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Der höchste Lehrer kritisiert die geplante spätere Einschulung in Nidwalden

Durch die spätere Einschulung sollen Nidwaldner Schüler künftig bei der Berufswahl reifer sein. Von den Lehrbetrieben gibt es Zustimmung für die Pläne der Regierung. Der Lehrerverbandspräsident ist dagegen nicht überzeugt.
Franziska Herger
Nidwaldner Schüler könnten künftig später mit der Schule anfangen. (Symboldbild: Pius Amrein)

Nidwaldner Schüler könnten künftig später mit der Schule anfangen. (Symboldbild: Pius Amrein)

Nidwaldner Kinder sollen später in die Schule (Ausgabe vom 31. Januar). Das Stichdatum für das Schuleintrittsalter soll von Ende Juni auf Ende Februar vorgezogen werden. Die Regierung entspricht sich davon reifere Jugendliche am Ende der Schulzeit. Heute müssen sie sich teilweise schon mit 14 Jahren für einen Beruf entscheiden. Vermehrt seien sie dazu in dem Alter noch nicht in der Lage, schreibt sie.

Zumindest in der Zahl der Lehrabbrüche spiegeln sich diese Probleme jedoch nicht wieder. 19 Prozent der Lehrlinge, die 2018 ihre Lehre hätten beenden sollten, lösten ihre Lehrverträge auf, davon nur ein Fünftel wegen Probleme bei der Berufswahl. Auch 2017 war dies der Grund für einen Fünftel der 17 Prozent Vertragsauflösungen. Damit liegt Nidwalden schweizweit im unteren Mittelfeld. Spitzenreiter war Genf mit 31 Prozent Vertragsauflösungen bis Ende 2017, am wenigsten gab es in Appenzell Innerrhoden mit 3 Prozent. In Obwalden und Schwyz waren es 19, in Luzern 15, in Uri 10, und in Zug, mit Stichdatum 28. Februar, immerhin 21 Prozent.

Unreife macht sich auch im Berufsalltag bemerkbar

Man habe in Nidwalden untersucht, ob Kinder, die früh in die Schule eintreten, später eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen Lehrabbruch hätten, sagt Pius Felder, Leiter des Amts für Berufsbildung und Mittelschule. «Doch zwischen Schuleintrittsalter und Lehrabbrüchen besteht kein statistisch relevanter Zusammenhang.»

Viele Schüler, die sich über ihren Weg nicht sicher seien, wählten eine Zwischenlösung wie einen Sprachaufenthalt oder das 10. Schuljahr an einer Privatschule, so Felder. Im Schuljahr 2017/2018 waren das 12 Prozent der Schulabgänger, im Jahr davor 11 Prozent. «Auch diese Zahlen sind schweizweit unterdurchschnittlich», sagt Felder. Trotzdem mache die spätere Einschulung Sinn: «Ziel wäre, dass möglichst viele sofort nach der Schule eine berufliche oder schulische Ausbildung machen und sie auch beenden. Solange es Schüler gibt, die das nicht schaffen, besteht Handlungsbedarf.»

Laut Bildungsdirektor Res Schmid gebe es Rückmeldungen aus Lehrbetrieben zur mangelnden Reife der Schulabgänger. Gewerbeverbandspräsident Edi Engelberger bestätigt dies, doch wirke sich das tiefe Alter seiner Meinung nach nicht negativ auf die Berufswahl aus. «Es ist auch ein Jahr später noch schwierig, einen passenden Beruf zu finden. Jede Lehre ist ein guter Einstieg in die Berufswelt. Wer danach umsatteln oder sich weiterbilden will, dem stehen ja sehr viele Wege offen.» Ein Problem sehe er eher im Berufsalltag. «Im ersten Lehrjahr haben Lehrlinge zum Teil Mühe, sich in den geregelten Arbeitsablauf einzufügen, und es ist je nach Beruf sehr anstrengend für sie, den ganzen Tag zu stehen oder sich zu konzentrieren.» Er halte die spätere Einschulung daher für eine sinnvolle Lösung.

Auch bei den Pilatus Flugzeugwerken, mit rund 120 Lernenden der grösste Lehrbetrieb im Kanton, stelle man eine gewisse Unreife eher bei der Bewältigung des Berufsalltags als bei der Berufswahl fest, wie Personalchef Kurt Bucher auf Anfrage schreibt. Bei der Berufswahl legten die Jugendlichen etwa Wert auf die Meinung aktueller Lernender und auf das Kennenlernen des Lehrmeisters. «Die Eltern sprechen eher die Karrieremöglichkeiten und Weiterbildungen an.»

Nachteil für Kinder in schwierigen Verhältnissen?

Beat W. Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerverbandes, sieht den späteren Schuleintritt kritisch: «Problematischer als der Zeitpunkt der Einschulung sind Firmen, die schon mit Schülern in der 8. Klasse Lehrverträge abschliessen, um die besten ‹abzuschöpfen›. Dadurch geraten die Schüler unter Zugzwang. Der Berufswahlprozess sollte bis zur 9. Klasse dauern.» Auch sei laut Verfassung der Zeitpunkt des Schuleintrittsalters schweizweit zu harmonisieren. In 17 Kantonen ist das Stichdatum der 31. Juli. «Hier würde Nidwalden relativ stark abweichen, obwohl dies durch die Kantonshoheit zulässig ist», so Zemp. Zudem sei die spätere Einschulung eine «verpasste Chance bei der Frühförderung. Kinder in schwierigeren Familienverhältnissen, die zu Hause weniger gefördert werden und etwa nur vor dem Fernseher sitzen, werden so benachteiligt.»

In Obwalden gebe es keine ähnlichen Pläne, sagt Bildungsdirektor Christian Schäli auf Anfrage. Erst im Sommer 2018 hat der Kantonsrat das Stichdatum vom 30. Juni auf den 31. Juli gesetzt. «Wichtiger erscheint mir eine Flexibilität beim Kindergarteneintritt, etwa die Möglichkeit eines späteren Eintritts auf Wunsch der Eltern», so Schäli.

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