Die neuen Besitzer der Stanser Molkerei Barmettler hatten ein heftiges erstes Halbjahr

Christian Sulzberger und Axel Dippold führen den Traditionsbetrieb weiter. Die Zwangspause wegen der Coronapandemie haben sie genutzt, um ein neues Produkt auf den Weg zu bringen.

Martin Uebelhart
Drucken
Teilen
Axel Dippold (links) und Christian Sulzberger in den Produktionsräumen der Molkerei Barmettler, die sie auf Anfang 2020 übernommen haben.

Axel Dippold (links) und Christian Sulzberger in den Produktionsräumen der Molkerei Barmettler, die sie auf Anfang 2020 übernommen haben.

Bild: Martin Uebelhart
(Stans, 10. August 2020)

Seit Anfang Jahr betreiben Christian Sulzberger und Axel Dippold die Molkerei Barmettler an der Stanser Schmiedgasse. Die Übernahme des Traditionsbetriebs – er besteht seit 1960 – sei für sie eine echte Herausforderung gewesen, sagt Axel Dippold im Gespräch mit unserer Zeitung. «Die ersten zwei Monate waren sehr anstrengend», sagt er. Es habe für beide andere Abläufe, ein anderes Umfeld, andere Tätigkeiten bedeutet. Man habe sich im Team neu finden müssen, sagt Christian Sulzberger. Mit Sepp Barmettler, der in den ersten paar Wochen noch mit Rat und Tat zur Seite gestanden habe, und einem langjährigen Mitarbeiter seien zwei führende Köpfe weggefallen. «Auf der positiven Seite gab das neuen Schub für einzelne Leute», hält Sulzberger fest. Da der grösste Teil der Belegschaft geblieben sei, habe man natürlich auch auf deren Know-how aufbauen können, ergänzt Dippold.

Von den Lieferanten und den Kunden seien sie gut aufgenommen worden. «Es wurde uns viel Goodwill entgegengebracht», sagt Dippold. Und sie hätten grosse Unterstützung gespürt. Nicht zuletzt sei man ihnen auch mit Toleranz begegnet, wenn mal eine Lieferung nicht ganz geklappt habe. Auch in der Nachbarschaft in der Schmiedgasse seien sie mit offenen Armen empfangen worden.

Gratwanderung zwischen Tradition und Neuem

Die Traditionen zu bewahren und auch auf Neues zu setzen, sei ein wenig eine Gratwanderung, räumt Dippold ein. «Der Stanserfladen ist unser Paradekäse, und den wollen wir sicher bewahren.» Gleichzeitig wollten sie eigene Sachen machen. Vor einigen Wochen haben sie einen Kaffeedrink unter dem Namen «Kaffi Milch» lanciert. Befeuert worden sei das Projekt nicht zuletzt durch die Coronakrise. Die Auswirkungen der Pandemie hat die Molkerei Barmettler gespürt. «Unser Umsatz ist deutlich eingebrochen», sagt Axel Dippold. «Es wurde gespenstisch», erzählt Christian Sulzberger. Es seien kaum noch Anrufe hereingekommen. «Es kam eine Ruhe in den Betrieb, die wir nicht als angenehm empfunden haben.» Als beklemmend bezeichnet er den Zustand, es seien prägende Momente gewesen. Sie seien mit Fragen konfrontiert worden, wie die Hygiene- und Abstandsvorschriften bei der Zusammenarbeit in einem relativ kleinen Betrieb umgesetzt werden sollten. Sie mussten auch Ware wegwerfen. «Das hat uns weh getan» erinnert sich Sulzberger.

Die Kaffi Milch ist «ein gemeinsamer Erfolg»

Die Zeit hätten sie genutzt, um einerseits die eigenen Produkte zu überarbeiten und anderseits ihr neues Produkt auf den Weg zu bringen. «Wir hatten zwei, drei Produkte im Kopf und haben uns dann auf die Kaffi Milch fokussiert», beschreibt Axel Dippold den Prozess. «Wichtig war, dass wir das Produkt als Team entwickelt haben», so Sulzberger. «Es ist ein gemeinsamer Erfolg, was in der Coronazeit umso wichtiger war.»

In zahlreichen Versuchen sei die richtige Mischung von Milch, Kaffee, Zucker und Rahm ausgetüftelt worden, beschreiben sie die Suche nach dem Rezept. Abheben wollen sich die Stanser Milchverarbeiter insbesondere durch die lokale Herkunft der Zutaten. Der Kaffee kommt aus der Roastery Engelberg, die Milch von den eigenen Bauern entlang des Stanserhorns, einzig der Rahm könne allenfalls einmal aus Buochs kommen.

Der Kaffeedrink sei recht gut angelaufen, sagt Dippold. «Wir sind der einzige regionale Kleinbetrieb, der so ein Produkt herstellt.» Sie hätten eine gute Nische besetzt. Wenn man betrachte, wie viel Umsatz etwa Tankstellenshops mit Kaffee machten, habe das Potenzial. «Wir hoffen, dass von dem grossen Kuchen ein genügend grosses Stück für uns übrig bleibt.» Das neue Produkt vermarkten sie unter «Molki Stans». Den Namen wollen sie auch für künftige neue Produkte verwenden.

«Die Kunden sind alle wieder zurückgekehrt»

Sulzberger und Dippold haben schon Ideen für weitere Milchgetränke. Zudem entwickeln sie derzeit einen Bio-Schafskäse. Ein weiteres Projekt ist ein Sbrinzkeller, den sie ab September im Culinarium Alpinum im ehemaligen Stanser Kapuzinerkloster betreiben. Käse von acht Alpen soll dort bis zu einem Alter von fünf Jahren gelagert und vertrieben werden.

Christian Sulzberger und Axel Dippold bejahen die Frage, ob es eine gute Entscheidung gewesen sei, die Molkerei Barmettler zu übernehmen. «Wir haben ein heftiges erstes halbes Jahr erlebt», betont Dippold. Nicht zuletzt durch die Auswirkungen der Pandemie, wie Sulzberger einwirft. Jetzt gehe es umso mehr aufwärts. Als der Bundesrat die Bestimmungen wieder gelockert habe, seien sie wieder mit Bestellungen eingedeckt worden. «Die Kunden sind alle wieder zurückgekehrt», freut er sich.

Website der Molki Stans

Mehr zum Thema