Oberdorfer Lehrer bringt Pubertät auf die Bühne

Mit dem selbst geschriebenen Stück «d Abschlussreis» verabschiedet sich der langjährige Lehrer Sepp Püntener von der Schule. Er schöpft dabei aus einem reichen Erfahrungsschatz – aber auch für ihn ist die Premiere morgen Freitag ein Novum.

Simon Mathis
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Nadja Durrer (Schutzengel) und Aline Daucourt (Adèle) proben für das Stück «d Abschlussreis». (Bild: Matthias Piazza (Oberdorf, 3. April 2019))

Nadja Durrer (Schutzengel) und Aline Daucourt (Adèle) proben für das Stück «d Abschlussreis». (Bild: Matthias Piazza (Oberdorf, 3. April 2019))

«Ich muss euch etwas gestehen», sagt Adèle. Gespannt richten sich die Blicke ihrer Gspänli auf sie. «Ich sehe Engel», fährt Adèle fort. Und das ist tatsächlich wahr; zumindest im Theaterstück «d Abschlussreis», das morgen Freitag in der Aula der Schule Oberdorf Premiere feiert. Die Komödie mit ernsten Zwischentönen erzählt von pubertierenden Schülern, die sich auf ihre titelgebende Abschlussreise machen – typische Streitereien und Blödeleien inklusive.

Dabei geschehen alltägliche, aber auch wunderliche Dinge. Jeder Schüler hat einen Schutzengel, der ihnen heimlich mit Rat und Tat zur Seite steht. Nur die schüchterne Aussenseiterin Adèle kann ihren Engel nicht nur hören, sondern auch sehen. Das zieht bisweilen den Spott ihrer Klassenkameraden auf sie. Aber am Ende der Reise kommt es zu mehr als nur einem überraschenden Geständnis.

Ein Abschied auch für den Regisseur

ORS-Schüler der Schule Oberdorf proben für ihr Stück "d'Abschlussreis". Auf dem Bild Regisseur und Autor Sepp Püntener. Bild: Matthias Piazza (Oberdorf, 3. April 2019)

ORS-Schüler der Schule Oberdorf proben für ihr Stück "d'Abschlussreis". Auf dem Bild Regisseur und Autor Sepp Püntener. Bild: Matthias Piazza (Oberdorf, 3. April 2019)

Autor und Regisseur des Stückes ist der 64-jährige Lehrer Sepp Püntener aus Seelisberg, der dieses Jahr in Pension geht. «D Abschiedsreis» ist das bisher längste Stück, das er selbst verfasst hat. Er war auch schon in Seelisberg und Emmetten als Lehrer tätig, wo er sich ebenfalls fürs Theater einsetzte. In Oberdorf wirkt er seit elf Jahren. «Dieses Theater ist eine Art Abschiedsgeschenk», sagt Püntener.

«Ich wollte schon seit Langem ein Stück für Schüler schreiben, das den Alltag der jungen Menschen aufgreift.»

Über vierzig Jahre lang war Püntener Lehrer. «Da bekommt man ein Gespür dafür, wie die Jugendlichen ticken», erzählt er. «95 Prozent der Szenen habe ich so ähnlich selbst erlebt.» Dennoch sei Handlung karikaturistisch überspitzt.

Spielen die Schüler sich selbst? Das verneint Püntener, verrät aber, dass er beim Schreiben durchaus an einzelne Schüler gedacht habe. «Ich hatte eine Vorstellung davon, wer welche Rolle besonders gut spielen könnte», sagt Püntener und schmunzelt.

Dass sich Rolle und Schüler nicht ganz decken, zeigt Aline Daucourt (14). Sie spielt Adèle: «Meine Figur ist zurückhaltend und wirkt leicht verwirrt und verrückt», berichtet sie. «Also das pure Gegenteil von dir!», sagt Nadja Durrer (14), die Adèles Schutzengel mimt. Die beiden haben sich intensiv auf ihre Sprechrollen vorbereitet, zehn Halbtage lang übten sie bereits. In den Tagen vor der Premiere laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die ganze Woche ist fürs Proben verplant, die Oberstufe wirkt von A bis Z mit – vor und hinter der Bühne. 90 ORS-Schüler und zwölf Lehrer beteiligen sich am Projekt; basteln, nähen, tanzen, singen und musizieren gehört dazu. Das Bühnenbild und die Kleider sind selbst gemacht, zum Teil sogar die Musik.

«Das Stück ist bald erwachsen»

Eine Besonderheit von «d Abschlussreis» ist, dass es sehr viele Jungschauspieler auf der Bühne hat, nämlich um die 30. «Wir haben allen, die auf die Bühne wollten, eine Rolle gegeben», sagt Regisseur Püntener, der zurzeit fleissig mit den Schülern übt. «Das Stück ist selbst noch in der Pubertät», so Püntener. «Aber ich spüre, dass es bald erwachsen ist.» Genau wie die Schüler, möchte man hinzufügen.

Das Stück hat denn auch pädagogische Züge: Die Schutzengel helfen ihren Sprösslingen auf den richtigen Weg. Ob sich Sepp Püntener nach der Pension weiter mit dem Theater beschäftigt, ist noch offen. Aber: «Sag niemals nie», meint der Seelisberger.

Premiere Freitag, 5. April, um 19 Uhr in der Aula des Schulhauses Oberdorf. Weitere Aufführungen am 6. April um 19 Uhr sowie am 7. April um 15 Uhr. Eintritt frei, Türkollekte.