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Der Steinbruch Zingel in Kehrsiten startet in eine neue Ära

Von der Umgebung weitgehend unbemerkt, werden in Kehrsiten Tonnen des begehrten Kieselkalks abgebaut. Nun wird der Steinbruch erweitert. Für den Engelberger Werkleiter endet «eine aufregende Zeit».
Philipp Unterschütz
Das neuer Untertag Bauwerk des Holcim-Steinbruchs Zingel in Kehrsiten mit dem Fallschacht im Hintergrund. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)

Das neuer Untertag Bauwerk des Holcim-Steinbruchs Zingel in Kehrsiten mit dem Fallschacht im Hintergrund. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)

Es herrscht so eine Art Ruhe vor dem Sturm. Das neue Untertag-Bauwerk zur Rohmaterialbeförderung im Steinbruch Zingel der Firma Holcim in Kehrsiten ist fertig ausgebrochen und gesichert – die Mineure der Gasser Felstechnik aus Lungern sind längst abgezogen, nur noch einige Detailarbeiten sind zu verrichten. Noch ist es ruhig, noch liegt kein Staub in der Luft, noch läuft kein Abbau. Um das Arbeitskonzept zu erklären, hat Werkleiter Karl Feierabend einen Dumper und einen Radlader in die Kaverne stellen lassen. Man spürt bei seinen Erklärungen auf dem Rundgang: er brennt darauf, dass im Dezember der Probebetrieb und nach den Winterrevisionen im Schotterwerk in Kehrsiten im Frühjahr 2019 der Regelbetrieb endlich losgeht.

Karl Feierabend (56) aus Engelberg, der seit 11 Jahren Werkleiter in Kehrsiten ist und zudem für die SVP im Obwaldner Kantonsrat sitzt, hat das Projekt von Beginn an begleitet und mit seinen Ideen mitgeprägt. «Eine aufregende Zeit. Für den Werkleiter eines Schotterwerks ist es sonst ja bereits aufregend, wenn nur mal ein Reh im Abbaugebiet vorbeiläuft», sagt er mit einem Schmunzeln. «So ein Projekt erlebt man nur ein Mal in seiner Karriere, ich bin deshalb auch entsprechend stolz.»

Kieselkalk wird nur an sechs Orten abgebaut

Nachdem im Steinbruch Zingel rund 100 Jahre lang Kieselkalk abgebaut wurde, ist das Vorkommen an dieser Stelle erschöpft. «Hätten wir die Genehmigung zur Erweiterung des Steinbruchs und die Abbaukonzession nicht erhalten, wären wir nun mit dem Rückbau unseres Werks beschäftigt», erklärt Feierabend. So aber braucht sich keiner der Mitarbeiter Sorgen um seinen Arbeitsplatz zu machen – für etwa 20 Jahre bleibt der Oberzingel, wie der neue Teil heisst, einer von nur sechs Orten in der ganzen Schweiz, wo Kieselkalk abgebaut wird.

Schotterwerk, Schiffstransporte und die personelle Besetzung sind auf eine Produktionsmenge von maximal 270000 Tonnen Kieselkalk jährlich ausgelegt. Kieselkalk ist wegen seiner Härte und Abriebfähigkeit speziell geeignet für Bahnschotter und Strassenbelag. Allein die SBB benötigen jedes Jahr 550000 Tonnen, wovon 60000 Tonnen aus Kehrsiten stammen.

Nicht zuletzt wegen dem gewählten Abbauverfahren erhielt Holcim die Konzession zur Erweiterung im Oberzingel. Verschiedene Verfahren wären denkbar gewesen: das Material nach Sprengungen über die Felswände nach unten zu werfen wie bisher, mit entsprechender Lärm- und Staubentwicklung. Oder es direkt vom Abbauort mit Muldenkippern über Zufahrtsstrassen nach unten abzutransportieren, was ebenfalls umweltbelastend und zudem saisonal äusserst wetterabhängig gewesen wäre. Für Förderbänder wiederum war das Volumen zu klein. «So beschlossen wir die Untertag-Variante. Wir bauten einen Schacht, in den das Material von oben gekippt wird. Vom Fuss dieses Schachtes wird es auf einem Dumper ins Schotterwerk gefahren», erklärt Karl Feierabend. Wegen der rund um den oberirdischen Abbauort angelegten Lärm- und Sichtschutzwälle bringt die Methode auch für die Umgebung bedeutende Vorteile. Gleichzeitig mit dem Abbau läuft zudem die Rekultivierung. Es entstehen vor allem Magerwiesen, neue artenreiche Hecken und Trockenmauern. Damm und Rekultivierung bewegen sich gleichzeitig mit dem Abbau mit. Auch der Schachtkopf, wo das Material hineingekippt wird, wandert nach unten, nach etwa 10 Jahren wird er etwa 30 Meter tiefer unten neu gebaut.

