Die Nidwaldner Schützin Nina Christen hat ein siegreiches Jahr hinter sich

Nina Christen ist an der Weltspitze. Halt gibt der Wolfenschiesserin die Familie, wo aus der Schützin wieder der Mensch Nina wird, wie sie in unserer Neujahrsserie Rückblick/Ausblick erzählt. 

Matthias Piazza
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Sportschützin Nina Christen im Schiessstand Eichli.

Sportschützin Nina Christen im Schiessstand Eichli.

Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 28. November 2019)

«Ich habe noch nie ein Jahr mit so vielen Erfolgen, Eindrücken und Emotionen erlebt», blickt die Wolfenschiesser Sportschützin Nina Christen auf das zu Ende gehende 2019 zurück. Besonders hervor hebt sie die Goldmedaille an den Europa-Meisterschaften im September im italienischen Bologna und im Februar ihren ersten Weltcup-Sieg im indischen Neu-Delhi, welches mit grosser Wahrscheinlichkeit ihr Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 ist. Sie sei sehr zuversichtlich, dass sie der Schweizer Delegation angehören werde. «Ich bin an der Weltspitze angekommen, wo ich immer sein wollte. Dass ich dieses Ziel erreichte, gibt mir extrem viel Sicherheit», sagt die 24-Jährige dazu.

Die Erfolge mussten hart erarbeitet werden. Sie spricht von einem entbehrungsreichen Jahr. Fünf Monate war sie weltweit unterwegs an Wettkämpfen – manchmal auch sechs Wochen am Stück. Auch in der übrigen Zeit ist ihr Alltag schon seit Jahren ganz vom Schiesssport geprägt. Montags bis freitags trainiert sie zwischen drei und fünf Stunden im Schiessstand am nationalen Leistungszentrum in Magglingen, wo sie als Zeitmilitär-Spitzensportlerin zurzeit auch wohnt. In der übrigen Zeit stehen mentales Training, Kraft- oder Ausdauertraining auf dem vollen Stundenplan.

Sie wuchs im Schiessstand auf

«Das Spitzensportlerleben ist nicht einfach. Man muss gut planen, um alles unter einen Hut bringen zu können», meint Nina Christen. Pro Tag gönne sie sich aber bewusst eine unverplante halbe Stunde, in der sie spontan entscheide, worauf sie Lust habe. «Dabei liegt auch mal ein längerer Mittagsschlaf drin», macht sie ein Beispiel. Disziplin und Abschalten im Gleichgewicht zu halten, sei ein Drahtseilakt.

Der Schiesssport hat schon früh eine Rolle in ihrem Leben gespielt. «Ich wuchs praktisch im Schiessstand auf. Dorthin nahm mich mein Vater als begeisterter Schütze immer mit.» Sie absolvierte den Jungschützenkurs, seit 2011 nimmt sie an Wettkämpfen teil, in den Disziplinen Luftgewehr 10 Meter und Gewehr 50 Meter, gehört den Kleinkaliberschützen Büren-Oberdorf und den Luftgewehrschützen Nidwalden an. «Mir gefällt die täglich neue Herausforderung, die Arbeit an mir selber», beschreibt sie ihre Faszination für den Sport.

Schiessen sei nicht einfach stillhalten und abdrücken. «Um 60- oder 120-mal ins Schwarze zu treffen, muss ich das sechs Kilo schwere Gewehr stillhalten, auch den Wind berücksichtigen und je nachdem ganz leicht nach rechts oder links zielen, was nicht immer einfach ist, weil es für den Körper eine ungewohnte Haltung ist.» Schwierig könne auch die letzte Scheibe einer Serie sein. «Dann versucht man, es noch perfekter zu machen, und setzt sich so vielleicht unter zu grossen Druck.»

«An einem Misserfolg bin ich selber schuld»

Den Schiesssport betrachtet sie als Lebensschule. «Seit ich Spitzensport betreibe, lernte ich, noch mehr durchzubeissen. Aufgeben und vorzeitiges Aufhören gibt es für mich nicht. Es braucht Geduld und Durchhaltevermögen, weil Ziele nicht von heute auf morgen zu erreichen sind.»

Im Sport sei man selber sein grösster Gegner. «An einem Misserfolg bin ich schuld und niemand anders sonst», sagt Nina Christen. Damit habe sie gelernt umzugehen. «Nach einem Tag versuche ich, eine Niederlage sachlich zu analysieren und lege fest, an welchen Schwächen ich arbeiten will.»

Die Feiertage sind ihr heilig

Eine grosse Stütze ist ihre Familie in Wolfenschiessen, wo sie aufgewachsen ist. «Meine Eltern unterstützen mich immer, auch wenn es mal nicht so läuft. Für sie bin ich der Mensch Nina, nicht die Sportlerin Nina.» Umso mehr schätze sie die Feiertage, die sie gemeinsam mit ihrer Familie verbringe.

Bereits am 6. Januar wird aus dem Menschen Nina wieder die Sportlerin Nina. Mit dem Trainingsbeginn startet für sie ein weiteres Sportlerjahr mit Tokio als Highlight. Auch an den Olympischen Spielen 2024 in Paris will sie teilnehmen. Was nach dem Sportlerleben komme, stehe noch völlig in den Sternen. «Im Moment kann ich mir ein Leben ohne Schiesssport nicht vorstellen.»