Das Geschäft mit Blumen und Setzlingen läuft – doch es gibt auch Ausnahmen

Für Gärtnereien ist der Frühling die wichtigste Verkaufszeit. Nicht alle Gärtnereien in Nid- und Obwalden jedoch können darauf reagieren.

Irene Infanger
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Roswitha Kuster (links) und Irene Kuster von der Kuster AG in Stans.

Roswitha Kuster (links) und Irene Kuster von der Kuster AG in Stans.

Bild: Irene Infanger (Stans, 2. April 2020)

Es ist ein ungewöhnliches Bild, das sich vor dem Gartencenter Kuster in Stans präsentiert. Vor den Türen des Blumengeschäfts stehen diverse Einkaufswagen nebeneinander, gefüllt mit unterschiedlichsten Dingen: Von Blumenerde über Saatgut, Kräutern oder Blumen findet sich allerlei. Es sind Bestellungen, die in den letzten Tagen aufgegeben und demnächst abgeholt werden. Die Nachfrage nach Blumen und anderen Gartenartikeln ist auch in Zeiten von Corona gross, trotz geschlossenem Blumengeschäft und Gartencenter. «Die Menschen sind dankbar, dass sie dennoch zu Material kommen. Wir haben heuer so viele Setzlinge gegen Rechnung verkauft wie noch nie», sagt Geschäftsführer Sepp Kuster von der Gebrüder Kuster AG. Die Erfahrungen der letzten Jahre erlaubten es den Verantwortlichen, bereits ab 17. März einen funktionierenden Hauslieferdienst anzubieten. «Die Nachfrage war von Anfang an sehr erfreulich. Wir bekommen auch viele Anfragen von Neukunden», so Sepp Kuster. Dem Familienunternehmen spielt womöglich in die Hände, dass grosse Center in der Umgebung ihre Ware momentan nicht verkaufen dürfen.

«Nach den kalten Wintermonaten ist das Bedürfnis nach etwas Blühendem immer sehr gross.»

Frühling bedeutet für die Garten- und Blumenbranche Hochsaison. «Nach den kalten Wintermonaten ist das Bedürfnis nach etwas Blühendem immer sehr gross. Es zieht die Menschen in die Gärten, das ist heuer nicht anders», weiss Marianne Wüthrich. Die Geschäftsinhaberin der Heinz Wüthrich AG in Alpnach Dorf musste ihren Blumenladen schliessen und für einen Teil der Belegschaft Kurzarbeit anmelden. Glücklicherweise ist in der Gärtnerei genügend Arbeit vorhanden. Neben dem längst bewährten Hauslieferdienst gibt es zusätzlich einen Selbstbedienungsstand, wo Ware gekauft und Bestellungen abgeholt werden können. Auch sie sagt: «Die Leute machen rege Gebrauch davon. Setzlinge, Kräuter, Frühlingsblumen oder auch Pflanzenkörbe: Alles ist sehr gefragt momentan.» Und da die Gärtnerei lediglich für den eigenen Verkauf produziert und keine Grossverteiler bedient, musste das KMU mit 19 Mitarbeitern kaum Ware wegwerfen. Bis jetzt zumindest. Nicht tangiert von den Einschränkungen ist der Gartenbau beider Unternehmen. Wer seinen Garten Profis anvertrauen möchte, kann dies auch aktuell tun. «Die Gartenbauabteilung arbeitet wie gewohnt, einfach unter Berücksichtigung der vom Bund vorgegebenen Massnahmen», erklärt Marianne Wüthrich.

Vor den Türen des Gartencenters in Stans stehen zahlreiche Einkaufswagen gefüllt mit bestellter Ware, die gegen Rechnung abgeholt wird.

Vor den Türen des Gartencenters in Stans stehen zahlreiche Einkaufswagen gefüllt mit bestellter Ware, die gegen Rechnung abgeholt wird.

Bild: Irene Infanger (Stans, 2. April 2020)

Ein menschlicher Verlust für Rütimattli-Gärtnerei

Einschneidende Auswirkungen hat die ausserordentliche Lage für die Gärtnerei der Stiftung Rütimattli in Sarnen. Aufgrund der Coronapandemie hat die Stiftungsleitung ein generelles Besuchsverbot und die Schliessung sämtlicher Werkstätten beschlossen. Davon ist auch der Betrieb der Gärtnerei betroffen, wie Leiter Valentin Brändle auf Anfrage sagt. «Kunden können im Moment keine Waren bei uns beziehen. Wir bieten keinen Lieferservice an», erklärt Valentin Brändle. Über einen möglichen finanziellen Verlust möchte er aber nicht sprechen, schwerer wiege der menschliche. Denn mit der Schliessung der Werkstätte können 20 Personen mit einer Beeinträchtigung ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben. «Das ist ein grosser emotionaler Verlust», erklärt der Leiter der Gärtnerei.

«Wir müssen das Beste daraus machen und hoffen, dass wir gesund aus der Krise kommen.»

Damit der Kontakt zwischen Betreuern und Mitarbeitern dennoch aufrechterhalten werden kann, stehen die beiden Seiten mehrmals wöchentlich in telefonischem Kontakt. «Das Personal arbeitet normal. Ziel ist es, den Betrieb sofort weiterführen zu können, wenn es die allgemeine Lage wieder zulässt», so Brändle. Er hofft, wie auch Sepp Kuster und Marianne Wüthrich, dass die Lage sich bald wieder normalisiert. Hadern will aber niemand. «Wir müssen das Beste daraus machen und hoffen, dass wir gesund aus der Krise kommen», betont Marianne Wüthrich. Sepp Kuster spricht seinen Mitarbeitern ein grosses Kompliment aus, die Stimmung sei gut, jeder würde seinen Beitrag leisten, trotz Kurzarbeit und unsicherer Lage.

Finanzielle Auswirkungen sind ungewiss

Betroffen von den bundesrätlichen Massnahmen sind natürlich auch reine Blumengeschäfte. Für den Rosenladen in Buochs etwa sind die Zeiten nicht mehr rosig. Wo normalerweise zahlreiche schöne Arrangements ausgestellt sind, herrscht gähnende Leere.

Auch im Guetli-Shop in Stans musste der Verkauf der Blumengestecke vom Rosenladen eingestellt werden. Geblieben sind einzig Bestellungen per Telefon oder E-Mail. «Es handelt sich aber um einen Bruchteil des normalen Tagesgeschäfts», sagt Inhaber Peter Schwitter.

Dank der wirtschaftlichen Unterstützung des Bundes sei die Existenz des Kleinbetriebs vorerst gesichert. Unklar ist jedoch, wie sich die finanziellen Einbussen auf das restliche Jahr auswirken, da der Frühling die umsatzstärkste Zeit ist.

Umso mehr hofft der Kleinunternehmer mit fünf Mitarbeitern und einem Lehrling, dass die Türen spätestens im Mai wieder geöffnet werden können. «Muttertag ist für uns ein wichtiges Geschäft, noch wichtiger als Ostern. Es wäre deshalb schön, wenn wir im Mai wieder öffnen könnten», bringt Peter Schwitter seine Hoffnung zum Ausdruck.