Die Rückkehr des legendären «Pelican» auf den Flugplatz Buochs

Nach fast drei Jahren Bauzeit hob 1944 der SB-2 «Pelican» mit dem bekannten Swissair-Flugkapitän Ernst Nyffenegger am Steuer zum ersten Mal vom Flugplatzes Buochs ab. 75 Jahre später kam der «Pelican» nun zurück - als Grossmodell.

Kuno Gross
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Modellbauer Markus Frey nach der Landung mit seinem «Pelican» auf dem Flugplatz Buochs. (Bild: PD/Kuno Gross, Buochs, 30. Mai 2019)

Modellbauer Markus Frey nach der Landung mit seinem «Pelican» auf dem Flugplatz Buochs. (Bild: PD/Kuno Gross, Buochs, 30. Mai 2019) 

Der Erstflug dieses bemerkenswerten Flugzeuges mit einem von Markus Frey gebauten Grossmodell im Massstab 1:2,8 wurde genau 75 Jahre später, am 30. Mai 2019, wiederholt. Der Tag war optimal, denn wegen der gleichzeitig stattfindenden Gewerbeausstellung «Iheimisch» war der Flugplatz geschlossen, und somit frei für das Modellflugzeug, das mit Genehmigung und unter Aufsicht der Flugplatzleitung geflogen wurde.

Nachdem das zerlegt in einem Anhänger transportierte Flugzeuge zusammengebaut war, rollte es zum westlichen Ende des Flugplatzes. Nach einem kurzen Warmlaufen liess Markus Frey den Sternmotor aufheulen und der «Pelican» hob nach kurzer Startstrecke ab. Während des in mehreren Schlaufen geflogenen Fluges wurde auch die eindrückliche Langsamflug-Eigenschaft des Flugzeuges demonstriert, bevor nach knapp zehn Minuten wieder gelandet wurde.

Das Grossmodell des «Pelican» im Massstab 1:2,8 beim Landeanflug auf dem Flugplatz Buochs. (Bild: PD/Kuno Gross, Buochs, 30. Mai 2019)

Das Grossmodell des «Pelican» im Massstab 1:2,8 beim Landeanflug auf dem Flugplatz Buochs. (Bild: PD/Kuno Gross, Buochs, 30. Mai 2019)

Der Zweite Weltkrieg verzögerte die Entwicklung

Das «Schweizer Bergflugzeug Typ SB-2» wurde ursprünglich an der ETH Zürich vom «Studienbüro für Spezialflugzeuge» unter der Leitung von Hans Belart entwickelt. Es war als Zubringerflugzeug aus den engen Bergtälern gedacht. Das bald «Pelican» genannte Flugzeug war das erste in der Schweiz geplante und gebaute Flugzeug, das ein Bugradfahrwerk aufwies und war mit einem charakteristischen, nach vorne gepfeilten Tragflügel versehen, der ihm zu sehr guten Kurzstart- und Landeeigenschaften verhalf.

Rückstände in der Entwicklung und vor allem auch die kriegsbedingten Schwierigkeiten, wie die häufige militärische Abwesenheit der massgeblich am Flugzeug beteiligten Personen, verzögerten das Projekt mehrfach. Nach ausgiebigen Tests und einer Verbesserung des augenfälligen Doppelleitwerks konnten die Ingenieure Ende 1944 stolz feststellen, dass die Maschine die berechneten Flugleistungen voll erfüllte, und den Erwartungen gerecht wurde.

Es kam nie zur Serienproduktion

Nach der Flugerprobung kam der «Pelican» zur Alpar AG auf dem Flugplatz Bern-Belp, und wurde dort vor allem an Flugtagen und für Taxiflüge eingesetzt.

Der geplante Bau einer Kleinserie kam nie zustande, denn nach dem Zweiten Weltkriegs war der Markt nicht nur mit billigen überzähligen Militärflugzeugen «überflutet», «Pilatus» war zudem mit dem seit 1943 angelaufenen Projekt des Militärtrainers P-2 für die Schweizer Luftwaffe voll ausgelastet. Der «Pelican» blieb ein Einzelstück, dem nur ein sehr kurzes Leben beschieden war: Am 13. Juni 1948 überschlug sich das Flugzeug bei einem missglückten Landeversuch während eines Flugtages bei Kirchberg und wurde anschliessend aufgrund der schweren Beschädigung verschrottet.  

Der «Pelican» zeigt über dem Flugplatz Buochs, was er kann. (Bild: PD/Kuno Gross, Buochs, 30. Mai 2019)

Der «Pelican» zeigt über dem Flugplatz Buochs, was er kann. (Bild: PD/Kuno Gross, Buochs, 30. Mai 2019)

Das als «semi scale» gebaute Grossmodell sowie ein parallel dazu publiziertes 250-seitiges Buch zum «Pelican» tragen nun dazu bei, dass dieser Meilenstein der Schweizer Flugzeugindustrie wieder der Vergessenheit entrissen wird.

Das Buch ist bei Orell Füssli für CHF 49.90 oder bei Amazon für 35 Euro erhältlich.