Eidgenössische Abstimmungen
«Ein Ja bringt die Landwirtschaft in arge Bedrängnis»

Sie befindet sich voll im Abstimmungskampf und wirbt in Stans und Sarnen aktiv für 2 × Nein zu Trinkwasser und Pestizid.

Ruedi Wechsler
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V.l.n.r.: Adrian Z’Rotz, Sepp Odermatt, Daniel Blättler und Beat Risi.

V.l.n.r.: Adrian Z’Rotz, Sepp Odermatt, Daniel Blättler und Beat Risi.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans, 22. Mai 2021)

Die Bauern von Nid- und Obwalden sowie Uri machen an diversen Standaktionen auf ihr Anliegen aufmerksam. Daniel Blättler, Geschäftsführer des Bauernverbandes Ob-Nidwalden und Uri, ist zugleich Kampagnenleiter der drei gemeinsamen Teilverbände sowie in Luzern. Eines möchte Blättler zu Beginn unseres Gesprächs auf dem Stanser Dorfplatz gleich klarstellen: «Wir alle verurteilen den Vandalismus und die Morddrohungen an Initiantin Frau Herren aufs Schärfste.» Sepp Odermatt, Präsident des Bauernverbandes Nidwalden mit über 400 Mitgliedern, bewirtschaftet in Ennetbürgen einen Bauernhof. Er sorgt sich bei einem Ja um diverse Betriebszweige, die nicht mehr weitergeführt werden können, und sagt: «Ich denke da an Legehennenbetriebe, die ihr Futter zukaufen müssen und viel in die Infrastruktur investierten.» Betroffen davon wäre auch der Obstbau, die Alpkäsereien oder Biobetriebe, die nur mit Mühe ihre lokalen Produkte verwerten oder produzieren könnten. Für viele Produzenten wäre dies verheerend.

Nebenerwerb ist schon jetzt elementar wichtig für die Bauern

So auch für Sepp Odermatt, und er ergänzt: «Die Schweinehaltung müsste ich aufgeben, weil ich kein Futter mehr zukaufen könnte. Ich kann im steilen Gelände kein Getreide anbauen und müsste den Tierbestand reduzieren oder schlimmstenfalls den Hof aufgeben.» Das Antibiotikum wurde in den letzten zehn Jahren ohne Druck der Politik um die Hälfte reduziert. Die Initiative ist zu radikal und erzeugt mehr Probleme als Lösungen, auch für vor- und nachgelagerte Betriebe inklusive Konsumenten. Der Druck steigt massiv. Bereits heute stammen um die 50 Prozent des Einkommens aus dem Nebenerwerb. Auch bei einer Ablehnung der Initiativen sei die Landwirtschaft ab dem 14. Juni ohnehin stark gefordert, sagt Daniel Blättler und fügt an: «Die im Frühling verabschiedete parlamentarische Initiative des Bundesparlamentes ist bereits in der Vernehmlassung. Unter anderem mit Themen wie der zu intensivierenden Weidehaltung, damit Direktzahlungen ausgelöst werden können.» Weiter spricht der Kernser von einer tickenden Zeitbombe: «Die Medien, Konsumenten, der Landwirtschaft angrenzende Wohnquartiere und auch Teile der Politik bringen die Landwirtschaft in Verruf. Geprägt von Emotionen, stossen Betriebsleiter mit ihren Familien an Grenzen des Erträglichen.»

Weiter fragt sich Blättler: «Wollen wir die nachhaltige Produktionssicherheit in unserem Land aufgeben und vermehrt importieren? Niemand weiss, wie viele Hormone, Antibiotika oder Pestizide in der Importware stecken.» Künftig müssten auch der Hofdünger-, der Futtermittel- und der Nährstofffluss deklariert werden. Das sei Bürokratie hoch zwei, sagt Blättler kopfschüttelnd und nimmt kein Blatt vor den Mund: «Leider sind die Initianten Theoretiker, sie sollten sich vermehrt in den Produktionsbetrieben umsehen. Wenn ich an die Drittwelt- und Schwellenländer denke, sprechen wir hier von Luxusproblemen.»

Ein Abstimmungs-Ja bedeutet mehr Administration

Für Sepp Odermatt bedeutet ein Ja noch mehr Administration. Die Grossverteiler müssten künftig den Nahrungsmittelparameter tiefer setzen und den Kunden vermehrt sensibilisieren. Ein gutes Beispiel sei das Rapsöl. Der heimischen Rapsölgewinnung wird Energie entzogen, und es ist ein hochwertiger Eiweissträger für die Rindviehfütterung. Dadurch könne unter anderem der Sojaimport massiv reduziert werden, so Blättler und Odermatt. Nachhaltigkeit sei für alle wichtig und leider mit einem Ja stark gefährdet. «Wir dürfen auch den Selbsternährungsgrad nicht aus den Augen verlieren», blicken die beiden besorgt in die Zukunft. Bäuerin Priska Liem aus Obbürgen befürchtet bei einem Ja eine Abwanderung von Landwirtschaftsbetrieben aus den Bergregionen und sagt: «Das wäre nicht nur für sie fatal, sondern auch für Wanderer und den ganzen Tourismus.»