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Das Chäslager und sein «Senior»

Sich selber bezeichnet Otto Odermatt gerne als «Yogi vom Seelisberg». Dass er aber auch ein wichtiger Nidwaldner Kulturtäter ist, bewies er am Freitag mit heiter besinnlichen Geschichten im Kleintheater Chäslager, welches er mitbegründet hat.
Romano Cuonz
Mitbegründer Otto Odermatt verhilft dem Chäslager mit hundert Geschichten zu neuen Stühlen. (Bild: Romano Cuonz, Stans, 21. Dezember 2018)

Mitbegründer Otto Odermatt verhilft dem Chäslager mit hundert Geschichten zu neuen Stühlen. (Bild: Romano Cuonz, Stans, 21. Dezember 2018)

«Otti Odermatt und seine Brüder begleiten unser Chäslager bereits seit seiner Geburtsstunde», eröffnete Betriebsleiter Rene Burrell den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern, die an diesem stürmischen und regnerischen Abend ins Kleintheater gekommen waren. Hergekommen für eine sogenannte Crowdfunding Aktion zu Gunsten einer Erneuerung der arg in die Jahre gekommenen Chäslager Bestuhlung.

Crowdfundig war dann aber auch der einzige neudeutsche Begriff an diesem Abend! Alles, was der heute 72-jährige Otto Odermatt unter dem Titel «Sagen und anderes» während satter zwei Stunden zu erzählen, vorzulesen oder auch voll Dramatik zu rezitieren wusste, war einheimisches Gut in waschechtem Nidwaldner Dialekt. Unterbrechen liess der beredte Senior sich nur dann und wann durch «heimiliges Örgelispiel» der jungen Seelisberger Musikantin Priska Truttmann.

Die Kinder des «Limonädelers»

Otto Odermatt wurde 1946 als eines von elf Kindern einer Sattlerfamilie in der Stanser Schmiedgasse geboren. Sein Vater trug den Spitznamen «Limonädeler», weil er jeden Alkohol strikte mied. Die Nachkommen dieser Familie prägten Nidwalden. Künstlerisch wie auch kulturell. Gleich mehrere haben sich als Künstler einen Namen bis über die Kantonsgrenzen hinaus gemacht. Otto Odermatt selber, der vorerst 14 Jahre als Primarlehrer gearbeitet hatte, war – und ist noch heute – ein leidenschaftlicher Schreiber. Seiner Feder entstammen Sagen, Aphorismen, Gedichte, aber auch Zeitungsartikel zum kulturellen Geschehen in Nidwalden.

In den 1980er Jahren gewann Otto Odermatt – zusammen mit seinem früh verstorbenen Bruder Beat – die Überzeugung, dass an unserem Erziehungssystem etwas fehle. «Dies hat uns bewogen, von Maharishi Mahesh Yogi die Technik der Transzendentalen Meditation zu erlernen», erzählte er dem Publikum. Und aktiver, überzeugter Lehrer an der Maharishi European Research University (MERU) in Seelisberg sei er auch heute noch.

Liebevolle Hommage an Gefährten

Überaus eindrücklich war, wie lebendig es Otto Odermatt gelang, Erinnerungen an Menschen wachzurufen, die ihm grossen Eindruck gemacht hatten. Allen voran erwähnte er seinen Bruder Beat. Der habe als Dreijähriger zugesehen, wie Hühner sich um Würmer stritten und dann weinend ausgerufen: «D Wurmili tiänd ai gäre läbe!» «Diese Erkenntnis hat mein Bruder, der bei Josef Beuys Kunst studierte, eine Chäslager-Zeitung herausgab oder einer Frau in Seenot das Leben rettete, immer beherzigt», erinnerte sich Otto Odermatt. Selbst als er erkannt habe, dass in einer kriegerischen Welt mit der Kirche und dem lieben Gott etwas nicht stimmen konnte! Auch an den Fotografen Leonard von Matt erinnerte sich der Erzähler. «Obwohl man in Nidwalden sagte, dass seine Fotos ‚miese Ware’ seien, hatte er mit seiner Kamera Staub von antiken Statuen geblasen und Kunstwerke zum Atmen gebracht», attestierte ihm Odermatt.

Und seinem lieben Dichterfreund Walter Käslin sagte er nach: «Du warst ein Mensch, der zu sagen wagte, was er empfand und spürte, manchmal mit feiner, manchmal mit böser Ironie, aber stets wohltuend direkt!»

Köstlich auch die Geschichte vom Künstler August Bläsi: Der habe am 24. Dezember im Kellerloch seines Ateliers einen Baum ohne Nadeln mit Käse und Speck geschmückt. Am Heiligabend aber habe er wie ein Kind gestaunt, als der ganze Baum voller schnabulierender Mäuse war!

Alte Sagen – witzige Gedichte

Natürlich gab Otto Odermatt den Zuhörern auch einige eindrückliche Müsterchen seiner Dichtkunst. Da waren gruselige alte Sagen, eine Spezialität von ihm: Vielen dürfte er eine Hühnerhaut beschert haben, als er vom kleinen Mandli mit dem roten «Länderli», mit eisgrauem Haar und Runzeln wie Schnüren oder von der nachts heulenden Hexe bei der Seelisberger St. Anna Kapelle, deren «Schnudernase» ständig rann, erzählte. Nein, nicht einfach nur ein Erzählen war es. Vielmehr eine höchst dramatische Darbietung im schönsten Nidwaldner Dialekt.

Und genau dieser Nidwaldner Dialekt ist es auch, der seine Aphorismen so prägnant macht. Nur zwei von vielen Beispielen: «Das isch zvil – will wenigi zvil hend, hend vil zvil vil zwenig, das isch z vil!» Oder: «Äigä: I deynä Äigä sind meyni Äigä deyni Äigä. Aigä: I meynä Äigä sind deyni Äigä meyni Äigä! »

Wer wollte staunen, dass sich am Ende dieses Abends der herumgereichte Hut mit guten «Nötlein» füllte und das Chäslager so wohl bald schon neue Stühle erhalten wird.

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