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Theaterproduktion: Die Buochser suchen ihr Heidi

Nächstes Jahr bringt das Theater Buochs das Stück «Eyses Heidi» auf die Bühne. Der Obwaldner Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart schreibt das Drehbuch – und sucht gemeinsam mit Regisseurin Eva Mann acht Jungdarsteller.
Simon Mathis
Drehbuchautor Hanspeter Müller-Drossaart als aufmerksamer Zuschauer am Casting. (Bild: Pius Amrein, Buochs, 24. April 2019)

Drehbuchautor Hanspeter Müller-Drossaart als aufmerksamer Zuschauer am Casting. (Bild: Pius Amrein, Buochs, 24. April 2019)

Grummelig blickt Peter seine Freundin Heidi an, die soeben aus Frankfurt zurückgekehrt ist. «Gefehlt hast du mir schon», räumt er ein. Nur um dann trotzig zu ergänzen: «Aber vermisst hab ich dich nicht!» Dieses Wiedersehen spielten am Mittwoch ein Dutzend Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren nach. Sie versammelten sich abends im Theater Buochs, um für das Stück «Eyses Heidi» vorzusprechen.

Der Zuschauerraum war fast leer. Fast: Weit vorne sass der in Sarnen aufgewachsene Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart. Aus seiner Feder stammen die vergnüglichen Zeilen, die die Kinder vortrugen. Er beobachtete die Jungschauspieler aufmerksam, mehrmals entlockten sie ihm ein Schmunzeln oder einen kurzen Lacher.

«Heidi darf durchaus schlitzohrig sein»

Die Theatergesellschaft Buochs spielte schon länger mit dem Gedanken, Müller als Autor zu engagieren. Während eines mehrstündigen Gesprächs mit ihm habe man das Thema Heidi gestreift, erinnert sich Kuno Scheuber vom Vorstand des Theater Buochs. Müller habe einige Sekunden überlegt und dann begeistert gerufen: «Das ist es, das müssen wir machen!»

So kam es, dass der Obwaldner Schauspieler nun das Stück «Eyses Heidi» schreibt. Müller hat den Plot um 1900 und in Buochs angesiedelt. Die Rahmenhandlung gibt die gealterte Heidi, die ihrer Urenkelin die eigene Geschichte erzählt. Diese sei nicht wesentlich anders als die bereits bekannte, verrät Müller. Er wolle die Figuren aber lebendiger und weniger schematisch gestalten. Müller sagt:

«Unsere Heidi darf durchaus
etwas schlitzohrig sein.»

Müller sei schon lange mit der «tiefreligiösen Dame vom Hirzel unterwegs». Damit meint er die Zürcher Schriftstellerin Johanna Spyri, die die weltweit beliebte Romanfigur Heidi erdachte. Müllers Schreibprozess befinde sich zurzeit in der «heissen Phase», sagt er. «Bis jetzt habe ich vor allem herumgeeiert, nun aber erreiche ich die Entscheidungsbahn.»

35 Kinder und acht Rollen

Bei den Entscheidungen helfe auch das Casting. «Ich bin hier in Buochs auf Recherche. Ich suche Menschen, um zu schreiben», so Müller. Das sei das Schöne am Theater: Das Drehbuch sei nicht in Stein gemeisselt, sondern könne stets überarbeitet werden – auch gemeinsam mit den Schauspielern. «Man findet ständig Wörtchen, an denen sich feilen lässt», sagte Müller vor dem Casting. Das bewahrheitete sich prompt. Denn beim Schauspiel kam die junge Generation bei einigen Dialektausdrücken ins Zögern. Was ist ein «Tosse» (Felsblock)? Wie spricht man «Ghursch» (Durcheinander) aus? Das ist nicht immer ganz klar, sehr zum Amüsement Müllers.

Der Zulauf ist gross. Rund 35 Kinder wollen eine Rolle ergattern, am Abendcasting sind elf von ihnen mit vollem Einsatz dabei. Vier Rollen sind zu vergeben: Heidi, Peter, Klara und Heidis Urenkelin. Alle werden doppelt besetzt. Die Regisseurin Eva Mann aus Meggen führt die Kinder spielerisch durch das Vorsprechen. «Mit Kindern zu arbeiten ist ein Geschenk», sagt Mann. «Sie können sich den Text oft viel besser merken als Erwachsene.»

Regisseurin vor der Qual der Wahl

Die Entscheidung zwischen all den Kindern wird Eva Mann nicht leicht fallen: «In jedem steckt eine besondere Facette, zu der man nur ungerne Nein sagt.» Beim Casting achte sie vor allem darauf, ob sich die Kinder auf die besondere Welt des Theaters einlassen können. «Das wichtigste ist die Freude am Spielen; und die Bereitschaft, gemeinsam mit den Gspändli etwas zu schaffen.»

Ist Johanna Spyris Heidi überhaupt noch zeitgemäss? Ja, sagt Hanspeter Müller-Drossaart. Ein Stoff wie dieser werde von jeder Generation neu interpretiert: «Der Mythos des kleinen Mädchens, das die Welt verbessert, tut uns allen gut.»

Hinweis: Das dritte und letzte Casting für «Eyses Heidi» findet am Mittwoch, 8. Mai, von 14 bis 16 Uhr im Theater Buochs statt. Eine Anmeldung ist nötig. Weitere Infos gibt es unter: www.theater-buochs.ch

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