Die Käser gehen in die Offensive

Immer weniger Schulabgänger in der Zentralschweiz interessieren sich für die Käserlehre. Nun will die Branche den Milchtechnologen zu neuem Aufschwung verhelfen. An vorderster Front mit dabei: eine Käserei in Dallenwil.

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Patrick Odermatt, Inhaber der Odermatt Käserei AG, kehrt seinen Dallenwiler Geisskäse. Wie andere Betriebe in der Region sucht auch er Lehrlinge. (Bild: Corinne Glanzmann (Dallenwil, 18. Januar 2017))

Patrick Odermatt, Inhaber der Odermatt Käserei AG, kehrt seinen Dallenwiler Geisskäse. Wie andere Betriebe in der Region sucht auch er Lehrlinge. (Bild: Corinne Glanzmann (Dallenwil, 18. Januar 2017))

Noch 63 Jugendliche machen zurzeit in der Zentralschweiz eine Lehre als Käser respektive Milchtechnologe, wie der Beruf inzwischen heisst. Das ist ein neuer Tiefstand, wie der Schweizerische Milchwirtschaftliche Verein (SMV) mitteilt. 2013 waren es 74, zwei Jahre später immerhin noch 69 Lehrlinge. Statt tatenlos der negativen Entwicklung zuzusehen, versucht die Branche, Gegensteuer zu geben. So war sie vor einiger Zeit mit einem Messestand an der Zentralschweizer Bildungsmesse (Zebi) in Luzern präsent und organisiert Berufsinfotage.

Reinschauen ins Käsehandwerk

Der Berufsinfotag findet am Mittwoch, 25. Januar, 13.30 Uhr in diesen Betrieben statt (Anmeldung erwünscht):

  • Fläcke-Chäsi GmbH, Beromünster, 041 930 30 21, .
  • Käserei Schmid AG, Buttisholz, 041 928 01 80, .
  • Molkerei Kunz, Triengen, 041 920 21 24, .
  • Odermatt Käserei AG, Dallenwil, 041 628 19 06, .
  •  Windlin St. Niklausen AG, St. Niklausen OW, 041 660 15 92, .
  • Neue Napfmilch AG, Hergiswil b. Willisau, 041 979 17 40, .
  • Schwyzer Milchhuus, Schwyz, 041 819 30 50, .

Zu den Betrieben, die kommenden Mittwoch ihre Tore für den Nachwuchs öffnen, gehört die Odermatt Käserei AG im nidwaldnerischen Dallenwil. «Wir müssen uns ins Zeug legen, um genügend Nachwuchs für unsere Branche zu gewinnen», sagt Inhaber Patrick Odermatt (47), der die Käserei in zweiter Generation führt und 13 Mitarbeiter beschäftigt. «Mit dem Informationstag hoffen wir, den einen oder anderen Jugendlichen für den Beruf begeistern zu können.» Acht hätten sich bisher bei ihm angemeldet. Solche Anstrengungen lohnen sich, ist er überzeugt. Odermatt spricht aus Erfahrung. «Ein kleines Mädchen, das vor Jahren mit dem Ferienpass unseren Betrieb besuchte, machte später die Lehre hier», sagt er. Ein bis zwei Lehrlinge zu beschäftigen, sei das Ziel. Zurzeit hat sein Betrieb einen Auszubildenden. Dieser hat im vergangenen Jahr mit seiner Lehre begonnen.

Jede zweite Lehrstelle bleibt unbesetzt

«Der Beruf hat ein verstaubtes Image, ist körperlich anstrengend, man muss früh aufstehen und auch am Wochenende arbeiten», erklärt sich Patrick Odermatt das rückläufige Interesse an der Käserlehre. An Infotagen könne man aber auch die Sonnenseiten aufzeigen. «Der Beruf ist abwechslungsreich und kreativ.»

Das sieht auch Patrick Niederberger so. Der 23-Jährige aus Obbürgen NW hat hier 2013 die Lehre als Milchtechnologe absolviert und übt den Beruf noch immer mit Freude aus. «Mich fasziniert, was man mit Milch alles machen kann – von Quark über Joghurt, Frischkäse bis zu Butter und Rahm.» Er schätze die abwechslungsreiche Arbeit und den Kontakt zu Bauern und Kunden. Seine Erklärung für den Nachwuchsmangel: «Es wollen immer weniger einen handwerklichen Beruf ergreifen.» Das habe er bei seinen Mitschülern in der Oberstufe gespürt. Er selber aber habe keinen Moment an seiner Wahl gezweifelt.

Gemäss Iris Wirz von der Pressestelle des Schweizerischen Milchwirtschaftlichen Vereins bleibt in der Schweiz jede zweite Lehrstelle als Milchtechnologe unbesetzt. «Dabei ist der Beruf an sich nicht unbeliebt, sondern unbekannt, beziehungsweise die Jugendlichen haben eine veraltete Vorstellung davon. Entsprechend schwierig ist es für die Betriebe, Lehrlinge zu finden.» Mit der jetzigen Informationskampagne will man dies ändern. Immerhin konnten bisher über 130 Jugendliche dazu bewegt werden, einen der Berufsinfotage in der Zentralschweiz zu besuchen. Dies stimme sie zuversichtlich.

Matthias Piazza