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Der Nidwaldner Mäusejäger Walter Waser: Unscheinbar, aber unbezahlbar

Was der Kammerjäger im urbanen Gebiet, ist im ländlichen Raum der Mäusejäger.
Ruedi Wechsler
Walter Waser bereitet die Mäusejagd vor. (Bild: Ruedi Wechsler, Stans, 11. Juli 2019)

Walter Waser bereitet die Mäusejagd vor. (Bild: Ruedi Wechsler, Stans, 11. Juli 2019)

Ohne die Zahl 123 geht bei Walter Waser gar nichts. Wir begleiten den Mäusejäger bei seiner Arbeit auf einer Wiese gleich neben dem Behindertenheim Weidli in Stans. Nichts mehr erinnert an diesem nebelverhangenen und kühlen Vormittag auf dem Bauernhof der Familie Thomas Kündig an der Buochserstrasse 49 an die vergangenen Hitzetage.

Zunächst werden die 123 Wühlmausfallen, die 123 Markierungen und das nötige Werkzeug fein säuberlich abgezählt und ausgelegt. Die Zahl 123 sei seine eigene «Schnapsidee», sagt Walter Waser gleich zu Beginn. Sie symbolisieren die drei Podestplätze. Das sei für ihn Ansporn, abends mit möglichst grosser Beute daheim anzukommen. Er habe sich aus Kostengründen gegen Rohrfallen entschieden. Die Wühlmausfalle – die in Deutschland hergestellt wird – koste zwei und eine Rohrfalle 59 Franken. Zudem sei sie sehr zuverlässig und töte die Maus mit einem gezielten Genickschlag. «In diesem Jahr habe ich bereits 33 Wühlmausfallen verloren. Krähen, Füchse und Katzen holen sich schon mal die Beute auf dem Silbertablett und auch gleich die Falle dazu. Der Sturm hat auch schon mehrmals Markierungen weggefegt und dann ist die Falle nicht mehr zu finden», erzählt Walter.

Wir begeben uns auf die frisch gemähte Wiese neben dem Weidli. Priorität hat der Abschnitt gleich neben den jungen Obstbäumen. Befallen die Mäuse die Wurzeln, so ist der Baum verloren. Sofort entdeckt Walter Waser die frisch gestossenen Erdhäufchen. Von Hand öffnet er die Gänge und setzt die Wühlmausfalle links und rechts in den Hauptgang.

Mit Fallen schützt Walter Waser einen jungen Obstbaum (oben) vor den Mäusen.(Bild: Ruedi Wechsler, Stans, 11. Juli 2019)

Mit Fallen schützt Walter Waser einen jungen Obstbaum (oben) vor den Mäusen.(Bild: Ruedi Wechsler, Stans, 11. Juli 2019)

Die Witterung war günstig für die Mäuse

Sehr heikel ist das Richten der Falle. Die kleinste Bewegung oder Erschütterung löst sie aus. Mit der Pflasterkelle sticht der Mäusejäger einen Rasenziegel aus und deckt die Fallen ab. Immer mit dabei ist auch eine grosse Stechgabel. Mit dieser werden laufend Placken ausgestochen. Das ist eine anstrengende Arbeit, hat dieses Unkraut doch viele Wurzeln die tief in den Boden wachsen. Weil es am Vortag stark regnete, sind die aufgestossenen Erdhaufen gut sichtbar. Walter sucht mit der Ferse nach weiteren Gängen und trifft auf eine Kreuzung. «Diese habe ich nicht so gerne. Sie benötigen vier Fallen und die Erfolgschance ist nicht so gross», erklärt er. Erfolgsversprechender sind sogenannte T-Formen mit der Hauptverkehrsachse. «Solche Autobahnen liebe ich sehr. Das sind Durchläufe und da bin ich sicher, dass schon bald Mäuse in die Falle laufen», meint er hoffnungsvoll.

Walter ergänzt, dass die Mäuse bei günstiger Witterung das ganze Jahr Nachwuchs produzieren und pro Wurf vier bis sechs Junge werfen. Die Tragzeit beträgt ein Monat. Grosse Nässe und frostige Wintermonate würden ihnen am meisten zusetzen. Das habe in den letzten Jahren fast gänzlich gefehlt und so komme es halt immer wieder zu Überpopulationen. Natürliche Feinde seien der Milan, der Mäusebussard, der Fischreiher, das Hermelin und der Fuchs. Krankheiten können dem Mäusebestand beträchtlich zusetzen, nicht aber Inzest.

