Die Nidwaldner Hahnenkamm-Siegerin

80 Jahre Hahnenkamm-Skirennen wurden im Januar gefeiert. 1959 gab es den bisher einzigen Nidwaldner Sieg.

Florian Pfister und Franz Hess
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Annemarie Hess-Waser mit dem Slalombecher der besten Slalomfahrerin ihrer Aktivzeit.

Annemarie Hess-Waser mit dem Slalombecher der besten Slalomfahrerin ihrer Aktivzeit.

Bild: Franz Hess

Bei besten Bedingungen wurden am Wochenende vom 24. Januar in Kitzbühel die 80. Hahnenkamm-Skirennen durchgeführt, mit einem zweiten Rang durch Beat Feuz im Abfahrtsrennen und einen Sieg im Slalom durch den Walliser Daniel Yule.

Durch Yules Erfolg konnte der erste Schweizer Herren-Slalomsieg seit 1968 bejubelt werden. Der Hergiswiler Reto Schmidiger holte sich mit einem tollen zweiten Slalomlauf einen herausragenden 9. Rang.

«Kitzbühel war schon damals speziell»

Was viele Skibegeisterte nicht wissen, ist, dass an den internationalen Hahnenkamm-Rennen bis ins Jahr 1961 auch Damen-Skirennen durchgeführt wurden. Die damals erfolgreiche Oberrickenbacher Skirennläuferin Annemarie Waser vom Schmidsboden weilte in den Jahren 1956 bis 1961 jeweils auch in Kitzbühel bei den traditionellen Rennen. An der zwanzigsten Austragung am 18. Januar 1959 erkämpfte sich die damals 19-jährige Nidwaldnerin den Sieg im Hahnenkamm-Slalom der Damen. Sie siegte damals vor den zwei Norwegerinnen Astrid Sandvik und Berit Stuve Nesje mit 1,5 und 2,5 Sekunden Vorsprung. Nach dem 6.Rang im Abfahrtslauf klassierte sie sich damals in der Kombinationswertung auf dem 2.Rang. «Kitzbühel war schon damals speziell. Es gab Tausende von Zuschauern, nicht wie an anderen Orten», erinnert sich die WM-Bronzegewinnerin. «Es war das A und O.»

Annemarie Hess-Waser fuhr damals noch ohne Helm und um Holzstecken beim Slalomlauf.

Annemarie Hess-Waser fuhr damals noch ohne Helm und um Holzstecken beim Slalomlauf.

Bild: PD

Annemarie Hess-Waser, wie sie heute heisst, ist der Skirennsport auch heute noch wichtig. «Die Rennen darf ich nicht verpassen.» Vor Ort fühle sie sich aber nicht mehr wohl und mag den Rummel nicht. «Auch wenn ich die Rennen von zu Hause aus schaue, bin ich nachher müder als diejenigen, die gefahren sind.»

Karriereende erfolgte mit jungen 20 Jahren

Im Vergleich zu früher sei nun alles anders geworden. Die Ausrüstung, die Sicherheitsvorkehrungen, die Pisten. Teils mussten die Fahrer selber bei der Pistenpräparation helfen. «Mit den Skiern von heute muss die Strecke eine Autobahn sein», sagt die fünffache FIS-Rennen-Siegerin.

Sie könnte sich in der heutigen Zeit keine Skikarriere mehr vorstellen. Sie brauche ihre Freiheit, heute sei alles vorgegeben. Mit 14 Jahren, nachdem sie Ida Schöpfer fahren sah, hatte Annemarie Waser sich das Ziel gesetzt, die beste Slalomfahrerin der Welt zu werden. Nicht an Titeln gemessen, sondern an Konstanz und der Fahrweise. Zwei Mal war sie aufgrund der Slalom-FIS-Jahresliste die Beste der Welt. Dieses Ziel erreicht zu haben, war einer der Gründe für das frühe Karriereende mit 20 Jahren. Ein neuer Trainer, der nicht am gleichen Strang zog wie sie, und der ganze Rummel waren weitere Gründe.

Die am 4. Februar 80 Jahre alt gewordene Annemarie Hess-Waser ist somit die einzige Nidwaldner Persönlichkeit, welche am traditionellen internationalen Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel je einen Sieg feiern konnte.