Den Nidwaldner Gemeinden stehen weniger Mittel für die Tourismusvermarktung zur Verfügung

Die Tourismusabgaben in den Gemeinden werden sinken. In welchem Mass werde sich allerdings erst noch zeigen, sagen die Verantwortlichen.

Martin Uebelhart
Drucken

Der Kanton Nidwalden will seinen Beitrag für 2021 und 2022 an die Tourismusförderung auf den im Gesetz vorgesehenen Maximalbetrag von 300'000 Franken pro Jahr festlegen. Dabei soll für diese beiden Jahre unerheblich sein, ob die notwendigen Rahmenbedingungen erreicht werden. Der maximale Kantonsbeitrag wird nur ausgerichtet, wenn zusammen mit den Tourismusabgaben in den Gemeinden insgesamt 600'000 Franken zusammenkommen. Ein Wert, der in den vergangenen Jahren immer übertroffen worden ist. Der Landrat wird über den Antrag der Regierung entschieden.

Ausblick vom Niederbauen auf Beckenried, Buochs und Ennetbürgen.

Ausblick vom Niederbauen auf Beckenried, Buochs und Ennetbürgen.

Bild: Christoph Näpflin

Im föderal aufgebauten Tourismusförderungsgesetz ist der kantonale Beitrag nur ein Teil. In den Gemeinden werden Tourismusförderabgaben erhoben, die dann für die Vermarktung der Region eingesetzt werden. «Restaurants, Zweit- und Ferienwohnungsbesitzer zahlen dabei einen fixen Betrag», sagt Rolf Stucki, Co-Präsident des Tourismusvereins Beckenried-Klewenalp. «Hotels bezahlen eine Abgabe, die sich am Umsatz bemisst», sagt er, selber Gastgeber im «Nidwaldnerhof».

Rund 160'000 Franken kommen so jährlich etwa in Beckenried zusammen. Der grösste Teil fliesse dabei in die Vermarktung der Region Klewenalp-Vierwaldstättersee. Der Zusammenschluss der Tourismusorte Emmetten, Beckenried, Buochs und Ennetbürgen sowie Isenthal und Seelisberg als Region Klewenalp besteht seit dem vergangenen Jahr auch operativ mit den Bergbahnen Klewenalp-Stockhütte, die ebenfalls noch einen grossen finanziellen Beitrag dazu leisten, und arbeitet seinerseits mit Nidwalden Tourismus und Uri Tourismus zusammen.

Zusammenarbeit soll intensiviert werden

Wie sich dieser Betrag allenfalls verringern werde, sei sehr schwierig vorauszusagen. Die Generalversammlung des Tourismusvereins, die derzeit schriftlich durchgeführt werde, beschäftige sich mit der Frage, ob die umsatzabhängigen Betriebe allenfalls entlastet werden sollen. Stucki sagt:

«Bei den Hotels gehe ich einmal davon aus, dass im kommenden Jahr 20 bis 30 Prozent weniger Abgaben zusammenkommen werden.»

Im Tourismusbereich seien alle gefordert, betont er. Es gelte mehr denn je, die Zusammenarbeit zu intensivieren. Er hoffe, dass der Landrat dem Antrag der Regierung zustimmt. «Mehr Geld bei den Leitungserbringern zu holen, ist derzeit kaum ein gangbarer Weg», ist er überzeugt.

Auf das Budget 2020 der Tourismusregion Klewenalp-Vierwaldstättersee habe die Coronakrise noch keine grossen Auswirkungen, sagt Roger Joss, Geschäftsführer der Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG. «Wir werden hingegen gut auf unsere Liquidität achten müssen, da aufgrund des vom Regierungsrat eingeräumten Zahlungsaufschubs für die Tourismusabgaben das Geld dieses Jahr eher später eintreffen wird», hält er fest.

Sport auf dem Wasser vor dem Buochserhorn.

Sport auf dem Wasser vor dem Buochserhorn.

