Die Natursteinmauer im Ennetbürger Weingärtli muss wieder weg

Hunderte von Trockensteinmauern prägen die Landschaft am Südhang des Bürgenbergs mit. Jene Natursteinmauer von Beat Zimmermann und seiner Partnerin im Weingärtli ist hingegen nicht geduldet. Das Winzerpaar versteht die Welt nicht mehr.

Matthias Piazza
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Die Trockensteinmauer im Ennetbürger Weingärtli muss abgerissen werden.

Die Trockensteinmauer im Ennetbürger Weingärtli muss abgerissen werden.

Bild: PD

Sie sind ein Markenzeichen von Ennetbürgen. Teilweise über 200 Meter lang und bis zu 2 Meter hoch sind die Trockensteinmauern am Südhang des Ennetbürger Bürgenbergs. Sie sind mit ihrer natürlichen Erscheinung nicht nur schön anzusehen, sondern sind mit ihren Hohlräumen auch Lebensraum für zahlreiche Tiere, wie Insekten, Eidechsen und gewisse Schlangen. Hunderte dieser Mauern gibt es, sie gelten als wesentliches Element der naturnahen Kulturlandschaft. Oft bilden die Mauern gleichzeitig die Parzellen- und Bewirtschaftungsgrenze. An der rund 896'000 Franken teuren Sanierung der Mauern in den vergangenen sieben Jahren beteiligte sich die Gemeinde Ennetbürgen mit rund 240'000 Franken.

Freude über Natursteinmauer währte nicht lange

Mitten in diesem Gebiet, das im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung liegt, befindet sich das Weingärtli. Auf dieser 2,5 Hektar grossen Parzelle bauen Beat Zimmermann und seine Lebenspartnerin Erlita Terte seit vergangenem Jahr Weinreben an, um eigenen Wein zu produzieren. Aus herumliegenden Steinen hat er beim ehemaligen Stall, der auf dem Grundstück steht, ein 20 Meter langes und 1 Meter hohes Natursteinmäuerchen gebaut. Der Streifen zwischen Mauer und Stall wurde zu einem Beet mit Rosen. «Das Aussehen der Rosen hilft uns beim Erkennen von Ungeziefer», erklärt er. Die Freude über das Bauwerk währte nicht lange. Kürzlich bekamen die beiden Post vom kantonalen Amt für Raumplanung, mit der Aufforderung, die Mauer innert zwei Monaten abzureissen, diese sei ausserhalb der Bauzone und damit nicht zonenkonform.

Beat Zimmermann verstand die Welt nicht mehr. «Ich habe aus meiner Sicht nichts gebaut, wofür eine Baubewilligung nötig sein sollte. Steine auf einen Haufen zu werfen ist erlaubt, aber sie zu einer Natursteinmauer zu schichten, wie man sie am Bürgenberg zu Hunderten antrifft, darf ich nicht, obwohl ich nichts am Terrain verändert habe», enerviert sich der Stanser Versicherungsfachmann. Er will den Entscheid des Kantons anfechten.

Landwirtschaftlicher Bedarf muss nachgewiesen werden

«Die Baudirektion fördert und unterstützt den Erhalt und den Unterhalt bestehender Natursteinmauern, ebenso begrüsst sie den Bau neuer solcher Mauern, wenn diese landwirtschaftlich nötig sind», hält Markus von Holzen vom Amt für Raumentwicklung Nidwalden fest. Die bestehenden jahrzehntealten Natursteinmauern würden beispielsweise der Abstützung von Fahrwegen oder der Terrassierung von steilem Gelände dienen.

«Doch Geländeveränderungen ausserhalb der Bauzone sind in jedem Fall bewilligungspflichtig, auch jene, die von einer Mauer begrenzt werden», führt er weiter aus. «Es werden aber immer wieder Geländeveränderungen und Stützbauwerke bewilligt, wenn diese den Vorgaben entsprechen.» Wenn allerdings Mauern ohne Bewilligung erstellt würden, müssten diese nachträglich beurteilt werden.

«Wenn dabei der zonenkonforme landwirtschaftliche Bedarf von der Bauherrschaft dargelegt werden kann und aus raumplanerischer Sicht nachvollziehbar ist, ist davon auszugehen, dass die Massnahme bewilligungsfähig ist, sonst nicht», hält Markus von Holzen weiter fest. Auf den konkreten Fall könne er nicht weiter eingehen, da das Verfahren noch am Laufen sei.

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