Die Nidwaldner evangelisch-reformierte Kirche gibt sich neue Strukturen und will Volkswahl der Pfarrer abschaffen

Die Verfassung und die Kirchenordnung werden revidiert. Im kommenden Frühling soll es zur Abstimmung kommen.

Richard Greuter
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Die verspätete Frühlingsversammlung fand unter speziellen Bedingungen statt. Präsident Wolfgang Gaede den Kirchenrätinnen Diana Hartz (links), Esther Hug und Kirchenschreiber Heinz Blättler.

Die verspätete Frühlingsversammlung fand unter speziellen Bedingungen statt. Präsident Wolfgang Gaede den Kirchenrätinnen Diana Hartz (links), Esther Hug und Kirchenschreiber Heinz Blättler.

Bild: Richard Greuter (14. September 2020)

Die seit längerem geplante Strukturreform der evangelisch-reformierten Kirche (ERK) Nidwalden nimmt Formen an. An der verspätet durchgeführten Frühlingsversammlung im ökumenischen Kirchgemeindehaus in Stansstad informierte Präsident Wolfgang Gaede in groben Zügen über die zu erwartenden Änderungen. Die ERK ist aufgegliedert in die drei Gemeindekreise Buochs, Hergiswil und Stans. Die Neuordnung sieht vor, dass die Gemeindekreisversammlung abgeschafft und die Kirchenpflege durch ein Gemeindekreis-Team ersetzt wird. Dieses besteht aus der Pfarrperson, Angestellten des jeweiligen Gemeindekreises und freiwilligen Helfern. Eine zentrale Bedeutung kommt der Pfarrperson zu. Dieser obliegt primär die Leitung des Gemeindekreis-Teams. Neu wird die Pfarrperson nicht mehr gewählt, sondern öffentlich-rechtlich angestellt.

Kompetenzen und Verantwortung neu besser geregelt

Auf kantonaler Ebene sieht die Verfassungsrevision die Reduktion der Kirchenräte von neun auf fünf Mitglieder vor. Neu soll sich der Kirchenrat nur noch auf strategische Aufgaben konzentrieren. Die operativen Tätigkeiten werden dem Kirchenschreiber und seinem Team übertragen. «Es ist immer schwerer, diese Aufgaben mit dem Berufsleben zu koordinieren», begründete Präsident Gaede.

Der Präsident der evangelisch-reformierten Kirche Nidwalden Wolfgang Gaede.

Der Präsident der evangelisch-reformierten Kirche Nidwalden Wolfgang Gaede.

Richard Greuter / NZ
(15. September 2020)

In einer kurzen Diskussion kamen Fragen zu Kompetenzen, Verantwortung und Aufgaben auf. Dies sei in der Vergangenheit zu wenig geregelt gewesen und neu besser, gab Geade zur Antwort. Zudem verwies er auf den Umstand, dass immer weniger Mitglieder bereit seien, sich für eine Amtsdauer wählen zu lassen. «Die Realität hat uns eingeholt», so sein Fazit. Die Gemeindekreise wurden im laufenden Monat informiert. Läuft alles nach Plan, gelangt die Totalrevision der Verfassung und der Kirchenordnung an der Frühlingsversammlung 2021 zur Abstimmung.

Höhere Steuereinnahmen sorgen für erfreuliches Resultat

Bei einem Gesamtaufwand von 2,47 Millionen Franken erzielte die von Max Marthaler geführte Kirchenrechnung 2019 einen Gewinn von 483'746 Franken; rund eine halbe Million besser als budgetiert und im Vergleich zum Vorjahr, als der Gewinn praktisch gleich ausfiel, eine Punktlandung.

Der Hauptgrund liegt in höheren Fiskaleinnahmen von 296'000 Franken. Anstelle von 2,36 Millionen flossen 2,66 Millionen Franken in die Kirchenkasse. Weitere 50'000 Franken stammen aus Rückstellungen aus dem Jahre 2011. Der Rest von 137'000 Franken sind Einsparungen.

Sanierungsarbeiten verschlingen viel Geld

Mittelfristig erwartet Präsident Wolfgang Gaede aufgrund der Coronakrise weniger rosige Zahlen: «Im Moment sieht es für das Jahr 2021 düster aus.» Zudem stehen einige Investitionen an. Die Sanierung des Kirchendaches und der Fenster der reformierten Kirche Buochs, im Umfang von 451'000 Franken, waren in diesem Sommer geplant, wurden aber auf Anfang des nächsten Jahres verschoben. In der Planung stehen Renovationen der Pfarrhäuser Buochs und Hergiswil. Auch da wird mit grösseren Beträgen gerechnet.

Änderungen gab es im Kirchenrat: Caroline Oetiker und Esther Hug, deren Legislatur ablief, liessen sich nicht mehr wählen. Präsident Wolfgang Gaede und Kirchenrat Reto Bazzani wurden in ihren Ämtern bestätigt. Die Kirchenversammlung wählte Kirchenrätin Diana Harz zur neuen Vizepräsidentin. Bestätigt wurden auch Daniel Christen und Sara Gyr von der Finanzkommission.

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