Das Theater Ennetbürgen zeigt: Man ist nie zu alt, um neu anzufangen

Die Theatergruppe Ennetbürgen präsentiert ein Stück mit vielen Lachern und einem Hauch Ernsthaftigkeit.

Irene Infanger
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Eleonora (Karin Anderhirsern, ganz rechts) und Sohn Hardy (Mario Röthlisberger) freuen sich, wieder zu Hause vereint zu sein. Im Gegensatz zu Hardys Frau Doris (Naschi Hurschler), der die Kochkünste ihrer Schwiegermutter ein Dorn im Auge sind.

Eleonora (Karin Anderhirsern, ganz rechts) und Sohn Hardy (Mario Röthlisberger) freuen sich, wieder zu Hause vereint zu sein. Im Gegensatz zu Hardys Frau Doris (Naschi Hurschler), der die Kochkünste ihrer Schwiegermutter ein Dorn im Auge sind.

Bilder: Irene Infanger (23. Januar 2020)

Es sind klingende Namen wie Heimet, Chriesi- oder Rosengarten, Sunnehof oder einfach Abendruh – Altersheime und -zentren, wie man sie heute in der Schweiz findet. Für Eleonora Ammann (gespielt von Karin Anderhirsern) aus dem Stück «D’Muetter und dr Ängel» ist es schlicht und einfach das «Hotel zum letzten Löffel». Sie fühlt sich abgeschoben und überflüssig, als ihr Sohn Hardy (Mario Röthlisberger) sie im Altersheim unterbringen will.

Und als sollte dies nicht schon reichen, erscheint ihr noch ein Engel, der sie «nach Hause» bringen möchte. Nicht ins alte Haus, in dem Eleonora viele glückliche Jahre verbrachte und wohin sie am liebsten zurückkehren möchte, sondern vielmehr in die himmlischen Sphären. Die Tage für Eleonora sind nämlich gezählt. Dabei hat Engel Alexander (Roli Gabriel) als Stellvertreter des kranken Todesengels aber die Rechnung ohne die noch rüstige und eigensinnige Eleonora gemacht. Statt die letzte Reise anzutreten, erpresst sie sich vom himmlischen Boten drei Wünsche. Der erste Wunsch ist naheliegend: schnellstmöglich dem Altersheim zu entfliehen.

 Im Altersheim erscheint Eleonora (Karin Anderhirsern)  ein Todesengel (Roli Gabriel), der sie «nach Hause», sprich in den Himmel holen will. Doch sie wehrt sich vehement, unter Druck erlaubt ihr das Himmelswesen die Erfüllung von drei Wünschen.

 Im Altersheim erscheint Eleonora (Karin Anderhirsern) ein Todesengel (Roli Gabriel), der sie «nach Hause», sprich in den Himmel holen will. Doch sie wehrt sich vehement, unter Druck erlaubt ihr das Himmelswesen die Erfüllung von drei Wünschen.

Der Wunsch wird zum Albtraum

Die Freude über den Umzug zu Sohn Hardy und seiner Familie ist jedoch nur von kurzer Dauer. Die Antipathie zwischen Schwiegermutter und -tochter (Natascha Hurschler) hält trotz himmlischer Intervention an, weshalb Eleonora bald freiwillig ins Altersheim und zu ihren doch etwas lieb gewonnenen Freundinnen zurückkehrt – um dort für frischen Wind und auch Ärger bei der Heimleiterin zu sorgen.

Mit Franco Bernasconi (Werner Frank) bekommt das Liebesleben von Eleonora schliesslich Aufschwung – mit Unterstützung von Engel Alexander natürlich. Denn Eleonora wünscht sich, nochmals die Liebe zu erleben. Nach anfänglicher Abneigung entwickeln sich tatsächlich tiefe Gefühle, die das Leben von Eleonora auf den Kopf stellen. Wie, das sei hier nicht verraten. Schliesslich hat Eleonora noch einen Wunsch frei...

Viele komische Elemente

Mit der Komödie «D’Muetter und dr Ängel» präsentiert die Theatergruppe Ennetbürgen heuer eine Produktion, die Schnittpunkte zum wahren Leben aufweist. Die Lebenserwartung steigt, die heutigen Senioren sind eigenständig und vital, die Frage, wann der Umzug in ein Altersheim gekommen ist, treibt manche Familie in der Schweiz um. Während die Theaterspieler für viele Lacher mit Klischees über das Altersheimleben sorgen, schaffen sie es auch, Komik mit aktuellen und realitätsnahen Themen wie Einsamkeit, Bevormundung und Suizid zu verbinden.

Dies dank einer soliden Bühnenleistung aller, ob auf oder hinter der Bühne, allen voran aber von Karin Anderhirsern als charismatische Eleonora. Sie hat nicht nur eine hohe Bühnenpräsenz, sondern wechselt gekonnt von der wütenden, egozentrischen zur glücklichen und verliebten Eleonora. Und auch Werner Frank versteht es, mit komischer Gestik auf der einen Seite und ernsthafter Tiefe auf der anderen Seite die Zuschauer für sich zu gewinnen.

Dass dies gelingt, ist auch der Verdienst von Roli Simitz. Mit ihm vertraute die Theatergruppe Ennetbürgen auf einen erfahrenen Regisseur, mit dem die Herausforderung gekonnt gemeistert wurde.

Weitere Informationen finden Sie unter www.theatergruppe-ennetbuergen.ch