Rekordfang: 118 Mäuse an einem Tag erwischt

Nachdem 20 Fallen gerichtet sind, kehren wir zum Bauernhof der Familie Kündig zurück. Auf dem Rückweg stossen wir auf allerhand Müll. Kaum zu glauben, was da auf der vermeintlich sattgrünen Wiese zu finden ist. So haben Würmer bereits Reste von Heuballenhüllen in den Boden gezogen. Pet und sonstigen Unrat sammeln wir ein. Dank gutem Auge und glücklichem Zufall, stösst Walter Waser auf einen 15 Kilogramm schweren Stein mit Armierungseisen, von dem nur ein kleiner Teil aus dem Boden ragte. Nicht auszumalen, was passieren könnte, sollte ein solcher Brocken in Maschinen geraten oder der Unrat in den Magen des Viehs gelangen. Walter Waser hat eindrücklich aufgezeigt, dass er nicht nur ein guter Mäusejäger ist, sondern für die Nutztiere und Maschinen unbezahlbare Dienste leistet.

Auf dem Bauernhof Kündig erklärt er, dass für die Mäuse ein Überleben an einem Südhang oder steinigem Boden eher schwierig sei. «Sporadisches Befahren mit Landmaschinen begünstigen hingegen ein grosses Höhlensystem der Mäuse», ergänzt er. Lückenhafter Pflanzenbestand, nebst sichtbaren Erdhaufen, sei ein Indiz für viele Mäuse. Von einer Mäuseplage spricht man ab 40 Mäusen pro Hektar Land. Gefährdet seien auch etwas abgelegene und weniger gepflegte Landabschnitte.

Der Rekordfang gelang Walter Waser am 19. Juni. Da zog er tatsächlich 118 Nager aus dem Boden. Es blieben also nur 5 Fallen leer. Die Entsorgung erfolgt via Feldränder und somit sind gleichzeitig die gestellten Fallen von Wildtieren besser geschützt. Thomas Kündig erzählt, dass diesen Frühling bei der Autobahnüberführung zum Allmendhuisli gleich fünf junge Füchse lebten. Da wartet eine hungrige Fähe noch so gerne auf Nachschub.

Pro gefangene Maus gibt es einen Franken

Die Theorie, dass Überpopulationen durch Krankheiten ausgelöscht würden, sei heute überholt, meint Thomas Kündig. «Weil die milden Winter auch in dieser Jahreszeit Nachwuchs ermöglichen, erholen sich die Populationen sehr schnell», meinte er. Der Schaden an den Kulturen pro Maus wird auf 2.30 Franken beziffert. Pro gefangene Maus erhält Walter Waser einen Franken vom Landwirt, der ihm den Auftrag erteilt.

Ab und zu liefert Walter auch Mäuse auf das Wirzweli in den Eulenpark. Rund um den Flugplatz Buochs hat der Mäusejäger schon Tausende Mäuse gefangen. Da geht es auch um den Sicherheitsaspekt. In dieser Gegend möchte man vor allem die Greifvögel fernhalten. Solange die Nachfrage besteht und es die Gesundheit zulässt, möchte der 69-Jährige seine Arbeit weiterhin ausüben. Ein Hagelunwetter während seiner Tätigkeit bleibt unvergessen. «Ich bekam vom Hagelschlag warme Ohren. Ich habe durchgehalten und alle Fallen kontrolliert. Danach war ich klatschnass und unterkühlt. Ich stieg ins Auto und startete als erstes die Heizung», erzählte er lachend. Nach einer Kaffeepause, die er bei den Landwirten besonders schätzt, begeben wir uns auf den abschliessenden Kontrollgang. Im Nu zieht Walter 10 Wühlmäuse aus der Erde bis am Abend sind es 70.

Weit mehr als nur Mäusejäger

Walter Waser ist am 24. November 1950 in Stans geboren. Er ist auf dem Bauernhof Göhren in Oberdorf aufgewachsen und führte diesen während 31 Jahren. Der gelernte Meisterlandwirt leistete in jungen Jahren 90 Einsätze als Betriebshelfer in den Regionen Basel, Zürich und der ganzen Innerschweiz. Fünf Kinder sind auf seinem Betrieb aufgewachsen und vor sechs Jahren hat er ihn seinem Sohn Andreas überschrieben.

Für das Skispringen zaubert Walter seit 24 Jahren das Engelberger Logo mit Tannenzweigen auf die Titlisschanze. Der geübte Skifahrer mit Skilehrerpatent fährt auch mal mit den Langlaufskis (!) vom Titlis über die Roteggpiste. Legendär sind seine Kutschenfahrten an den verschiedensten Nidwaldner Anlässen. Treffend ist ein Spruch von ihm, der sehr gut zu ihm selber passt: «Strebe nach Ruhe, aber durch Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit».

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