Die Ob- und Nidwaldner Lehrabgänger machen dem RAV Sorgen

Das Coronavirus hat seine Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Gegenüber Mai 2019 hat sich die Arbeitslosenzahl in Nid- und Obwalden verdoppelt.

Matthias Piazza
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Die Coronakrise liess die Arbeitslosenzahlen auch in Nid- und Obwalden in die Höhe schnellen.

Die Coronakrise liess die Arbeitslosenzahlen auch in Nid- und Obwalden in die Höhe schnellen.



Bild: PD

315 Obwaldner und 400 Nidwaldner waren im vergangenen Monat arbeitslos. Mit 1,5 beziehungsweise 1,6 Prozent ist die Arbeitslosenquote in diesen Kantonen damit rund doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Dies geht aus der neusten Arbeitslosenstatistik hervor, welche das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag veröffentlicht hat. «Im Februar ging die Arbeitslosigkeit sprunghaft in die Höhe und verharrte dann auf diesem hohen Niveau», sagt auf Anfrage Tomas Jodar, Leiter des RAV Ob-/Nidwalden. Vor allem Leute, die im Stundenlohn angestellt gewesen seien, auf Abruf arbeiteten oder sonst kurze Kündigungsfristen hätten, seien als Erstes von Entlassungen betroffen gewesen. Dass die Restaurants während Wochen geschlossen blieben, die Bergbahnen nicht fuhren und der Tourismus praktisch zum Erliegen kam, macht sich in der Arbeitslosenstatistik besonders bemerkbar. «Angestellte aus der Tourismus- und Gastrobranche sind überdurchschnittlich stark von der Arbeitslosigkeit betroffen», weiss Tomas Jodar. Zu Entlassungen sei es auch in der Baubranche gekommen. «Auf vielen Baustellen wurde nicht gearbeitet, weil der geforderte Zwei-Meter-Abstand nicht hätte eingehalten werden können.» Auch bei zahlreichen klein- und mittelständischen Betrieben seien Kündigungen ausgesprochen worden, weil die Auftragsbücher dünner geworden seien.

Noch kein Licht am Ende des Tunnels

Genau um solche Entlassungen zu vermeiden, greifen die Kantone und der Bund mit verschiedenen Unterstützungsprogrammen unter die Arme. Auch haben in Nid- und Obwalden über 1800 Unternehmen von der Möglichkeit der Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Dabei arbeiten die Mitarbeiter reduziert, den ausfallenden Lohn übernimmt grösstenteils der Bund. Für Tomas Jodar seien diese Instrumente nicht völlig wirkungslos gewesen. «Aber viele Firmen sehen auch auf längere Zeit noch kein Licht am Ende des Tunnels, sie rechnen nicht mit einer schnellen Erholung der Wirtschaft und haben darum trotzdem Stellen abgebaut. Aber ohne Staatshilfen wären die Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt noch viel drastischer ausgefallen», ist er überzeugt.

Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit erwartet

Bevorzugt junge Leute waren von der Entlassungswelle betroffen. «Die Unternehmer sind zurückhaltender, Familienvätern zu kündigen.» Sorgenvoll blickt er darum auf den Sommer, wenn viele junge Leute ihre Lehre beenden und auf den Arbeitsmarkt drängen. Er rechnet darum mit einem Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit.

In der gegenwärtigen Lage sei die Stellenvermittlung äusserst schwierig. Um die Gesuche möglichst schnell zu bearbeiten und damit längere Wartezeiten für die Auszahlung zu verhindern, unterstützen bis Ende Juli zwei Mitarbeiter das zehnköpfige RAV-Team. Nun werden zwei zusätzliche definitive Stellen geschaffen. «Das Seco erwartet einen gesamtschweizerischen Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,4 auf 4,1 Prozent Ende Jahr. Damit wären wir in Ob- und Nidwalden bei 1,8 Prozent.» Jodar rechnet damit, dass die Arbeitslosenquote noch länger auf diesem hohen Niveau verharrt und spricht von einem noch nie da gewesenen Ereignis, das selbst mit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren nicht zu vergleichen sei. «Die damalige Krise kam zwar auch schnell, war aber ebenso schnell wieder vorüber – ganz im Gegensatz zur Coronakrise.»