Die Stanser Organistin Judith Gander-Brem ist an Weihnachten eine gefragte Frau

Der Advent ist für die Hauptorganistin an der Pfarrkirche Stans eine intensive Zeit.

Marion Wannemacher
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Judith Gander-Brem ist an der Orgel in der Pfarrkirche St. Peter und Paul ganz in ihrem Element.

Judith Gander-Brem ist an der Orgel in der Pfarrkirche St. Peter und Paul ganz in ihrem Element.

Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 12. Dezember 2019)

«Zurzeit lösen wir uns bald im Stundentakt ab, meine Kollegen und ich», sagt Judith Gander-Brem, legt ihre Jacke ab und zieht die Orgelschuhe mit der glatten Ledersohle an. Rorate, Orgelvesper, Bussfeiern, verschiedene Gottesdienste für Kinder und Erwachsene in Büren und Stans und die beiden Christmetten, zudem die unplanbaren Beerdigungen: Die Advents- und Weihnachtszeit hat es in sich für die Hauptorganistin der Pfarrkirche Stans. Während alle anderen mehr freie Tage haben, weil der Heilige Abend auf einen Dienstag fällt, bedeuten die Feiertage in diesem Jahr für die 53-Jährige mehr Arbeit als sonst.

Die musikalische Ausgestaltung sei im Advent und an Weihnachten besonders vielfältig, erklärt die Organistin. Gern beziehe sie neben professionellen Solisten auch Kinder und Jugendliche beim Musizieren mit ein. Trotzdem hat Judith Gander keinen Grund zu klagen. «Mein Hobby ist mein Beruf», sagt sie mit Überzeugung.

Weihnachtsmusik schon im Sommer organisiert

Seit 20 Jahren ist die gebürtige Zürcherin nun schon in Stans Organistin. Die ausgebildete Primarlehrerin arbeitete in verschiedenen Stellen, bis sie sich entschied, Kirchenmusik zu studieren. Heute arbeitet sie in der Pfarrei Stans/Büren im Viererteam. «Einiges, was zur Zeit zu hören ist, wurde schon im Sommer organisiert. Jetzt kommt der Moment zum Geniessen. Für mich ist es eine schöne Zeit. Ich habe mit vielen Menschen zu tun», betont sie. Als Organistin sitze sie ja sonst meistens allein oben an der Mathis-Orgel.

Wer Judith Gander an ihrer Orgel erlebt, merkt schnell, dass sie in ihrem Element ist. Viel lieber redet sie über das komplexe Instrument als über sich selbst. «Das Wunderbare ist die Vielseitigkeit. Die Orgel hat mich schon als Kind fasziniert», erklärt sie. «Ich bin mein eigenes Orchester. Ich kann ein Solo spielen und mich selbst begleiten. Mit den Füssen spiele ich den Bass, mit der linken Hand zum Beispiel die Streicher-Begleitung.» Begeistert führt sie einige der 43 Register vor, etwa die Oboe und die Flöte. «Das Krummhorn hat Charakter, das gefällt mir», sagt sie mit Augenzwinkern. Der Ton fährt in die Glieder - vielleicht, um eingeschlafene Kirchenbesucher wachzurütteln?

Judith Ganders Faszination ist ansteckend. «Das ist ein Universum», schwärmt sie und erklärt, dass die Mathis-Orgel eigentlich aus vier Einzelwerken besteht. Über drei Tastaturen und die Fusspedale werden die Orgelpfeifen bespielt: das Hauptwerk mit der mittleren Tastatur, das Rückpositiv mit der unteren Tastatur, und das Schwellwerk. Jeweils ein Register ist einer Pfeifenreihe zugeordnet. Insgesamt hat die Mathisorgel über 3083 Pfeifen. Die Organistin demonstriert ihren Klang. Die Töne schweben durch die Pfarrkirche. «Die Akustik hier macht viel aus», hält sie fest und erläutert, dass selbst die beste Orgel nur wirken könne, wenn diese tatsächlich stimme.

Die Auswahl der Kirchenlieder wird meist durch die Liturgievorsteher bestimmt, aber bei der Auswahl der Orgelmusik ist Gander-Brem frei. «Es gibt so viele tolle Stücke», freut sie sich. «Allein die Kompositionen von Johann Sebastian Bach würden für ein ganzes Leben reichen.» Ihre persönlichen Vorlieben liegen in der Renaissance, im Barock und in der Romantik.

Plötzlich läuteten die Kirchenglocken

Manchmal hält auch weltliche Musik Einzug in die Pfarrkirche St. Peter und Paul. An Beerdigungen wünschten sich die Angehörigen häufiger Volkstümliches wie Jodelmusik, meint die Organistin. Für einen verstorbenen Velofahrer habe sie einmal auf Wunsch der Hinterbliebenen «Bicycle Race» von Queen gespielt und sich extra für den Schluss des Songs ein paar Fahrradglocken ausgeliehen.

Um die Möglichkeiten einer Orgel in ihrer Bandbreite einzusetzen, heisst es proben. Gander fühlt sich in «ihrer» Kirche mit den drei Orgeln wie zu Hause und übt gerne abends. Angst hat sie dabei nie. Im Dunkeln habe sie aber einmal aus Versehen den Lichtschalter mit dem der Kirchenglocken verwechselt. «Der Pfarrer und der Chorleiter waren dann ganz schnell zur Stelle», erinnert sich die Organistin noch gut.