Die Bands waren in Dallenwil aus dem Häuschen

Das sechste Hofair fand unter erschwerten Bedingungen statt. Das tat der Freude von Bands und Publikum keinen Abbruch.

Christian Hug
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Die Luzerner Band Dub Spencer & Trance Hill spielt am Dallenwiler Hofair.

Die Luzerner Band Dub Spencer & Trance Hill spielt am Dallenwiler Hofair.

Bild: Edi Ettlin (12. September 2020)

«Wir brauchen solche Anlässe», antwortete Hofair-Veranstalter Joe Odermatt ganz ernst auf die Frage, warum das Open Air auf dem eigenen Bauernhof in Dallenwil trotz schweizweit steigender Corona-Fallzahlen durchgeführt wird. Was Joe Odermatt damit meinte: Corona zwingt uns seit Frühling zu vielen Einschränkungen, darunter eine fast 100-prozentige Enthaltsamkeit in Sachen Kultur. «Wenn wir also mit dem Hofair dazu beitragen können, dass die Leute wieder mal rauskommen, Musik geniessen und sich treffen können, dann tun wir das.»

Die Familie Odermatt und die 50 freiwilligen Helfer taten das wohlgemerkt nur unter strengster Einhaltung der Corona-Regeln: Der Einlass ins Gelände war auf 300 Personen limitiert. Wer hinein wollte, musste das Ticket schon am Vortag abholen mit Prüfung von Name, Adresse und Handynummer. Eine Durchführung kam nur bei schönem Wetter in Frage, weil sich so die 300 Gäste grosszügig unter freiem Himmel auf dem Gelände verteilen konnten. Die Schlechtwettervariante fand in den vergangenen Jahren im Gaden statt. Masken waren deshalb keine nötig.

Dass Joe Odermatt mit seinem Willen zum sechsten Hofair richtig lag, begründet er auch mit den Sponsoren, die dieses Open Air mit sechs auftretenden Bands erst möglich machen: «Wir nahmen ausgerechnet während des Lockdowns erste Kontakte zu unseren Sponsoren auf», erzählt Odermatt, «und allesamt haben, ohne zu zögern, ihre Unterstützung zugesagt.» Ihnen sei es auch zu verdanken, dass das Hofair trotz coronabedingt weniger Publikum als sonst ohne finanziellen Verlust über die Bühne ging.

Musiker mit überbordender Spielfreude

So war denn im Publikum die Freude darüber, dass man «wieder mal rausgehen» konnte, mehr als deutlich zu spüren. Auch die Bands waren sprichwörtlich aus dem Häuschen, denn bekanntlich leiden die Kulturschaffenden finanziell gesehen am meisten unter der Coronapandemie. Julian Dillier, Schlagzeuger der Luzerner Dub-Reggae-Band Dub Spencer & Trance Hill, erwähnte mehrfach, dass dieses Konzert das erste seit einem halben Jahr sei, und wirkte dabei selber ein bisschen wie ein ungläubiger Thomas. Begeistert sagte er zum Publikum: «Kommt mir nicht nach dem Konzert mit Zugabe-Rufen, sondern geniesst die Musik jetzt, in diesem Moment!»

Baptiste Beleffi, Sänger der Balkan-Punkband Paloko!Muski, und El Ritschi, Sänger der Lokalmatadoren Jolly and the Flytrap, erwähnten, dass ihre Auftritte überhaupt die ersten in diesem Jahr seien. Entsprechend war die Spielfreude geradezu überbordend.

Angefangen hat der diesjährige Hofair-Reigen um 12 Uhr am Mittag mit Jolly and the Flytrap, die erst kürzlich im Engelberger Grünenwald neue Songs aufgenommen haben und einige davon nun live präsentierten – herrlich wie immer, auch wenn Klassiker wie «Cidre» oder «Bottledance» am Ende fehlten.

Das Schwyzer/Urner Trio Bubka spielte im Anschluss ihren dichten Instrumentalrock, der auf dicken Orgel-Hooklines aufbaute. Die 3-Frauen-plus-Drummer-Band Velvet Two Stripes aus St.Gallen setzten noch eins obendrauf und rockte den Güllenkasten gehörig. Das Duo Odd Couple kam als Trio aus Ostfriesland angereist und spielte Deutschrock, der in seinen besten Momenten an die quirligen Bonaparte erinnerte.

Dub Spencer & Trance Hill, seit 30 Jahren ein fester Wert in der internationalen Reggae-Szene, spielten schwere Beats in die Nacht hinein. Und schliesslich legte die Zürcher Band Paloko!Muski ein Feuerwerk an Gipsy-Punk mit einem eskalierenden Sänger hin, der sich am Ende nur noch mit Unterhose auf dem Boden wälzte.

Das Booking, also die musikalische Verantwortung, übernahm dieses Jahr zum ersten Mal der Musiker Roli Würsch – er hat einen tollen Job gemacht. Und das Schöne für die Fans einer jeweiligen Band: Weil die Musikerinnen und Musiker allesamt in den letzten Monaten nicht auftreten konnten, waren die meisten von ihnen im Studio. Fast alle sechs Hofair-Bands haben neue Alben angekündigt.

Traumhafter Ausklang am Abend

Wie es beim Hofair üblich ist, war um 22 Uhr schon Schluss mit Konzerten. Gut, mit den Zugaben der letzten Band wurde es dann etwas später. Aber die Idee bleibt, ein «Tages-Open-Air» zu feiern. Das braucht weniger Papierkram für Sonderbewilligungen, sichert den gesunden Schlaf der Dallenwiler und ermöglicht es Konzertfreunden, ihre Kinder mitzunehmen.

Was aber nicht bedeutet, dass nach den Konzerten alle nach Hause gehen: Discokugeln tauchten das ganze Areal in ein geradezu romantisch-märchenhaftes Licht, ruhige Musik schwebte leise über die Szenerie, und die Gäste genossen noch das eine und andere vor Ort gebraute Bier oder einen Fleischvogel mit Kartoffelstock und viel Sauce. Irgendwann lief dann Eva-Maria Odermatt, Joes Tochter und Mitorganisatorin, von der Bar zu den Strohballen zu den Tischen und verkündete die «letzte Runde».