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«Die schwarze Spinne» in Ennetmoos hat Besuchermangel

Die Hälfte der Plätze des Freilichttheaters bleiben im Schnitt leer. Grund ist unter anderem das temperamentvolle Wetter. Ein Teil des Publikums reagiert zudem skeptisch auf die moderne Interpretation von Gotthelfs Klassiker.
Franziska Herger
Die ausgefallenen Kostüme im Stück «Die schwarze Spinne» sind ein echter Blickfang. (Bild: Manuela Jans, Ennetmoos, 22. Mai 2019)

Die ausgefallenen Kostüme im Stück «Die schwarze Spinne» sind ein echter Blickfang. (Bild: Manuela Jans, Ennetmoos, 22. Mai 2019)

Ende Monat lässt der Teufel auf dem Allweg schon zum letzten Mal schwarze Spinnen auf die Bauern los. Mehr als die Hälfte der Aufführungen des Freilichttheaters sind gespielt, Zeit also für eine Zwischenbilanz. Sie fällt durchzogen aus: «Wir haben bisher rund 3000 Billette verkauft», sagt Co-Produktionsleiterin Anna Balbi auf Anfrage. «Das bedeutet eine Auslastung von etwa 50 Prozent.»

Das reiche nicht, um das Budget von knapp einer halben Million Franken herauszuschlagen, ergänzt Co-Produktionsleiterin Jana Avanzini. «Schon im Vorverkaufsmonat war es kalt und nass, das hat die Leute nicht zum Buchen animiert. Und auch seither hat uns das Wetter einen rechten Strich durch die Rechnung gemacht.» (siehe Kasten unten)

Gesellschaftlich relevant statt «fröhliches Theäterchen»

Dazu kommt, wie Regisseurin Ursula Hildebrand sagt: «Für eher ans Traditionelle gewohntes Theaterpublikum- und das will ich ja nicht wertend verstanden haben – kann das Stück sicher eine Herausforderung sein.» Ähnlich formuliert es Peter Scheuber, alt Gemeindepräsident von Ennetmoos: «Es ist schon ein spezielles Theater, auch mit der moderneren Bekleidung der Schauspieler. Es ist nicht ganz zu vergleichen mit den Volkstheatern, die man sonst hier kennt.» Peter Scheuber sitzt im Beirat des Freilichttheaters, dessen Aufgabe es ist, über das breite Netzwerk seiner Mitglieder das Theater bekannt zu machen. Zurück fliessen die Meinungen der Leute über «Die schwarze Spinne». «Man hört ganz Verschiedenes», berichtet Scheuber. «Die einen finden es super, andere finden es etwas modern.»

In Christoph Fellmanns Fassung von Jeremias Gotthelfs Klassiker findet ländliche Idylle wenig Platz. Schon bevor die schwarzen Spinnen auftauchen, kämpfen die Bauern ums Überleben, mit mangelnden Perspektiven und gesellschaftlichem Wandel. Dass das Stück zu reden gebe, sei doch positiv, findet Regisseurin Ursula Hildebrand. «Es geht um die aktuelle, schwierige Situation des Bauernstandes. Das lässt sich nicht in einem fröhlichen Theäterchen abbilden. Und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen ist nicht Wellness, sondern im besten Falle eben genau das – eine Auseinandersetzung.»

Ein kleiner Teil des Publikums sei jedoch stark in der Tradition der ländlichen Theatergesellschaften verankert und reagiere mit Skepsis, so Hildebrand. Das bedeute aber nicht, dass man das Publikum überfordere, betont die Regisseurin. «Es wäre eine Riesen-Bevormundung, so zu denken. Wir haben auch traditionell orientiertes Publikum, das nach der Vorstellung begeistert ist.»

Hoffnung auf die schwarze Null

Tatsächlich komme das Stück über das theateraffine Publikum hinaus an, vor allem auch bei Leuten aus der Landwirtschaft, sagt Jana Avanzini. Peter Scheuber, selber Landwirt, findet, die Realität des Bauernalltags werde gut wiedergegeben. «Das Wettern über die Milchpreise, das ist im echten Leben genauso.» Auch bei den Anwohnern am Allweg stosse das Theater auf Akzeptanz. «Ich habe gar nichts Negatives gehört.»

Jana Avanzini hofft, dass die 300 Plätze im Freilichttheater für den Rest der Laufzeit noch gut besetzt sein werden. «Schon in den letzten Vorstellungen hat es wieder angezogen. Ich hoffe, dass wir am Ende dann eine schwarze Null schreiben können. Aber sicher ist das nicht.» Für potenzielle ausserkantonale Zuschauer betont sie, dass ab dem Bahnhof Stans regelmässig Shuttles zum Theaterplatz fahren. «So kann man von Luzern in rund einer halben Stunde auf dem Allweg sein.»

Regisseurin Ursula Hildebrand plädiert für die Neugier: «Das Publikum soll sich überraschen lassen und nicht gleich beim ersten aussergewöhnlichen Kostüm abschalten.» Auch ganz abgesehen vom aktuellen Thema spreche viel für das Freilichttheater: «Es ist an einem unglaublich schönen Ort, mit einem fantastischen Ensemble. Ich hoffe, die Leute kommen und machen sich selber ein Bild.»

Die schwarze Spinne läuft noch bis 29. Juni. Infos unter www.schwarzespinne.ch. Auf der Website gibt es für die Vorstellungen von 19. bis 22. Juni via Promocode «fronleichnam» Tickets für 44 statt 52 Franken.

Sturm glimpflich überstanden

(fhe) Das Freilichttheater hatte seit der Premiere am 24. Mai schon einige Male mit stürmischem Wetter zu kämpfen. Die Vorstellung vom 5. Juni musste gar komplett abgesagt werden, da es auch am Verschiebedatum vom 10. Juni stark regnete. Zudem habe es am vergangenen Samstag so sehr gestürmt, «dass beim Technikerhäuschen ein Teil des Daches ­abgedeckt wurde», erzählt Co-Produktionsleiterin Jana Avanzini. «Es hat reingeregnet. Am Anfang dachten wir, der Schaden sei enorm.» Nach einigen Wiederaufbauarbeiten stellte sich jedoch heraus, dass man glimpflich davongekommen sei. «Die Gerätschaften sind zum Glück robust und trockneten gut.»

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