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Das Znüni kommt von Buochs bis Kerns per Bus

Der Milchmann und andere rollende Verkaufslokale sind im Internetzeitalter längst ausgestorben. Für Bäcker wie Robi Bergamin aus Buochs sind «Znünitouren» aber weiterhin ein wichtiger Geschäftszweig.
Philipp Unterschütz
Robi Bergamin verkauft auf seiner Tour von Buochs bis Kerns Backwaren aus seinem Znünibus. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 12. Juni 2018))

Robi Bergamin verkauft auf seiner Tour von Buochs bis Kerns Backwaren aus seinem Znünibus. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 12. Juni 2018))

In Zeiten, in denen ganze Ladenketten wegen des Internethandels schliessen und das kleine Verkaufslokal um die Ecke angesichts der Grossverteiler schon lange die Segel gestrichen hat, mutet es fast schon anachronistisch an, wenn Robi Bergamin mit seinem Kleinbus bei den Kunden vorfährt, seelenruhig die Heckklappe öffnet und auf seinem Auszugstisch ein breites Sortiment von frischen Backwaren und Sandwiches feilbietet.

Seit April des vergangenen Jahres geht der 58-jährige Buochser Bäckermeister, der neben seiner Bäckerei auch noch das Café Dolce Vita im Coop-Center führt, mit seinem grauen Transporter auf eine Znünitour, die ihn von Buochs über Stans und Ennetmoos bis nach Kerns führt – täglich von 7.30 bis 9.30 Uhr ist er unterwegs und fährt bei 13 Firmen vor. Übernommen hat er die Tour und den Bus von Gigi Milosevic vom Café Frey in Stans, der altershalber aufhören wollte. Eine weitere Tour hat übrigens Christen Beck in Stans übernommen.

Direkter Kundenkontakt bringt wertvolle Inputs

Wenn man dem Verkaufsbetrieb zusieht, bei dem auch immer Zeit für ein freundliches Wort mit den Kunden bleibt, fragt man sich unweigerlich, ob sich der Aufwand lohnt. «Auf jeden Fall», beteuert Robi Bergamin. Es gehe stetig aufwärts, er habe bereits sechs neue Kunden gewonnen, wo er vorfahren dürfe. Weitere Interessenten auf seiner Route könnten gerne mit ihm Kontakt aufnehmen. «Gegen 100 Personen darf ich täglich am Bus bedienen, wir haben im ersten Jahr über 70000 Franken Umsatz gemacht.» Auf die Anfrage zur Übernahme der Tour habe er damals spontan Ja gesagt – aufhören könne er ja jederzeit, habe er sich gesagt. Aber es habe auch in der eigenen Firma Leute gegeben, die Bedenken hatten. «Auch meine Frau war zuerst etwas skeptisch.»

Den Grund für den Erfolg sieht Robi Bergamin einerseits im Bedürfnis der Kunden, stressfrei zu ihrem Znüni oder gar Mittagessen zu kommen. Dass der Chef grad selbst auf Tour geht und nicht einen Fahrer schickt, hat gute Gründe. «Das ist mein direktester Kontakt zu den Kunden. Ich erfahre, was die Leute wünschen und das fliesst dann auch in unsere Sortimentsplanung ein.» So habe er beispielsweise gemerkt, wie sehr die Kunden Sauerteigbrote wieder schätzen würden und biete das nun auch im Laden wieder an.

Die Kunden wiederum schätzen, dass sie Wünsche und Anregungen direkt beim Chef anbringen können. «Ein Handwerker, der mal scherzhaft gefragt hat, ob ich nicht einen Schnupf dabei hätte, hat sich riesig gefreut, als ich ihm kurz darauf ein Döschen Schnupftabak als Geschenk mitgebracht habe.» Als Chef könne er zudem auch mal «das Füüfi grad sein lassen».

Für andere Branchen weniger interessant

Dass er die Tour selber ausführt, hat auch menschlich eine grosse Bedeutung für Robi Bergamin («Robert sagten nur der Pfarrer und der Lehrer zu mir, und dann war meistens etwas nicht gut!»). Es sei toll, so viele Leute kennen zu lernen. «In der Backstube war mir gar nie bewusst, wie sehr ich das schätze.» Die Kunden auf der Tour oder auch im Camping Buochs, wo er auch noch einen Verkaufsstand betreibt, seien ganz anders drauf, viel aufgestellter und gesprächiger als im Laden.

Zu den gleichen Preisen wie im Laden bietet der Bäcker, dessen Arbeitstag um 23.30 Uhr in der Backstube beginnt und um 13 Uhr nach dem Kochen des Mittagessens im Café endet, ein breites Sortiment an frischen Süssbackwaren, Sandwiches, Sauerteigweggen und alkoholfreien Getränken zu seinen Kunden. Zudem gibt es auch warme Speisen wie Wienerli im Teig oder Schinkengipfel. Süsses und Salziges halten sich beim Verkauf in etwa die Waage, sagt Bergamin. «Und wer etwas Spezielles will, muss einfach mit mir reden, auf Bestellung ist viel möglich.»

Dass sein Erfolg darauf hindeuten könnte, dass der Hauslieferdienst auch für andere Branchen ein Comeback erlebt, bezweifelt Robi Bergamin aber. «Wir Bäcker sind halt ideal positioniert für die schnelle und einfache Verpflegung und können basierend auf Backwaren ein breites Sortiment anbieten. Diese Nische ist eine Chance, die wir in unserem umkämpften Geschäft nutzen wollen und müssen.»

www.beckbergamin.ch

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