Bild: Christoph Näpflin
(10. Oktober 2016)

Für die ersten vier Monate 2021 bis zum Ende des Geschäftsjahres gehe man von weniger Einnahmen aus. Auch im weiteren Verlauf des Jahres dürften die Einnahmen sinken. Dann gelte es die Kostenseite zu prüfen hinsichtlich der Marketing- und Personalkosten. Die Einnahmen hingen natürlich auch davon ab, wie sich die Nachfrage entwickle und wie viel die Beherberger und Gastronomen generieren könnten. Einen regulären Abgang per Ende Mai im Team des Destinations-Marketings werde im Moment nicht ersetzt, bis besser abschätzbar sei, wie sich die Corona-Auswirkungen entwickeln würden. Joss betont:

«Es braucht Flexibilität.»

Man sei froh, dass der Kanton Nidwalden den Tourismus unterstütze. Ob auch von den Gemeinden eine Unterstützung für die lokalen Tourismusvereine zu erwarten ist, sei derzeit in Diskussion. Eminent wichtig ist für Joss, dass der gesetzliche Tourismus-Abgabesatz, welcher pro Gemeinde definiert ist, nicht gesenkt wird. Dies, um die finanzielle Planungssicherheit und die touristische Vermarktung der Region Klewenalp-Vierwaldstättersee nicht zu gefährden.

Die Gemeinde Beckenried sieht keine Möglichkeit, von sich aus aktiv für den Tourismus etwas zu machen, sagt Gemeindevizepräsident Pascal Zumbühl auf Anfrage. «Das Tourismusthema ist an den Tourismusverein delegiert», hält er fest. Persönlich glaubt er, das Problem könne nicht so gross sein, wenn einmal weniger Einnahmen für die Vermarktung zur Verfügung stehen würden.

Mehr öffentlicher Raum für Stanser Restaurants

In Stans hilft die Gemeinde den touristischen Leistungsträgern in erster Linie mit Sofortmassnahmen. «Für uns sind insbesondere die Restaurants wichtig», sagt Gemeindevizepräsident Lukas Arnold im Gespräch mit unserer Zeitung. «Auf Anfrage hin stellen wir Restaurants wo möglich mehr Platz im öffentlichen Raum zur Verfügung.» So könnten diese Betriebe draussen mehr Plätze für die Gäste anbieten und so trotz Abstandsregeln höhere Frequenzen generieren. Weiter kann die Stanserhornbahn einen Teil des Parkplatzes Steinmätteli als Warteraum nutzen. «Will man die Abstandsregeln einhalten, ist der Vorplatz der Talstation als Warteraum einfach zu klein», hält Arnold fest. Weitergehende Massnahmen isoliert für den Tourismus seien hingegen politisch heikel. Detailhändler, Coiffeursalons und andere Anbieter seien von den Massnahmen des Shutdowns ebenfalls hart getroffen worden. Da sei es schwierig, eine Grenze zu ziehen, wer von einer Unterstützung profitieren soll und wer nicht.

Der Nidwaldner Hauptort ist touristisch betrachtet eine wichtige Grösse im Kanton. «Im Detail wissen wir noch nicht, wie gross die Auswirkungen sein werden. Das analysieren wir zurzeit», sagt Peter Bircher, Präsident von Stans Tourismus im Gespräch mit unserer Zeitung. «Wir haben versucht, unser Budget anzupassen, die Ausgaben zu reduzieren», so Bircher weiter. Gewisse Anlässe hätten nicht stattfinden können, so seien auch die Kosten dafür nicht angefallen. «Wir haben viel mehr versucht, unsere lokalen Leistungsträger mit Inserate- und Social-Media-Kampagnen zusätzlich zu unterstützen.» Die Mittel für die Tourismusvermarktung würden knapper. Der Antrag der Regierung an den Landrat sei ein starkes Signal des Kantons. «Umso wichtiger ist, dass wir die Mittel bündeln und zusammen die ganze Region Zentralschweiz einheitlich und mit voller Kraft bewerben», ist Bircher überzeugt.