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Serie

Das Herzstück der Musenalp

Die Musenalpbahn hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1952 erbaut, brannte sie 40 Jahre später vollständig aus. Die danach neu errichtete Bahn ist auch heute noch wichtig für Touristen und Einheimische.
Sepp Odermatt
Die Musenalpbahn fährt in die Bergstation auf rund 1750 Metern über Meer ein. (Bild: Sepp Odermatt, 10. Juli 2018)

Die Musenalpbahn fährt in die Bergstation auf rund 1750 Metern über Meer ein. (Bild: Sepp Odermatt, 10. Juli 2018)

Morgens kurz nach sieben Uhr bringt uns die Luftseilbahn von Dallenwil hinauf nach Niederrickenbach. Das heutige Ziel ist aber noch nicht erreicht: die Musenalp. Direkt bei der Bergstation, wo wir aussteigen, steht eine blaue Pendelbahn mit Viererkabine bereit. Toni, der schon mit uns nach Niederrickenbach gefahren ist, trägt zwei grosse Schachteln mit sich und lädt diese in das kleine Bähnli. «Brot und allerlei Frischwaren für’s Alpbeizli», sagt der Bergler. Er hat den Schlüssel für das Bähnli und bedient dieses von innen, erklärt Toni, der ehemalige Käser von der Musenalp. Während der Fahrt in luftiger Höhe erblicken wir nördlich von uns die gepflegten Alpen am Buochserhorn und südlich davon die imposanten Felsen des Brisens. Plötzlich überrascht uns Toni mit dem Hinweis: «Gsesch das Gämschi, da under em Felsä?» Tatsächlich können wir das prächtige Tier sofort erkennen und erfreuen uns an der intakten Natur.

Nach dem steilsten Teilabschnitt erreicht die Luftseilbahn den Masten, der sich auf dem hellgrauen Felsen der Musenalp türmt. Danach wird es flach und lieblich. Eine wunderbare Blumenpracht liegt einem zu Füssen, bevor die Alp mit der zweckmässigen Bergstation erreicht wird.

«Dädi, dr Motor brennd»

Vor dem Wohnhaus werden wir von Jost und Edith Barmettler herzlich begrüsst. Seit 2006 ist die Bauernfamilie mit ihren drei Töchtern zwischen 16 und 21 Jahren im Besitz dieser Alpkäserei. Ein schönes Wohnhaus, ein urchiges Alpbeizli, ein neuer Stall und natürlich die Luftseilbahn gehören dazu.

Im Stübli sitzen die Eltern, Jost sen. und Helen Barmettler, beim Z’morge. Vater Jost sen. weiss viel über die Geschichte der Musenalp-Bahn zu erzählen: «Im Jahre 1952 wurde die erste Bahn auf die Musenalp gebaut; eine reine Transportbahn, die schon damals für den Alpbetrieb wichtige Dienste leistete. Vierzig Jahre später, am 8. Juni 1992 passierte es: Der Benzinmotor, der als Antrieb diente, geriet in Brand.» Sein Sohn Jost, damals 23-jährig, habe gerufen, «Dädi, dr Motor brennd» und dann sei alles sehr schnell gegangen. Zurück sei Schutt und Asche geblieben.

Jost und Edith Barmettler - auf dem Bild zusammen mit Jost sen. und Helen Barmettler - betreiben die Bahn. (Bild: Sepp Odermatt, 10. Juli 2018)

Jost und Edith Barmettler - auf dem Bild zusammen mit Jost sen. und Helen Barmettler - betreiben die Bahn. (Bild: Sepp Odermatt, 10. Juli 2018)

Wie sollte es weitergehen? – Die Familie Barmettler suchte nach verschiedenen Lösungen. Schon bald wurde klar, dass eine Strasse auf die Musenalp aus technischen und finanziellen Gründen nicht infrage käme.

Berg- und Talstation selber gebaut

«Dank grosser Unterstützung der damaligen Behörden und kantonalen Stellen haben wir uns entschieden, eine neue Bahn zu bauen. Die einheimische Firma Niederberger, Seilbahnbau in Dallenwil, erhielt den Auftrag», erklären Vater und Sohn. Die Berg- und Talstation hätten sie zum grössten Teil selber gebaut. «Nach Erteilung der Konzession transportierte die neue Pendelbahn am 30. Mai 1994 die erste Person auf die Musenalp», berichtet Vater Barmettler mit berechtigtem Stolz. Die heute 24-jährige Privatbahn ist noch immer das Herzstück des prächtigen Alpbetriebes. Einerseits ist sie die einzige Erschliessung für die Landwirtschaft, andererseits transportiert sie Gäste, die sich im Alpbeizli von Edith Barmettler und ihren Angestellten mit einheimischen Speisen und Getränken verwöhnen lassen. Die Musenalp erfreue sich grosser Beliebtheit, stellt die engagierte Bauernfrau und Wirtin fest: «Es sind vorwiegend Familien, Pensionierte und Tagesausflügler, die uns besuchen.»

Bergluft gibt neue Energie

Für das Alpenerlebnis gibt es kaum einen besseren Ort als das Beizli der Familie Barmettler. Die Sicht auf die umliegenden Berge ist überwältigend, die frische Luft gibt neue Energie und die Käseschnitten, Meringues mit Rahm, Lebkuchen oder Früchtewähen sind an Köstlichkeit kaum zu überbieten.

Vom Alpbeizli aus geniesst man ein herrliches Panorama. (Bild: Sepp Odermatt, 10. Juli 2018)

Vom Alpbeizli aus geniesst man ein herrliches Panorama. (Bild: Sepp Odermatt, 10. Juli 2018)

Vier Abstiegsvarianten bieten sich an: Bärenfallen Richtung Klewenalp, Fahrweg Richtung Niederrickenbach, Rätzele oder Spycherweg Richtung Bleiki. Heute wählen wir den Spycherweg oder Chästrägerweg, wie er auch genannt wird. Vor dem Abmarsch gibt Edith Barmettler noch ein Stück Käse auf den Weg. In direkter Vermarktung bietet der Betrieb Musenalpkäse, Bratkäse, Mutschli und Alpbutter an.

Wir werfen nochmals einen Blick auf das blaue Bähnchen, das hoffentlich noch vielen Besuchern seine Dienste erweisen wird und lassen das authentische Alpbeizli mit seiner Einfachheit etwas wehmütig zurück.

Mit diesem Beitrag starten wir unsere Sommerserie «Die kleine Bahn». Dabei stellen wir eine Auswahl der zahlreichen kleinen Seilbahnen in Nidwalden vor.

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