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Das Stanser Einbahnsystem ist definitiv vom Tisch

Der Gemeinderat hat entschieden, den Versuchsbetrieb von Anfang August nicht wieder aufzunehmen. Der Hauptgrund liegt in Sicherheitsbedenken.
Philipp Unterschütz
Im ganzen Dorf stand der Verkehr am ersten Tag des Einbahnversuchs wie hier am Karli-Kreisel. (Bild Matthias Piazza, Stans, 8. August 2019)

Im ganzen Dorf stand der Verkehr am ersten Tag des Einbahnversuchs wie hier am Karli-Kreisel. (Bild Matthias Piazza, Stans, 8. August 2019)

«Wir haben gewisse Faktoren falsch eingeschätzt und gewisse Probleme unterschätzt, der Versuch hat nicht funktioniert», zieht der Stanser Gemeindepräsident Gregor Schwander (CVP) Bilanz über den gescheiterten Einbahnversuch. Nach einem mehrstündigen Verkehrszusammenbruch am 8. August hatte der Gemeinderat unmittelbar danach einen Marschhalt verordnet und eine Analyse in Angriff genommen. Gregor Schwander betont auch, dass man sich nicht blindlings in den Versuch gestürzt habe, sondern am Wochenende vorher nochmals alle involvierten Fachleute wie Verkehrsplaner, Amt für Mobilität und Polizei angefragt habe, ob man den Versuch wagen könne. «Die Antwort war zustimmend, vor allem, weil der Versuchsbetrieb längerfristig auch unter schwierigen Bedingungen funktionieren müsste.»

Risiko zu gross wegen Blaulichtorganisationen

Aufgrund der nun vorliegenden Analyse war sich der Gemeinderat einig, den Versuchsbetrieb ganz abzubrechen und auf eine Neuauflage zu verzichten. «Die Analyse durch die involvierten Fachstellen zeigt, dass eine Wiederaufnahme nicht ohne erhebliche übergeordnete verkehrsregulierende Massnahmen empfohlen werden kann», schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. «Konkret heisst das unter anderem, dass wir die Verkehrsmenge mit Pförtneranlagen regulieren müssten und Stauraum ausserhalb des Dorfes bräuchten. Es wären so viele flankierende Massnahmen nötig, dass es schon rein finanziell nicht möglich wäre», erklärt Gregor Schwander. «Wir haben in Nidwalden ein Verkehrsproblem. Dieses muss aber über die Gemeinde hinaus regional angeschaut werden, um gute Lösungen zu erzielen.»

Der wichtigste Grund für den Gemeinderat, den Versuchsbetrieb definitiv abzubrechen, sei die Sicherheit. Auch für Blaulichtorganisationen hätte es beim Verkehrszusammenbruch kein Durchkommen mehr gegeben. «Die Sicherheit hat Vorrang vor allem anderen», betont Gregor Schwander. «Die Analyse hat gezeigt, dass bei einem erneuten Versuch ohne zusätzliche flankierende Massnahmen nicht auszuschliessen ist, dass es wieder zu einem Verkehrszusammenbruch kommt.» Das wolle die Gemeinde nicht riskieren. Die kantonalen Behörden, mit denen man nach wie vor in engem Kontakt sei, teilten diese Auffassung.

Einfluss auf Sanierung der Robert-Durrer Strasse

Für den Versuch mit dem Teil-Einbahnsystem hatte der Gemeinderat einen Volksauftrag. Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit hat die Gemeindeversammlung vom 28. November 2018 dafür 125000 Franken bewilligt. «Es ging dabei um eine versuchsweise und nicht eine definitive Einführung. Nachdem der Versuch gescheitert ist, können wir ihn abbrechen.» Der Kredit werde voraussichtlich nicht aufgebraucht, es sei aber noch nicht abgerechnet worden. Auch die noch angebrachten Markierungen müssten demnächst entfernt werden.

Laut Gregor Schwander hat der Gemeinderat vorerst nur beschlossen, den Versuch abzubrechen. Für die Beratungen über das weitere Vorgehen brauche es nun zuerst eine regionale Auslegeordnung. Ein erster Schritt ist auch, dass die neue Nidwaldner Verkehrs-Taskforce ihre Arbeit bald aufnimmt. Dort geht es in erster Linie um die Situation auf der Autobahn, die wegen des Ausweichverkehrs auf die Kantonsstrassen trotz Dosieranlagen ebenfalls Teil des Problems ist (wir berichteten). In einem weiteren Schritt müssten auch die anderen Strassen- und Verkehrsthemen folgen, so Gregor Schwander weiter.

Mit dem Einbahn-Versuchsbetrieb wollte der Gemeinderat noch vor der nötigen Erneuerung der Robert-Durrer-Strasse eine alternative Verkehrsführung testen. Im November 2017 hatte die Gemeindeversammlung für die Planung der Erneuerung 530000 Franken beschlossen. Der Gemeinderat hatte das Projekt dann vorerst sistiert. Die Erkenntnisse des Einbahn-Versuchs werden nun in die weitere Planung einfliessen. «Wir haben gemerkt, wie sensibel das Strassennetz ist und wie sehr wir an der Kapazitätsgrenze sind», sagt Gregor Schwander. «Die länger dauernden Sanierungsarbeiten werden auch eine Kapazitätsverringerung mit sich bringen.»

Es hänge eben alles zusammen im Raum Stans, meint der Gemeindepräsident und bezieht sich damit auch auf die hängige Planung des Kantons der Umfahrung Stans West, wo neben anderen auch die Gemeinde Einsprache gemacht hat, weil sie einen Variantenvergleich fordert. «Auch hier werden wir unsere Sicht aufgrund der Erkenntnisse aus dem Einbahnversuch nochmals überprüfen.» Die Einwendungsverhandlungen mit dem Kanton stehen demnächst an.

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