Der Pendleralltag der Zentralbahn ist zurückgekehrt

Seit Montag rollen die Züge zwischen Hergiswil und Luzern Allmend wieder. Die Totalsperrung brauchte besonders in der ersten Woche viel Geduld und kostete die Zentralbahn eine Million Franken.

Matthias Piazza
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Mit dem Interregio, der am Montag in Luzern um 5.04 nach Stans–Engelberg abfuhr, ist bei der Zentralbahn (ZB) wieder der Alltag eingekehrt. Während zweier Wochen war für die Züge von Luzern in Luzern Allmend/Messe Endstation. Dort mussten die Zentralbahn-Passagiere auf die Ersatzbusse nach Hergiswil/Stans und Alpnachstad/Sarnen umsteigen, von wo es mit dem Zug weiter Richtung Engelberg und Interlaken ging.

Bis zu 60 Chauffeure mit 26 Bussen von 6 Busunternehmen sorgten dafür, dass die rund 17'000 Fahrgäste pro Tag trotz gesperrter Bahnstrecke ihr Reiseziel erreichten, auch wenn sie dafür länger als üblich unterwegs waren.

Michael Schürch, Geschäftsführer der Zentralbahn, zieht eine positive Bilanz zum Bahnersatzbetrieb, der die ZB rund eine Million Franken kostete:

«Wir hatten drei Viertel weniger Reklamationen als in der vierwöchigen Totalsperrung im Frühling.»

Dies sei wohl auch damit zu erklären, dass damals die Busse ab Bahnhof Luzern fuhren. Wegen des Verkehrs in der Innenstadt dauerte die Fahrt oft wesentlich länger als geplant. In der Zwischenzeit wurde die S-Bahn-Station Allmend aufgerüstet, sodass Züge nun dort wenden können.

Am Dienstag- und Donnerstagabend der ersten Sperrwoche brach der Strassenverkehr wegen zwei Unfällen auf der A2 in Hergiswil beziehungsweise Horw grossflächig zusammen. Darunter litt auch der Bahnersatzverkehr. Die Fahrgäste hätten aber mit Verständnis auf die bis zu zwei Stunden längeren Fahrzeiten reagiert. «Anders wäre es gewesen, wenn wir den Bahnersatzbetrieb schlecht organisiert hätten», sagt Michael Schürch dazu.

Doppelspur als Meilenstein

Während der zweiwöchigen Streckensperrung zwischen Alpnachstad/Hergiswil und Allmend wurde die verlängerte Doppelspur in Hergiswil Matt an die bestehenden Gleise angeschlossen und das alte Gleis entfernt. Seit diesem Frühling werden zudem auch die S-Bahn-Haltestellen Hergiswil Matt, Horw und Kriens Mattenhof ausgebaut.

Die Arbeiten zwischen dem südlichen Portal des Haltiwaldtunnels und der Station Matt sind seit diesem Frühling im Gange. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)
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Hier entsteht die Doppelspur. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)
Haltiwaldtunnel. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)
Bauarbeiter bei der Arbeit. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)
Die neue S-Bahn-Haltestelle Hergiswil Matt entsteht. Vor der Totalsperre von übernächster Woche nimmt der Zug noch die alte Strecke. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)
Grosse Maschinen fahren auf. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)
Die heisse Phase auf der Baustelle. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)
Ein Zug fährt langsam an der Baustelle vorbei. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)
Die neue S-Bahn-Haltestelle Hergiswil Matt. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)

Die Arbeiten zwischen dem südlichen Portal des Haltiwaldtunnels und der Station Matt sind seit diesem Frühling im Gange. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 23. Oktober 2019)

Für Michael Schürch ist die Inbetriebnahme der Doppelspur ein Meilenstein, nach rund 20 Jahren Diskussion und Planung. Sie ermöglicht, dass die S-Bahnen mit dem bestehenden Viertelstundentakt ab 1. März 2020 wieder in Hergiswil Matt halten können.

Mit dem 38-Millionen-Franken-Projekt liege man im Zeitplan und Budget. Damit nach nur zwei Wochen Unterbruch die Züge wieder fahren konnten, musste rund um die Uhr gearbeitet werden. «Auch wenn wir nachts keine lärmintensiven Arbeiten durchführten, verlangte diese intensive Bauzeit von den Anwohnern einiges ab», hält Michael Schürch fest.

Auch in Zukunft werden Streckensperrungen unumgänglich sein. Im Frühling 2021 ist der Abschnitt zwischen Stansstad und Engelberg an der Reihe, im November 2021 ist der Bahnhof Luzern für die Zentralbahn gesperrt, weil ein zweites ZB-Gleis eingebaut wird. Und im Jahr 2022 wird voraussichtlich der Bahnhof Hergiswil behindertengerecht ausgebaucht.