nun quasi bestraft.» Die grösste Investition ist der Neubau des Kantonsspitals für über 120 Millionen Franken. Damit dürfte sich die Situation des Bergkantons in den nächsten Jahren ändern. Er kann einerseits sein Vermögen abbauen und benötigt andererseits Fremdkapital. Damit dürfte sich die Zinssituation ins Positive drehen. Müller: «Aus heutiger Sicht wäre es ideal gewesen, wir hätten mit dem Neubau des Kantonsspitals früher starten können.»

Obwalden braucht Ende Jahr 10 Millionen Franken

Der Kanton Obwalden hat in den letzten zwei Jahren dank eines geschickten Cash Managements mehr Geld eingenommen als er an Negativzinsen bezahlt hat. «Wir betreiben allerdings keine Spekulation, sondern nehmen das Geld im Rahmen unserer Finanzplanung auf», sagt Finanzverwalter Daniel Odermatt. Er rechnet ab Ende Jahr mit einer «leichten Verschuldung». Der Kanton wird einen Kredit von 10 Millionen Franken mit einer mittelfristigen Laufzeit von drei bis vier Jahren aufnehmen. Odermatt rechnet mit einem Zins von -0,6 Prozent. Mit anderen Worten: Für seine Schulden dürfte Obwalden 60'000 Franken jährlich einnehmen.

Nidwalden sieht keine Anlagemöglichkeiten

Der Kanton Nidwalden verfügt «über genügend flüssige Mittel». Er hat deshalb in den letzten Jahren relativ hohe Beträge für Negativzinsen bezahlt. Kredite nimmt er schon seit Jahren keine mehr auf, erklärt Finanzverwalter Marco Hofmann: «Der Kanton ist nicht an zusätzlichen Schulden interessiert, da wir gar keine Anlagemöglichkeiten für Geld haben. Ansonsten würden wir sofort wieder Negativzinsen bezahlen.»

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