Diese Nidwaldnerin bereist mit ihrem Mann Australien: «Uns war schnell klar, dass dies nicht nur ein Ferienflirt war»

Beinahe fluchtartig verliessen Martina und Cahil Parkes Nidwalden, um noch vor dem totalen Shutdown nach Australien fliegen zu können.

Florian Pfister
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Sie haben ihren Traum verwirklicht. Martina und Cahil Parkes bereisen Australien und teilen ihre Erlebnisse online.

Sie haben ihren Traum verwirklicht. Martina und Cahil Parkes bereisen Australien und teilen ihre Erlebnisse online.

Bild: PD

Der 6. April hätte der Tag sein sollen, an dem Martina und Cahil Parkes für unbestimmte Zeit nach Australien fliegen. Dieser Plan wurde durchkreuzt. «Wir kündigten unsere Arbeitsstellen auf Ende März und hätten dann noch eine Woche Zeit gehabt, uns auf die Abreise vorzubereiten und uns zu verabschieden», erzählt Martina Parkes. Wegen des Coronavirus buchte das Ehepaar den Flug elf Tage früher. «Die Situation liess mir aber keine Ruhe. Jede Minute hätten die Flughäfen zumachen können.»

Kurz nach der Erklärung der ausserordentlichen Lage in der Schweiz entschieden die Eheleute an einem Vormittag, tags darauf zu fliegen. «Unsere Arbeitgeber waren zum Glück flexibel und erlaubten uns die fluchtartige Abreise. Es war wohl der stressvollste Tag meines Lebens», erinnert sich Martina. Am 19. März startete der Flug nach Abu Dhabi um 10 Uhr, von dort aus ging's nach Brisbane. Martina und Cahil Parkes landeten drei Stunden vor der Grenzschliessung in Australien.

Im Ausgang den Mann ihres Lebens kennen gelernt

Angefangen hatte alles in Down Under. Martina Parkes war zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Melanie und ihrer besten Freundin Livia auf einer Weltreise unterwegs. Der letzte Stopp war im Dezember 2016 Australien. Ganz spontan gingen sie in den Ausgang. Und dann sah Martina ihn. Cahil, wie er sie anlächelte. Ehe die Weltreise im australischen Outback und in der Stadt Perth ihr Ende nahm, sahen sich die 26-Jährige und der Australier während drei Tagen. «Am Anfang war es schwierig, uns zu verständigen. Mir fehlte der Wortschatz und wir haben teilweise mit Händen und Füssen kommuniziert. Aber man lernt eine Sprache am besten, wenn man ins kalte Wasser geworfen wird», erzählt die Buochserin.

«Der Kontakt brach nie ab. Wir schrieben und telefonierten täglich miteinander», erzählt Martina Parkes. So kam Cahil im darauffolgenden April für einen Monat in die Schweiz. «Es war speziell für ihn. Ich habe noch bei den Eltern in Buochs gewohnt, und wir hatten uns zuvor nur drei Tage gesehen. Doch nach nur wenigen Tagen war uns bereits klar, dass dies nicht nur ein Ferienflirt war», erzählt Martina Parkes weiter. Cahil flog zurück und das Paar führte eine Fernbeziehung. Es sah sich in der Folge jeweils einen Monat lang in Australien und in der Schweiz.

Martina und Cahil Parkes lernten sich in Australien kennen.

Martina und Cahil Parkes lernten sich in Australien kennen.

Bild: PD

Das Paar zog für zwei Jahre nach Buochs

«Wir wussten, dass das nicht immer so weitergehen kann», erzählt die Nidwaldnerin. «Die Flüge kosten viel und wir mussten immer unbezahlten Urlaub nehmen. Ebenfalls war es hart, sich jeweils drei Monate nicht zu sehen.» So flog sie im Dezember 2017 für ein halbes Jahr nach Australien. «Das war quasi die Probephase, ob es auch im Alltag während längerer Zeit klappt. Dann haben wir uns entschieden, zu heiraten. Natürlich war die Liebe der Grund. Aber wir hätten wohl noch ein wenig gewartet, wenn die Sache mit dem Visum nicht wäre. Es wäre sehr schwer geworden, im anderen Land längerfristig zu arbeiten und zusammen leben zu können.»

Die Hochzeit fand im April 2018 in Australien statt. Von Martina Parkes Seite waren lediglich die Eltern vor Ort. Ihre Zwillingsschwester war per Skype dabei. Danach zog das frisch vermählte Paar in die Schweiz und fand eine Wohnung in Buochs, wo die Schweizerin aufgewachsen ist. «Cahil hat sich sofort in die Schweiz und Nidwalden verliebt. Sein Ziel war es auch, Deutsch zu lernen. Inzwischen kann er auf Hochdeutsch eine Konversation führen. Er fand schnell eine Arbeit und wechselte dann zu den Pilatus-Flugzeugwerken, wo es ihm sehr gut gefiel. Auch ich konnte in meinen alten Job als Kita-Leiterin in Luzern zurück.»

Der Traum war immer da, ganz Australien zu bereisen. So entschied das junge Ehepaar, Job und Wohnung zu künden und auf unbestimmte Zeit nach Australien zu reisen. In den letzten zwei Jahren hat das Ehepaar auf das Australienabenteuer gespart.

Das Australienabenteuer zum Nachverfolgen

Auf Instagram und Youtube teilen sie unter dem Namen «Stray Nomads» ihre Erlebnisse und ihren Lifestyle. «Wir sind beide ‹Reisefüdli›. Cahil ist ein Naturmensch. Er will mir, aber auch den Schweizern per Social Media zeigen, wie es in Australien aussieht. Auch an abgelegenen Plätzen, die Schweizer Touristen normalerweise nicht besuchen.»

Ihre Familie hat es gut aufgenommen, als Martina Parkes ihre Australienreise verkündete. «Sie hatten das auch ein wenig erwartet, aber sie sind schon sehr traurig.» Martina hat täglich Kontakt mit ihrer Familie. Das Band mit ihrer Zwillingsschwester besteht weiter. «Wir teilen uns schon die kleinsten Entscheidungen mit. Wir können das weiterhin, aber vielleicht ist es bei mir gerade mitten in der Nacht, wenn sie schreibt», schmunzelt sie.

Kirchenglocken, Flugzeuge und Brot werden vermisst

«Ich bin die typische Schweizerin, die gerne plant und strukturiert», antwortet Martina Parkes auf die Frage nach den Unterschieden der beiden Länder. «Cahil und die Australier sind viel gelassener und denken schon mal: Es klappt dann schon. Zudem sind die Leute dort offener und gesprächiger.» An der Schweiz vermisst sie nebst der Familie und den Freunden die Atmosphäre. «Ich verbinde Gerüche und Geräusche mit der Heimat. Seien es die Kirchenglocken oder die Flugzeuge in Buochs. Auch das Brot vermisse ich sehr fest. Die Schweiz hat solch gutes Brot.»

Wie lange das Australienabenteuer dauern wird, weiss die Nidwaldnerin nicht. Sie und ihr Mann Cahil haben der Schweiz aber noch nicht Lebewohl gesagt und wollen zurückkehren. «Wir sind noch unentschlossen, wo wir die Zukunft verbringen. Wir lieben beide Länder. Sobald mal Kinder da sind, wollen wir aber an einem Ort sesshaft werden.»

Hinweis: SRF 1 zeigt die «DOK»-Serie «Hin und weg» mit Martina und Cahil Parkes freitags, ab 29. Mai 2020, um 21.00 Uhr.