Das Musikfest in Hergiswil kündigt sich mit Fest und Party an

Von wegen Schlafdorf: Am Jahreskonzert des Musikvereins Hergiswil  ging die Post ab – mit Konzertmusik, Feststimmung und einer Uraufführung.

Kurt Liembd
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Der Musikverein Hergiswil bot ein unterhaltsames Jahreskonzert. (Bild: Kurt Liembd (Hergiswil, 25. Januar 2019))

Der Musikverein Hergiswil bot ein unterhaltsames Jahreskonzert. (Bild: Kurt Liembd (Hergiswil, 25. Januar 2019))

Das Lopperdorf ist bereits in Festlaune im Hinblick auf das 1. Innerschweizer Musikfest, welches Mitte Juni 2019 in Hergiswil mit rund 50 Musikkorps stattfindet. Bekanntlich gehört zu einem Musikfest immer auch ein Fest im engeren Sinne, sodass das Motto «Fest und Party» ideal zum Jahreskonzert vom vergangenen Freitag/Samstag passte. «Wir laden Sie ein, mit uns zusammen ein Fest zu feiern», heisst es denn auch in der Einladung. Doch «Fest» ist nicht gleich «Fest», das Spektrum der Darbietungen war breit – von ausdrucksstarken Feierlichkeiten über die «Fête des Vignerons» und irischen Volksweisen bis zu einer Après-Ski-Ballermann-Festhütte. Aber nicht auf billige Art, sondern immer eingeordnet in den passenden Kontext und versehen mit Showelementen.

Schon die Eröffnung mit der festlichen «Festival Fanfare» vom Tessiner Komponisten Franco Cesarini liess aufhorchen, denn sie wirkte so etwas wie die Eröffnungsfanfare zum kommenden Innerschweizer Musikfest. Wunderschön geriet dabei nebst dem Fanfare-Teil auch das weiche und melodiös fliessende Trio-Thema. Vom holländischen Komponisten Jacob de Haan stammt die Komposition «Ross Roy», welche das Leben in einem australischen College beschreibt. Dirigent Stefan Zimmermann gelang das Kunststück, die verschiedenen Facetten eindrücklich zu gestalten. So erscheint das Ross-Roy-Eingangsthema in einem monumentalen Charakter, später in einer scherzhaften humorvollen Fassung, plötzlich in Dur sowie in langsamem Tempo und am Schluss sogar mit orientalischem Einschlag.

Reto Blättlers dritter Streich

Komponist Reto Blättler (links) widmete seine Neukomposition seinem muskalischen Lehrmeister Hans Aregger. (Bild Kurt Liembd (Hergiswil, 25. Januar 2019))

Komponist Reto Blättler (links) widmete seine Neukomposition seinem muskalischen Lehrmeister Hans Aregger. (Bild Kurt Liembd (Hergiswil, 25. Januar 2019))

Musikalischer Höhepunkt des Abends bildete die Uraufführung eines Marsches von Aktivmitglied und Vizedirigent Reto Blättler (32), arrangiert von Rolf Ambauen. Es ist bereits die dritte Komposition von Reto Blättler für Blasmusik, gewidmet hat er sie seinem musikalischen Lehrmeister Hans Aregger (88), der in Horw wohnt und als Ländlermusik-Koryphäe und Komponist bekannt ist. Der Klarinettist und Saxofonist strahlte nach der Uraufführung übers ganze Gesicht, ebenso seine Frau Lina, eine bekannte Jodlerin. «Ich bin äusserst glücklich und sowohl von der Komposition wie von der Interpretation positiv überrascht», so Hans Aregger. Für seinen ehemaligen Schüler Reto Blättler findet er nur lobende Worte.

Dass Musik Menschen verbindet, beweist die auch enge Freundschaft zwischen den beiden, auch wenn der Altersunterschied volle 56 Jahre beträgt. Der Titel des Marsches wurde erst kurz vor der Uraufführung bekanntgegeben und war überraschend im wörtlichen Sinne. Er heisst «Surpriis!» und ist eine Anspielung auf die gemeinsame «Medizin» des Komponisten und seines Lehrmeisters, nämlich den Schnupftabak. Aber nicht nur, denn der Titel bezieht sich auch auf das Musikalische. Reto Blättler gelang es, überraschende Elemente einzubauen. So beginnt das Stück etwa mit einem verminderten Dreiklang, der erste Teil erklingt in Moll, der zweite Teil beinhaltet volkstümliche Elemente und das Trio wirkt stellenweise fast symphonisch. Über seine Motivation sagt Reto Blättler: «Von Hans Aregger habe ich gelernt, dass der wichtigste Teil, der gute Musik ausmacht, immer der Mensch ist.» Sein Appell an die Musikanten: «Macht mit dem Herz Musik und nicht nur mit dem Verstand.»

Klamauk dank Andreas Gabalier

Dass die Hergiswiler mit dem Herz spielen, zeigten sie im Verlaufe des weiteren Abends eindrücklich. Mit irischem Temperament und tänzerischem Ungestüm folgte «Gaelforce», bei dem vor allem die Holzbläser gefordert wurden. Wieder zurück in heimatliche Gefilde brillierten die Holzbläser in der «Swiss Clarinet Polka» und in «La Fanfare du Printemps» vom legendären Schweizer Komponisten und Priester Abbé Bovet.

Im Stile einer Theater-Ouvertüre und ganz im Unterhaltungsmodus gelang Alfred Reeds «Curtain Up», während «Glory of Love» und böhmische Klänge ebenso emotionale Feststimmung verbreiteten. Getreu dem Konzertmotto kam sogar Andreas Gabalier zu Ehren – der Mann, der jede Konzerthalle in eine Ballermann-Festhütte zu verwandeln vermag. Zum Gaudi des Publikums bot Schauspieler Seppi Blättler dazu originellen Klamauk in Form einer Persiflage über diesen Entertainer.

Dass in Hergiswil der Nachwuchs nicht weit ist, bewies das Schulorchester, das nebst eigenen Vorträgen auch ein Stück zusammen mit dem Musikverein spielte. So sassen teilweise rund 80 Musikanten auf der Bühne und präsentieren Filmmusik aus dem Film «Frozen». Mit originellen Ansagen führte wiederum Hans-Jörg Lustenberger durch den Konzertabend. Christoph Marti, Präsident des Musikvereins, ernannte zudem zwei Musikanten für 20-jährige Treue zu Ehrenmitgliedern. Es sind dies Martin Niederberger und Pascal Zibung.