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Serie

Die Brändlenbahn transportiert fast alles

Die Luftseilbahn Brändlen wurde vor knapp 40 Jahren von Familie Schmitter gebaut. Sie dient noch heute den Bauernfamilien, Gleitschirmfliegern, Wanderern und Schulkindern. Der Besitzer Ueli Schmitter schaut täglich, dass die Bahn reibungslos läuft.
Ruedi Wechsler
Ueli Schmitter schickt mit seiner Bahn den Abfallkübel ins Tal. (Bilder: Ruedi Wechsler (Wolfenschiessen, 13. Juli 2018))

Ueli Schmitter schickt mit seiner Bahn den Abfallkübel ins Tal. (Bilder: Ruedi Wechsler (Wolfenschiessen, 13. Juli 2018))

Mitten im Dorf Wolfenschiessen ist die Tafel mit der Aufschrift Brändlen bei der Abzweigung Richtung Oberrickenbach nicht zu übersehen. Schon nach der nächsten Kurve findet man die Talstation der Brändlenbahn. 40 Parkplätze stehen den Besuchern zur Verfügung. Zum ersten Mal darf ich als Autor eine Seilbahn selber bedienen und nach einem Knopfdruck startet das Bähnli hoch zur Brändlen. Der Blick über das Engelbergertal lässt das Herz höher schlagen und nach wenigen Minuten empfängt mich Ueli Schmitter, der Besitzer dieser Bahn, auf seinem Bauernhof neben der Bergstation. Der Meisterlandwirt hat früher in verschiedenen Seilbahnbetrieben gearbeitet. Man spürt seine Leidenschaft und Liebe zu den Seilbahnen sofort.

Ueli Schmitter ist Präsident des Seilbahnverbands Nidwalden und erzählt: «Die Seilbahnen sind meine Welt und Erfüllung zugleich. Ich möchte möglichst alle Bahnen erhalten und mich für sie einsetzen. Die Hersteller haben hervorragende Bahnen konstruiert und perfektes Material angefertigt.» Die Menschheit sei leider eine Wegwerfgesellschaft geworden. Plötzlich seien auch die Bahnen nicht mehr gut genug. Alte Autos würden ins Ausland abgeschoben und wenig später fahren die Leute wieder mit neuen Wagen durch die Gegend. Die Einstellung und das Denken der Menschen wirken auf Ueli Schmitter befremdend.

Neue Bahn ersetzt den langen Fussmarsch

Vor 38 Jahren setzte mit der Bahn hoch zur Brändlen ein neues Zeitalter ein. Damit verbunden war auch eine verbesserte Lebensqualität. Der Fussmarsch ins Dorf Wolfenschiessen dauerte früher gut eine Stunde. Heute können die Kinder selbständig die Bahn bedienen. Ueli Schmitter hat beim Neubau bei sämtlichen Arbeiten mitgewirkt. Er kennt jede Schraube, jedes Fundament, jede Rolle und jeden Masten.

Der 54-jährige Landwirt will der kommenden Generation ein intaktes wertvolles Gut übergeben. Mit einer seriösen Wartung könne viel Geld eingespart werden, so Ueli Schmitter: «Wenn ich 30 Jahre nichts mache, entsteht eine grosse Abnützung. Konsumiere ich ein Bier weniger, kann ich mir für 7.50 Franken neue Kugellagerrollen leisten.»

Für einen reibungslosen Ablauf sorgt die Steuerung der Brändlenbahn in der Bergstation.

Für einen reibungslosen Ablauf sorgt die Steuerung der Brändlenbahn in der Bergstation.

Die Bahn wird zu 30 Prozent als Eigenbedarf und zu 70 Prozent für den Tourismus genutzt. Die Nutzlast beträgt 400 Kilogramm, obschon sie damals für eine Tonne konstruiert wurde. Wenn die Kabine demontiert wird, erhöht sich die Nutzlast auf 700 Kilogramm. Die Brändlenbahn steht dem Material-, Maschinen- und Tiertransport zur Verfügung. Die Brändlen – den Namen erhielt die Liegenschaft von Brandrodungen vor gut 300 Jahren – ist Ausgangspunkt für Wanderungen Richtung Ober- und Niederrickenbach, Bannalp, Haldigrat und Brisen.

Selbsbedienung löste Euphorie aus

Ueli Schmitter erzählt von zwei Schreckmomenten in seiner Bähnlikarriere: «Ein Blitzschlag in einen Stacheldraht gelang via Stützsockel über die Technik in den Maschinenraum und legte die Bahn für zwei Wochen lahm.» Ein ebenfalls unvergessliches Erlebnis überraschte seine siebenköpfige Familie. Ueli Schmitter erinnert sich noch ganz genau: «Bei minus zehn Grad blieben wir mit der ganzen Familie im Bähnli stecken. Ein überraschender Sturm schaltete eine Sicherung aus und wir übernachteten unbeschadet mit unseren fünf Kindern in luftiger Höhe.» Auch die folgende Erinnerung bringt ihn zum Lachen: «Ein asiatisches Brautpaar hat sich vor Jahren auf die Brändlen verirrt und dort die Eisgrotte vom Titlis gesucht.»

Auf der Talfahrt nach Wolfenschiessen kommt die zweite Gondel der Brändlenbahn entgegen.

Auf der Talfahrt nach Wolfenschiessen kommt die zweite Gondel der Brändlenbahn entgegen.

Für die Bahn investiert Ueli Schmitter pro Tag eine Stunde und damit pro Monat ein bis zwei Tage. Diesen Aufwand macht er sich freiwillig: «Ich hasse es, wenn die Rollen, Lager oder die Bahn selber Geräusche erzeugen». Pro Jahr kostet die Brändlenbahn Ueli Schmitter rund 15000 Franken – exklusive Eigenleistung. Der Neubau belief sich vor knapp 40 Jahren auf zirka 900000 Franken. Bis heute sind es wohl insgesamt 1,5 Millionen Franken.

Für Ueli Schmitter ist die Brändlenbahn eine zuverlässige und sichere Erschliessung. Zum Schluss meint er: «Müsste ich diesen Weg via Strasse bewältigen, wäre ich bei Schnee und Eis bestimmt mehrmals in Schwierigkeiten gekommen. Die Bahn begleitet uns schon viele Jahre sicher ins Tal und wieder zurück.» Auch sein Vater, Urban Schmitter, hilft tatkräftig mit. Er ist Maschinist mit Leib und Seele.

Gut zu wissen

Talstation: 540 m.ü.M
Bergstation: 1183 m.ü.M
Länge: 1050 Meter
Höhendifferenz: 643 Meter
Maximale Steigung: 107 Prozent
System: Zweispurige Pendelbahn mit umlaufendem Zugseil
Hersteller: NSD Dallenwil/von Rotz-Wiedemar AG Kerns
Besitzer: Familie Ueli und Isabella Schmitter, Telefon 041 628 28 21 oder 079 767 37 06

Mehr Infos finden Sie hier.

In unserer Sommerserie «Die kleine Bahn» stellen wir eine Auswahl der zahlreichen kleinen Seilbahnen in Nidwalden vor. Alle bisher erschienen Beiträge finden Sie hier.

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