Diese junge Frau zeigt den Burschen, wie der Töff läuft

Die Hergiswilerin Andrea Ambühl (26) ist Motorrad-Mechanikerin. Sie erzählt, warum nicht viele Frauen diesem Beruf ausüben – und worauf zu achten ist, wenn man im Frühling die erste Fahrt unternimmt.

Interview: Roger Rüegger, Bilder: Eveline Beerkircher
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Töffmechanikerin Andrea Ambühl in der Werkstatt.

Töffmechanikerin Andrea Ambühl in der Werkstatt.

Zum Saisonstart wollte ich, dass uns eine Mechanikerin zeigt, wie der Töff läuft. Sie sind die einzige, von der ich weiss. Ist der Beruf für Frauen tatsächlich unattraktiv?

Andrea Ambühl: In der Berufsschule war ich die einzige Frau. Töffmech ist ein Handwerk, bei dem zum Teil ziemlich schwere körperliche Arbeit gefragt ist.

Maler gehen auch hart an die Sache. Arbeiten in diesem Beruf nicht fast so viele Frauen wie Männer?

Sicher. Doch um mit einem schweren Motorrad umzugehen oder Reifen auf eine Felge zu ziehen, braucht man «Pfus» und auch das Flair. Ich zerlegte schon als Kind auf unserem Hof in Hergiswil Töffli und andere Maschinen und versuchte, diese wieder zusammen zu schrauben.

Haben Sie gerade zugegeben, den Buben im Dorf die Töffli frisiert zu haben?

Nein, daran hätte mein Vater keine Freude gehabt.

Gekonnt hätten Sie es, wenn man Sie gelassen hätte?

Ausprobiert habe ich einiges, nicht nur an Motoren. Schweissen lernte ich, wie auch den Umgang mit Holzbearbeitungsmaschinen. Aber Töfflis waren schon wichtig. Die musste ich fahren, weil wir abgelegen wohnen. Es musste ein 50-erli sein mit Schaltung. Roller mit Automatikgetriebe fand ich peinlich.

Ihr Berufsziel war demnach schon früh bestimmt?

Ich schnupperte in einem Betrieb und merkte, dass dies der richtige Job für mich ist. In Wolhusen machte ich die Lehre als Kleinmotorradmechanikerin, in Buttisholz absolvierte ich weitere zwei Jahre als Töffmech. Autos sagten mir nie zu. Eher noch Landschaftsgärtnerin.

Die sind Töffmech bei Wullschleger in Zofingen. Jeder Tag beginnt und endet für Sie mit einer Töfftour. Haben Sie am Abend nicht die Nase voll von Zweirädern?

Das nicht, aber ich fahre nicht jede freie Minute. Es gibt noch andere Hobbys wie Fussball. Und ich schraube zu Hause an einem Oldtimer, einer Suzuki DR 125 Jahrgang 1983.

Sie lieben Ihren Job wirklich. Was ist gegen Ende des Winters Ihre Haupttätigkeit?

Frühlings-Check. Wir prüfen Bereifung, Flüssigkeiten und Batterie. Die Leute kommen langsam auf den Geschmack, wobei in diesem milden Winter viele ihre Töffs nicht eingestellt haben. Deshalb habe ich Zeit eine alte Honda 350 zu restaurieren.

Nun sind Sie eine Exotin als Mechanikerin. Merken Sie dies, indem Kunden ihre Maschine explizit nur von Ihnen reparieren lassen wollen, oder eben erst recht nicht?

Tatsächlich lässt eine Kundin ihre Oldtimer nur von mir restaurieren. Aber es gibt niemanden, der dagegen ist, dass eine Frau seinen Töff repariert. Bei uns sowieso nicht, wir sind zwei Mechanikerinnen.

Ticken denn Töfffahrerinnen anders als Töfffahrer?

So wie ich unsere Kundschaft erlebe, kann man die nicht in Klassen einordnen. Vielleicht lassen Frauen ihre Motorräder eher von Fachleuten kontrollieren, bevor sie auf die Strasse gehen. Das mag damit zu tun haben, dass viele unsicher sind, weil sie weniger technisches Wissen haben. Oder weil sie eher zugeben, dass sie nichts von Technik verstehen.

Versteht was von Technik: Andrea Ambühl.

Versteht was von Technik: Andrea Ambühl.

Welche Sünden begehen Motorradfahrer Ihrer Meinung nach am häufigsten, wenn sie die Bikes aus dem Winterschlaf holen?

Es gibt solche, die sich im Frühling einfach auf die Maschine setzen und losfahren, egal ob die Pneus noch Profil aufweisen oder Bremsflüssigkeit und Ölstand kontrolliert wurde. Andere wollen ihren Töff genau checken lassen. Die Klassiker sind Ketten, die nicht gefettet sind und Reifen mit zu wenig Druck.

Was raten Sie jemandem, der von Technik nichts versteht?

Die Motorräder kann man bei vielen Werkstätten und Händlern einwintern lassen.

Wie der Gärtner, der Pflanzen von Kunden einwintert?

Das kann man vergleichen.

Noch ein Thema, das für Zündstoff sorgt. Ab 2021 dürfen 125-er ab dem 16. Altersjahr gefahren werden. Wie reagieren die Biker darauf – und bahnt sich ein Trend an?

Als dies beschlossen wurde, war es bei Kunden ein Thema. Derzeit wird kaum diskutiert. Trends in dieser Richtung gibts noch nicht. Was sich seit Jahren gut verkauft, sind Vespas, die gibt es auch als 125-er. Und einige E-Scooters kommen auf den Markt. Beliebt sind auch alte Töfflis. Viele Leute wollen genau ein solches, das sie als Teenager hatten. Mein Chef hat einige restauriert und ausgestellt. Aber weil die für ihn so wertvoll sind, verkauft er sie nicht.