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Der neue Nidwaldner Polizeichef sieht sich als Brückenbauer

Jürg von Gunten hat sich als neuer Kommandant der Nidwaldner Kantonspolizei in den ersten 100 Tagen gut eingelebt. Er erklärt, wie er trotz enger finanzieller und personeller Ressourcen der hohen Fluktuation im Korps begegnen will.
Philipp Unterschütz
Jürg von Gunten, Kommandant der Nidwaldner Kantonspolizei, in seinem Büro in Stans. Im Hintergrund das 117-Bild, das aus einem Mosaik mit allen Mitarbeiterporträts besteht. (Bild: Philipp Unterschütz, 11. März 2019)

Jürg von Gunten, Kommandant der Nidwaldner Kantonspolizei, in seinem Büro in Stans. Im Hintergrund das 117-Bild, das aus einem Mosaik mit allen Mitarbeiterporträts besteht. (Bild: Philipp Unterschütz, 11. März 2019)

Im Büro von Jürg von Gunten haben alle Mitarbeiter Platz. Der neue Kommandant der Nidwaldner Kantonspolizei hat sich gut eingelebt und als erstes ein Mosaik mit den Porträts aller Kollegen an die Wand gehängt. Am 1. Dezember übernahm er das Amt von Jürg Wobmann, der mittlerweile Chef Luzerner Kriminalpolizei ist.

Was ist Ihnen in den ersten 100 Tagen in Ihrem Amt aufgefallen?

Jürg von Gunten: Ich wurde sehr offen empfangen und freundlich aufgenommen. Ich spüre, dass man sich beim Kanton freut. Es war ja eine bewusste Entscheidung vom Regierungsrat für mich als Person, die nicht aus dem Korps kommt und den Blickwinkel von aussen einbringt. Ich bin beeindruckt, wie die Kantonspolizei Nidwalden mit geringen Ressourcen nach dem Motto «klein aber fein» viel erreicht und eine sehr gute Arbeit macht. Das Korps ist sehr modern, mit über 25 Prozent Frauenanteil liegen wir über dem schweizerischen Durchschnitt und wir haben auch überproportional viele junge Leute. Ich sehe mich mit meinen 35 Jahren denn auch als Brückenbauer zwischen den Generationen. Ich habe mit jedem einzelnen Mitarbeiter ein Gespräch geführt, damit sie spüren, wie ich ticke und ich erfahre, welche Bedürfnisse sie haben.

Was sind Ihre ersten grösseren Projekte abgesehen vom Tagesgeschäft?

Im Korps stehen grössere personelle Wechsel an. So wird unter anderem der langjährige Leiter der Verkehrs- und Sicherheitspolizei, Lorenz Muhmenthaler, nächstes Jahr pensioniert. In diesem Zusammenhang machen wir auch eine gründliche Überprüfung der Organisation. Die Nachfolge, für die wir auch extern suchen, packen wir frühzeitig an. Zudem gilt es strukturelle Anpassungen umzusetzen im Zusammenhang mit dem kantonalen Führungsstab, wo ich als Polizeikommandant neu Stabschef bin.

Wie ist das Nidwaldner Polizeikorps derzeit aufgestellt?

Wir haben zurzeit einen Polizisten auf 618 Einwohner, der schweizerische Durchschnitt liegt bei 453. Das Korps umfasst 61,8 Vollzeitstellen, inbegriffen sind dabei die 5 neuen Polizisten, die vom Landrat im vergangenen November bewilligt worden sind und die wir bereits angestellt haben. Es wird aber noch zwei Jahre dauern, bis sie fertig ausgebildet sind. Unser Ziel ist es, die uniformierte Polizei aufzustocken. Es sollen rund um die Uhr zwei Patrouillen mit je zwei Polizisten unterwegs sein. Im Moment ist das nicht immer möglich.

Seit Jahren muss die Nidwaldner Polizei um ihre Stellen kämpfen, die Polizisten sind sehr belastet und die Bezahlung ist in anderen Kantonen besser. Wie gross ist die Fluktuation?

Natürlich sind wir finanziell unter Druck, aber auch die Veränderungsbereitschaft und Mobilität bei jungen Leuten ist heute grösser. Die Fluktuation, die natürlich wesentlich vom Finanziellen und von den Arbeitszeiten abhängt, ist bei uns tatsächlich die höchste aller Zentralschweizer Kantone. Rein rechnerisch haben wir in den vergangenen 10 Jahren fast das ganze Korps ersetzt.

Was können Sie dagegen tun?

Wir müssen als Arbeitgeber attraktiv bleiben, dafür müssen wir auch auf dem politischen Parkett immer wieder verhandeln, was möglich ist. Das Legislaturziel des Regierungsrats ist ein Polizist auf 600 Bürger, das würde bedeuten, dass wir drei Stellen mehr bekommen müssten. Auch bei der Entlöhnung müssen wir aufzeigen, wo wir stehen. Im Zusammenhang mit der Überprüfung der Organisation der Verkehrs- und Sicherheitspolizei schauen wir bei neuen Arbeitszeitmodellen genau hin. Es ist auch eine permanente Führungsaufgabe, zu schauen, dass regelmässig Überzeit kompensiert werden kann. Dafür ist in einem kleinen Korps wie bei uns die Arbeit vielfältiger, man kann beruflich schneller vorwärtskommen, die Entscheidungswege sind kurz.

Wie wird sich unter Ihnen die Polizeiarbeit in Nidwalden entwickeln?

Prävention wird weiterhin sehr grosses Gewicht haben, um Straftaten zu verhindern oder mehr Sicherheit auf den Strassen zu schaffen. Aber das repressive Element, das auch ein gesetzlicher Auftrag ist, fällt nicht weg. Wir fokussieren uns darauf, Sicherheit zu schaffen und nicht primär Einnahmen zu generieren. Dass wir damit richtig liegen, zeigen auch die Zahlen des vergangenen Jahres, die im kommenden Rechenschaftsbericht publiziert werden. Die Einnahmen wegen Geschwindigkeitsübertretungen sind markant rückläufig bei konstant bleibender Kontrolldichte.

Sie waren vorher beim Bund und beim Militär. Was ist anders?

Finanziell waren wir auch da unter Druck und mussten jeden Budgetposten hinterfragen. Das ist also nicht neu für mich. Hier schätze ich aber die flache Hierarchie und den modernen Führungsstil, es ist familiärer, man kennt sich.

Wie ist denn Ihr Führungsstil?

Ich bevorzuge einen kooperativen Führungsstil. Wenn man die Mitarbeitenden in der Entscheidungsfindung einbezieht, findet man meist breiter abgestützte Lösungen. Im Ereignisfall muss es aber auch mal kurz und knapp gehen, und wenn mal etwas nicht gut ist, nenne ich das beim Namen.

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