Spezielles Bohr-Verfahren für 140 Meter tiefen Schacht

Inklusive Planungen, Umbau des Schotterwerks, Rekultivierungen, Maschinen usw. hat Holcim knapp 10 Millionen Franken in die Erweiterung des Steinbruchs Zingel investiert. Der 140 Meter tiefe Schacht wurde im so genannten Raise-Boring-Verfahren erstellt. Von oben wurde ein 30 Zentimeter grosses Bohrloch erstellt, danach an einer Spezialaufhängung ein Bohrkopf mit einem Durchmesser von 3 Metern von unten nach oben gezogen. Die unteren 60 Meter des Schachtes, die im Betrieb als eine Art Silolager dienen, wurden zuletzt mit Sprengungen auf 8 Meter aufgeweitet.

Der Abtransport des Gesteins aus dem Berg wird künftig von einem Mann alleine ausgeführt werden. Er fährt mit dem Dumper in den Berg, wechselt beim Schachtfuss in den Radlader und füllt damit seinen Dumper, den er darauf wieder ins Schotterwerk fährt. Karl Feierabend freut sich auf den Start: «Ich überlege mir schon jetzt, wohin ich dann stehe, wenn das erste Fuder den Schacht runterrutscht.»

Blick in den Steinbruch der Holcim in Kehrsiten. Der Eingang zum neuen Bauwerk im Berg ist hinten zu sehen. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Das fertige Untertagbauwerk mit dem 140 Meter hohen Fallschacht rechts. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Ausbruch des Untertagbauwerks zur Beförderung des Rohmaterials im Steinbruch Zingel durch die Firma Gasser Felstechnik AG Lungern. (Bild: Gasser Felstechnik, Kehrsiten, 9. April 2018)
Ausbruch des Untertagbauwerks zur Beförderung des Rohmaterials im Steinbruch Zingel durch die Firma Gasser Felstechnik AG Lungern. (Bild: Gasser Felstechnik, Kehrsiten, 9. April 2018)
Vortrieb Untertagebauwerk im Steinbruch Zingel Kehrsiten. Ein Mineur bereitet eine Sprengung vor. (Bild: Gasser Felstechnik, Kehrsiten, 9. April 2018)
Vortrieb Untertagebauwerk im Steinbruch Zingel Kehrsiten. Ein Mineur bereitet eine Sprengung vor. (Bild: Gasser Felstechnik, Kehrsiten, 9. April 2018)
Vortrieb Untertagebauwerk im Steinbruch Zingel Kehrsiten. Ein Mineur bereitet eine Sprengung vor. (Bild: Gasser Felstechnik, Kehrsiten, 9. April 2018)
Ausbruch des Untertagbauwerks zur Beförderung des Rohmaterials im Steinbruch Zingel durch die Firma Gasser Felstechnik AG Lungern. (Bild: Gasser Felstechnik, Kehrsiten, 9. April 2018)
Ausbruch des Untertagbauwerks zur Beförderung des Rohmaterials im Steinbruch Zingel durch die Firma Gasser Felstechnik AG Lungern. (Bild: Gasser Felstechnik, Kehrsiten, 9. April 2018)
Der Steinbruch Zingel Kehrsiten während des Ausbruchs des Untertagebauwerks (hinten der Zugang) (Bild: Gasser Felstechnik Lungern, 9. April 2018)
Blick auf den Steinbruch Zingel aus dem fertigen Zugangsstollen. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Der fertige Zugangsstollen zu Förderkaverne und zum Fallschacht. Bild: Corinne Glanzmann (Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Der fertige Zugangsstollen zu Förderkaverne und zum Fallschacht. Bild: Corinne Glanzmann (Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Besichtigung Neuer Untertag Steinbruch der Holcim in Kehrsiten. Kaverne, wo der Dumper vom Radlader mit dem Rohmaterial gefüllt wird. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Besichtigung Neuer Untertag Steinbruch der Holcim in Kehrsiten. Hinten Blick zum Fallschacht. Bild: Corinne Glanzmann (Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Besichtigung Neuer Untertag Steinbruch der Holcim in Kehrsiten. Im Bild links Peter Schaufelberger, Holcim-Regionenleiter Zentralschweiz und Kari Feierabend, Werkleiter Steinbruch Zingel. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Etwa 140 Meter über dem Untertagebauwerk wird hier künftig das Rohmaterial vom Oberzingel in den Fallschacht gekippt. Das Bauwerk steht kurz vor der Fertigstellung. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Die Erweiterung des Holcim Steinbruchs Kehrsiten im Bereich Oberzingel. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Arbeitsplatz mit traumhafter Aussicht im Bereich Oberzingel. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Das Schotterwerk der Holcim in Kehrsiten, wo der abgebaute Kieselkalk verarbeitet wird. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
Der Engelberger SVP-Kantonsrat Kari Feierabend ist Werkleiter des Holcim Schotterwerks Kehrsiten. (Bild: Corinne Glanzmann, Kehrsiten, 16. Oktober 2018)
21 Bilder

Erweiterung des Steinbruchs Zingel in Kehrsiten

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