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Das Weidli in Stans muss neue Nischen suchen

Die Stiftung Weidli möchte Menschen mit Beeinträchtigung einen geschützten Arbeitsplatz bieten und dabei konkurrenzfähig bleiben. Keine leichte Aufgabe in Zeiten von Terminstress und Digitalisierung.
Franziska Herger
Werkstattleiter Reto Leuenberger in der Apfelplantage, die neu zum Teil vom Weidli bewirtschaftet wird. (Bilder: Corinne Glanzmann (Stans, 19. Juni 2018))

Werkstattleiter Reto Leuenberger in der Apfelplantage, die neu zum Teil vom Weidli bewirtschaftet wird. (Bilder: Corinne Glanzmann (Stans, 19. Juni 2018))

In der Werkstätte der Stiftung Weidli für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Beeinträchtigung herrscht konzentrierte Stille. Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen an einem sonnigen Morgen in Stans mit der Fräsmaschine mechanische Teile her, montieren Sicherungseinsätze oder bügeln Stoffe. Es ist heiss, in der Werkstätte wird es leicht stickig. «Gerade bei solchem Wetter sind Aussenaufträge sehr beliebt», sagt Reto Leuenberger, Leiter der Werkstätte.

Im Freien arbeiten können die Mitarbeiter etwa bei der Waldrandpflege oder beim Rasenmähen im ganzen Kanton. Neu bewirtschaftet das Weidli auch einen Teil der Apfelplantage auf dem Hof Milchbrunnen, der direkt an die Tagesstätte der Stiftung anstösst. 80 Hochstammbäume sind schon jetzt übersät mit kleinen Äpfeln. «Wir wollen einen Teil zu Most verarbeiten und Apfelringe herstellen, die wir dann ab Hof verkaufen», erklärt Leuenberger.

Die Mitarbeiter sollen den Termindruck nicht spüren

Die Stiftung versucht, ständig neue Arbeitsfelder zu finden und Aufträge zu generieren. So bietet sie etwa einen Bügelservice für Hemden an, der Privatpersonen offensteht. Denn auch das Weidli ist dem wirtschaftlichen Umfeld ausgesetzt. So werde es immer schwieriger, einfache Arbeiten für die Mitarbeiter zu finden, sagt Reto Leuenberger. «Unsere Stärke ist Handarbeit. Aber Technologie und zunehmende Digitalisierung bedeuten, dass vieles inzwischen von Maschinen erledigt werden kann.»

Die Werkstätte der Stiftung Weidli zeigt ihre acht Abteilungen mit 70 geschützten Arbeitsplätzen am Tag der offenen Tür am kommenden Samstag (siehe Hinweis). Bei der Arbeit wird unter Begleitung der Gruppenleiter auf die Fähigkeiten und das Tempo des einzelnen Mitarbeiters Rücksicht genommen. Reto Leuenberger macht ein Beispiel: «Pflücken werden wir die Äpfel auf der Plantage wohl nur mit bestimmten Mitarbeitern, beim Sammeln können dann alle mithelfen.»

Insgesamt sind es rund 250 Auftraggeber, für die das Weidli arbeitet. Die Auftragslage variiert. «Dieses Jahr läuft es gut, letztes Jahr zur gleichen Zeit sah es eher schlecht aus», sagt der Werkstattleiter. «Wenn die Firmen viel zu tun haben, sind auch wir gut beschäftigt.»

Thomas Flecklin bedient die Fräsmaschine in der Werkstatt der Stiftung Weidli.

Thomas Flecklin bedient die Fräsmaschine in der Werkstatt der Stiftung Weidli.

Dabei muss sich das Weidli in einem anspruchsvollen Marktumfeld behaupten. «Wir bieten die gleichen Bedingungen bezüglich Qualität und Termingerechtigkeit wie andere Firmen, wobei die Fristen für Aufträge in den letzten Jahren kürzer geworden sind», sagt Leuenberger. «Die nötige Flexibilität mit unserem Hauptauftrag, dem Fördern und Begleiten von Mitarbeitern zu verbinden, ist nicht immer einfach.» Dazu kommt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von diesem Spannungsfeld nichts mitbekommen dürfen. «Sonst wäre es ja kein geschützter Arbeitsplatz mehr», meint Leuenberger.

Im Notfall helfen andere Institutionen aus

Stattdessen helfen bei grösseren oder dringenden Aufträgen andere Abteilungen aus. «Im absoluten Notfall geben wir Aufträge auch an andere Zentralschweizer Institutionen für Menschen mit Beeinträchtigung weiter, und diese umgekehrt an uns», erklärt Reto Leuenberger. «So ist allen geholfen.» Auch in Zukunft werde man sich an der Wirtschaft orientieren und «das anbieten, was die Kunden wünschen», sagt der Werkstattleiter. «Wir dürfen die Entwicklungen am Markt nicht verschlafen.»

Daniel Murer arbeitet in der Werkstatt der Stiftung Weidli an Sicherungseinsätzen.

Daniel Murer arbeitet in der Werkstatt der Stiftung Weidli an Sicherungseinsätzen.

Die Stiftung Weidli bietet rund 140 Personen Wohnformen, Arbeitsplätze sowie eine Tagesstätte. Sie entstand im Jahr 2001 aus der Zusammenführung der Stiftung Behinderten-Wohnheim Nidwalden und der Heilpädagogischen Werkstätte des Kantons Nidwalden. Die Stiftung Weidli ist mit ihren rund 130 Arbeitsplätzen einer der grösseren Arbeitgeber im Kanton.

Hinweis:
Tag der offenen Tür am Samstag, 23. Juni von 10 bis 16 Uhr. Werkstätte an der Buochserstrasse 9a und Wohnen/Tagesstätte/Weidli-Café an der Weidlistrasse 4 in Stans. Bitte ÖV benutzen.

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