Debatte um Denkmalschutz in Nidwalden zeigt: Das Thema bleibt kontrovers

Der Denkmalschutz ist in Nidwalden weiterhin heiss umstritten. Dies zeigte eine Veranstaltung des Historischen Vereins Nidwalden.

Kurt Liembd
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Für Denkmalpfleger ein grosser Verlust: Die Direktorenvilla in Ennetbürgen wurde 2006 abgerissen.

Für Denkmalpfleger ein grosser Verlust: Die Direktorenvilla in Ennetbürgen wurde 2006 abgerissen.

Archivbild: Oliver Mattmann (9. Juni 2006)

Der Denkmalschutz in Nidwalden ist seit einiger Zeit unter Beschuss. Dies zeigen Diskussionen um eine Motion, die 2018 von Landrat Edi Engelberger (FDP) zusammen mit 22 Mitunterzeichnern eingereicht wurde. Darin bezeichnet der Motionär das Gesetz aus dem Jahr 2014 als gescheitert und verlangt, dass «der Denkmalschutz grundsätzlich geändert und vereinfacht werden muss».

Konkret verlangt Engelberger, dass das persönliche Recht der Eigentümer wieder stärker geschützt wird. Am 25. September 2019 wurde die Motion vom Landrat gutgeheissen – entgegen der Haltung des Regierungsrates.

Fulminantes Votum für Heimat

Dies hat den Historischen Verein Nidwalden (HVN) veranlasst, das Thema Denkmalschutz aufzunehmen. Dazu lud er am Montag zu einer öffentlichen Veranstaltung ins Kollegium ein, an der rund 130 Leute teilnahmen. HVN-Präsidentin Brigitt Flüeler fuhr schon bei ihrer Begrüssung mit einem fulminanten Votum auf, noch bevor die Podiumsdiskussion begann.

«Wir beobachten mit grosser Sorge, wie in letzter Zeit viele unserer Baudenkmäler dem Bauboom zum Opfer gefallen sind.»

Als Beispiele nannte sie etwa das Grand Hotel Schöneck in Emmetten («ein Jugendstil-Juwel»), das Spukhaus im Stanser Niederdorf, das Direktorenhaus in Buochs oder das Atelierhaus des Kunstmalers Paul Stöckli. Es sei wie bei den Kleidern: Neue kaufen sei billiger als flicken, so Brigitt Flüeler mit einem Hinweis auf unsere Wegwerfgesellschaft. Baukultur präge unsere Landschaft und unsere Heimat.

Vor zehn Jahren wurde das Spukhaus ins Stans abgerissen.

Vor zehn Jahren wurde das Spukhaus ins Stans abgerissen.

Archivbild: Corinne Glanzmann 23. Februar 2010)

Der HNV sei dabei Partei und setze sich für eine Politik ein, welche die Baukultur, Geschichte unserer Dörfer und seine Baudenkmäler achte und schütze, weil all das zu unserem gemeinsamen Erbe gehöre. «Das baukulturelle Erbe hat nicht nur einen hohen wirtschaftlichen, sondern auch einen unbezahlbaren ideellen Wert, denn es ist Teil unserer Heimat und unserer Identität».

Weshalb Diktatoren Denkmalschutz nicht mögen

Unter der Leitung von NZZ-Journalist Erich Aschwanden folgte danach eine Diskussion über die Frage «Wieviel Denkmalpflege erträgt das Land?». Landrat Edi Engelberger kritisierte das Gesetz aus dem Jahre 2014, denn seither seien der administrative Aufwand und die Anzahl der Fälle massiv gestiegen. Das Ziel der damaligen Revision einer Vereinfachung und schnelleren Bearbeitung der Baugesuche sei gescheitert und das Gegenteil sei der Fall.

«Es geht darum, dass gute Bauprojekte nicht von vornherein abgeblockt werden, nur weil dies im Gesetz so vorgeschrieben ist.»

Ein rauer Wind wehte ihm von Martin Killias entgegen, dem Präsidenten des Schweizer Heimatschutzes. Killias sprach über die Grundsätze des Denkmal- und Heimatschutzes. «Alte Häuser verleihen uns Identität», sagte er mit Verweis auf die Stanser Schmiedgasse. «Denkmalschutz sorgt dafür, dass wir unsere Heimat behalten können.»

Er erwähnte auch Überraschendes und sagte, dass genau deshalb Diktatoren nie Freunde von Heimatschutz seien, wie etwa Nicolae Ceaușescu in Rumänien. Im Krieg würden oft Baudenkmäler vernichtet, um die Heimat zu zerstören. Sein Credo an die Adresse von Edi Engelberger:

«Wir brauchen nicht weniger Denkmalschutz, sondern mehr.»

Lob fürs «Hechhuis» in Wolfenschiessen

Monika Twerenbold, Denkmalpflegerin des Kantons Schwyz, lobte den Denkmalschutz in Nidwalden und erwähnte, dass es viele gelungene Beispiele gebe, wie etwa das «Hechhuis» in Wolfenschiessen. Sie verstehe nicht, weshalb es zum Thema Denkmalschutz so viele kritische Ansichten gebe. Als Problem erwähnte sie: «Leider fehlt es bei Behörden oft an Know-how und am nötigen Fachwissen.» Denn Renovationen in einem Dorfkern seien sehr anspruchsvoll, was auch an Architekten höchste Anforderungen stelle.

Toni Niederberger, Präsident des Hauseigentümerverbandes, gab sich pragmatisch, zeigte aber dennoch viel Verständnis für den Denkmalschutz:

«Ich finde es tragisch, wie viele schöne alte Bauernhäuser in den letzten Jahren einfach abgerissen wurden.»

Damit erntete er auch Sympathie bei Martin Killias, auch wenn Niederberger kein Geheimnis aus seiner Meinung macht, dass es zu viele und zu strenge Vorschriften gebe. Sein Credo: «Bauherren müssen wieder mehr Planungssicherheit haben» – mit einem Hinweis auf ein Bauprojekt am Stanser Dorfplatz.

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