Das Rüebli und nichts als das Rüebli

Autor Christian Hug macht sich in seinem «Ich meinti» Gedanken über Bio- und andere Rüebli.

Christian Hug
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Christian Hug.

Christian Hug.

Gestern habe ich bei der Biobäuerin meines Vertrauens ein Zehnkilo-Mischpaket Kuhfleisch bestellt. Herrlich! Das ist genau die Art Fleisch, die ich essen will: bio, behornt, Mutterkuhhaltung, Freilaufstall, Alpsömmerung. Glückliche Kühe. Und das für nur 32 Franken das Kilo. Ich finde, die Chinesen sollen ihre Massenturbomastgüggel selber essen. Weil wir hier das bestmögliche Fleisch ja grad auf der Weide vor unserer Tür stehen haben.

Fleisch ist wichtig für das Wohlbefinden, jedenfalls für meines. Ein Tag ohne Wurscht­redli ist wie ein Auto ohne Benzin, da kommt man nirgends hin. Wobei: Inzwischen gibt es ja Elektroautos, und Greta Thunberg sagt, wir sollen auf Fleisch verzichten, weil das die Umwelt belastet und dann die Polkappen schmelzen. Das nehme ich mir natürlich zu Herzen. Deshalb mache ich jedes Mal, wenn ich einkaufen gehe, einen Abstecher in die Veganer-Abteilung. Vor ein paar Jahren gab’s da ja bloss Tofu, der geschmacklich von Holzleim kaum zu unterscheiden war. Aber inzwischen ist das Angebot riesig und lecker, Greta und ihren Fans sei Dank.

Das neuste Angebot der tierproduktfreien Ernährung fand ich letzthin im Coop, es war «veganer Aufschnitt auf Basis von Karotten», also eingedicktes Rüeblimousse in Scheiben, die bunte Verpackung war neudeutsch mit «Carrot Slices» angeschrieben. Hab ich mir sofort gekauft. Hundert Gramm für dreifünfzig. Weil ich alles, was neu und essbar ist, ausprobiere.

Zu Hause nahm ich die Plastikbox aus der Kartonhülle, schnitt mir beim Öffnen fast in den Zeigefinger und schob mir so eine Scheibe in den Mund. Die «Carrot Slices» schmeckten – nach Rüebli. Ein bisschen pampig, aber ja, da war eindeutig Rüebli drin. Beim letzten Rüebliredli betrachtete ich kauend die Verpackung und nahm die Waage aus dem Schrank. Plastik: 14 Gramm. Karton: 13 Gramm. Und das für 100 Gramm umweltpolitisch korrekte Ernährung. Aber ist das ein Beitrag zur Greta-Thunberg’schen Weltrettung, wenn ich für 100 Gramm industriell mit Wasser und Rapsöl vermantschte Rüebli 27 Gramm problematischen Abfall produziere? Und sechs E-Nummern gibt’s bei dieser veganen Gesundnahrung noch obendrauf. Also wenn Sie mich fragen: Nachhaltige und gesunde Ernährung sieht anders aus. Die riesige Palette veganer Nahrung in den Läden ist super und löblich. Aber wer die Welt retten will, den bringt der viele Plastik drumherum in moralische Schwierigkeiten. Mich jedenfalls.

Da bleib ich doch lieber beim echten, reinen Biorüebli. Kostet nur 30 Rappen. Und schmeckt auch köstlich zu Rindsvoressen.