Die Guugge Bodäsurri hat ausgespielt

Die Fasnacht in Stans ist um eine Guugge ärmer. Die Bodäsurri hat sich aufgelöst – ausgerechnet vor dem Jubiläumsjahr.

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Ein Bild aus besseren Tagen: die Bodäsurri an der Fasnacht 2007 mit dem Motto «Henderem Lopper send d Mozartchoglä soper». (Bild: Archiv Keystone)

Ein Bild aus besseren Tagen: die Bodäsurri an der Fasnacht 2007 mit dem Motto «Henderem Lopper send d Mozartchoglä soper». (Bild: Archiv Keystone)

Mit ihren Sujets und Klängen hat die Stanser Guuggenmusig Bodäsurri die Fasnacht in Nidwalden und bei Auftritten ennet der Kantonsgrenze über Jahrzehnte mitgeprägt. Tanzende und klatschende Zuhörer bei den Konzerten unterstrichen die Beliebtheit der Traditionsguugge. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die zwölf verbliebenen Mitglieder der schrumpfenden Guugge haben an ihrer Versammlung die Auflösung beschlossen, wie die letzte Präsidentin Mirjam Jenni auf Anfrage bestätigt. «Natürlich hätten wir alle die Guugge gerne aufrechterhalten. Im Endeffekt war es aber ein einstimmiger Entscheid.»

Grund: An der kommenden Fasnacht hätten gerade noch acht Mitglieder mitgemacht. Zu wenig, um den Verein weiterhin seriös zu führen, geschweige denn bei den Auftritten eine vernünftige Klanglautstärke zu erreichen. Besonders bitter: In diesem Jahr hätten die Bodäsurri ihr 40-Jahr-Jubiläum feiern können. «Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen», versichert Mirjam Jenni. «Auch wenn wir traurig sind, dass es so herausgekommen ist. Es ist schlussendlich für alle die beste Lösung.»

Interessengemeinschaft gegründet

Ganz abschreiben will Jenni die Guu­gge aber noch nicht. Parallel zur Auflösung haben die beiden «Surris» Cyrill Hordos und Ueli Odermatt die Interessengemeinschaft (IG) Bodäsurri gegründet. Ihr Ziel: die Guugge irgendwann wieder zu reaktivieren.
Bis dahin aber wird der Fasnacht in Nidwalden und vor allem im Hauptort ein buntes und musikalisches Element fehlen. Auch Mirjam Jenni sagt: «Die Bodäsurri gehören einfach zur Stanser Fasnacht.»

Alles versucht

Sie hätten nichts unversucht gelassen, den Fortbestand der Guugge zu sichern, blickt die letzte Präsidentin auf eine intensive Zeit der Mitgliederwerbung zurück. «Wir haben Flyer verteilt, über Facebook auf uns aufmerksam gemacht, potenzielle Neumitglieder mündlich angefragt oder kleine Feste im Guuggenlokal organisiert, um Fasnachtsinteressierte für unseren Verein zu gewinnen», erzählt sie. Doch all diese Versuche trugen keine Früchte. Deshalb war das Aus absehbar. Oder wie es die Guugge auf ihrer Homepage formuliert. «Eine Ära geht zu Ende.»

Die Bodäsurri waren zu ihren besten Zeiten über Jahre eine der grössten Guuggenmusiken. Als Drachen, Tintenfische, Vampire, Wikinger und mit weiteren originellen Mottos belebten sie die Narrenzeit. Zuletzt aber nahm der Mitgliederbestand kontinuierlich ab. Langjährige «Surris» gaben den Rücktritt, diese Lücken konnten nie richtig kompensiert werden.

Jugendliche scheuen Aufwand

«Viele Jugendliche sind heutzutage nicht mehr motiviert, in einer Guugge mitzuwirken, da dies auch mit Aufwand verbunden ist», glaubt Mirjam Jenni eine Ursache für den fehlenden Nachwuchs zu kennen. Zudem seien grössere Guug­gen für viele attraktiver als kleinere Gruppen. Trotzdem: Die Stanser Fasnächtler kommen auch diese Fasnacht in den Genuss schräger Guuggenklänge. Dafür sorgen die Chälti-Sägler und kleinere Formationen wie die Guugge 1850. In diesem Sinne wünscht die Interessengemeinschaft auf der Homepage ebenfalls «eine tolle Fasnacht 2012 – auch ohne Bodäsurri.»

Oliver Mattmann