Das Aawasseregg in Buochs – ein Juwel mit bewegter Geschichte

Das Aawasseregg in Buochs feiert seinen 40. Geburtstag. Josef «Bebbo» Odermatt erzählt vom harten Kampf und dem beschwerlichen Weg.

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So hätte das Aawasseregg aussehen können.

So hätte das Aawasseregg aussehen können.

Visualisierung: Gemeinde Buochs/PD

Eigentlich müsste man dem Bauernsohn aus Buochs beim Aa-Delta ein Denkmal setzen. Mit Junglehrer Franz Troxler und dem politisch ganz links agierenden Guido Baumann, wie Odermatt ausdrücklich betont, gründete er 1980 das Aktionskomitee pro Aawasseregg. Ohne das dreiköpfige Komitee pro Aawasseregg stünden heute wohl ein Hotelkomplex oder drei Doppel-Einfamilienhäuser auf diesem Grundstück.

Eigentümer und Bauunternehmer Hans Duss spielte ernsthaft mit dem Gedanken, ein Hotel direkt am See zu realisieren. Der Konkurs der Baufirmen Johann Koch und Hans Duss lenkte die Geschichte des heutigen Juwels in eine ungewisse, aber entscheidende Bahn.

Konkurs als Glücksfall

Die Insolvenz lockte unweigerlich Spekulanten nach Buochs. Einer davon war J. Ramensperger, der sich die Parzelle mit 3600 Quadratmetern sichern wollte. Bereits am 13. Juni 1980 erfolgten im Amtsblatt die Publikation des Baugesuchs und sieben Tage später die Publikation für einen Bootshafen.

Aufgeschreckt und besorgt deponierte Josef «Bebbo» Odermatt umgehend den Einsprache-Antrag bei Aawasser-Korporationspräsident J. Gabriel. Noch am gleichen Tag der Publikationen gründete Odermatt das Aktionskomitee, und die Unterschriftensammlung wurde sofort lanciert. Das Komitee verlangte eine Bausperre und das eingereichte Gesuch forderte die Umzonung aus der W2 in die öffentliche Zone zur Erstellung einer Parkanlage. Bereits Ende Juni wurden die Einsprachen und die rund 800 Unterschriften der Gemeinde überreicht.

Der Gemeinderat Buochs, damals eine übermächtige CVP-Hochburg mit markanten Persönlichkeiten, schmetterte im Juli 1980 die Bausperre ab, versprach aber dem Komitee, dass die Bürger die Möglichkeit erhalten werden, über die Umzonung abzustimmen. «Man habe in den 70er und 80er-Jahren nicht erwartet, dass sich ein junger Bürger, der zudem noch als Sportverantwortlicher und noch als Kommissionsmitglied der Planungs- und Baukommission Breitli tätig war, gegen die Etablierten auflehnt», sagt Odermatt. Das hätten ihm die damaligen «Obrigen», schon deutlich zu verstehen gegeben.

Beängstigende Drohung

Am 20. September 1980 erhielt er zu allem Überfluss von Rechtsanwalt Otto Odermatt eine mündliche Androhung von 150'000 Franken – wegen Bauverzögerung. Die denkwürdige Abstimmung vom 28. September 1980 wurde für das Komitee pro Aawasseregg zum Triumph. Die Buochser Bevölkerung stimmte dem Antrag des Komitees für die Umzonung aus der Wohnzone W2 in die Grünzone mit grossem Mehr zu.

An der ordentlichen Frühjahrsversammlung 1981 wurde der Kredit von 635'000 Franken für die Parzelle angenommen. Mit der Seemauersanierung, dem neuen Toilettengebäude, der Einstiegstreppe und dem allgemeinen Bau- und Gartenunterhalt hat die Gemeinde in den letzten 40 Jahren rund zwei Millionen investiert. Betriebs- und Unterhaltskosten belaufen sich heute auf 125'000 Franken pro Jahr.

Keine Wiese für Fremde

Bebbo Odermatt und sein Komitee wollten die Hippie- und Kifferecke mit der alten Bretterhütte eliminieren und der Allgemeinheit zugänglich machen. «Vor 40 Jahren war der Nutzen für Land zu Gunsten der Öffentlichkeit noch nicht vorhanden», blickt Odermatt zurück und schiebt nach:

«Die Gemeinde wollte kein zweites Ausserfeld. Man stellt kein Land zur Verfügung und werde von Fremden überflutet.»

Nur noch selten treffen bei Odermatt kritische Briefe von Anwohnern ein. «Einige beklagten sich zu Beginn über den Raum, den man der grün und sozialistisch gefärbten Klientel für das ungestüme Ausleben zur Verfügung stellt.» Für Bebbo Odermatt hat sich der Kampf gelohnt und er sagt: «Ich bin stolz auf diesen Flecken. Ich gehe viel baden im Egg und wenn ich auf dem Stein sitze und auf den See hinausblicke, verspüre ich eine unglaubliche Genugtuung.» Nicht unerwähnt bleibt Hans Duss: «Ohne ihn würde es das Juwel Aawasseregg nicht geben. Ich habe in der Zeitachse der 80er-Jahre ein interessantes Fenster zu Gunsten der Buochser Bevölkerung gefunden», ergänzt Odermatt mit berechtigtem Stolz.

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