Eigengoal um den Hergiswiler Sportplatz

Die Sanierungspläne des Hergiswiler Gemeinderats ernteten in einigen Punkten heftige Kritik. Das Projekt ist vorerst zurückgestellt.

Kurt Liembd
Drucken
Teilen
Der Sportplatz Grossmatt: Die Sanierung ist vorerst verschoben.Bild: Kurt Liembd (Hergiswil, 19. November 2019)

Der Sportplatz Grossmatt: Die Sanierung ist vorerst verschoben.Bild: Kurt Liembd (Hergiswil, 19. November 2019)

Die Gemeindeversammlung vom Dienstag lief ungewöhnlich ab. Schon bei der sonst fast rhetorischen Frage zur Traktandenliste erhielt der Gemeinderat eine kleine Standpauke. Zu Wort meldete sich Peter Müller, der den Antrag stellte, das Geschäft von der Traktandenliste zu streichen und auf die nächste Gemeindeversammlung zu verschieben. Müller kritisierte insbesondere die seiner Ansicht nach «schlechte Kommunikation» des Gemeinderates. «Man sollte doch frühzeitig miteinander reden. Wir Anwohner wurden nie zu einer Information eingeladen», sagte er in sehr sachlichem Ton.

Dieses undemokratische Vorgehen des Gemeinderates sei «unverständlich» und fördere nicht das Vertrauen in die Behörden, was oberstes Gut sein sollte. Materiell erwähnte Müller Bedenken bezüglich Lärm, Lichtverschmutzung und dem geplanten Kunstrasen. «Auf einem Kunstrasen findet kein Vogel mehr einen Wurm», sagte Müller. Der nahe Steinibach werde renaturiert und mit dem Fussplatzplatz geschehe genau das Gegenteil.

Rückweisung vor der Diskussion

Deshalb liess Gemeindepräsident über den Ordnungsantrag abstimmen, ob auf das Geschäft eingetreten werden soll, noch bevor überhaupt die Stimmenzähler gewählt waren. Als diese bestimmt waren, wurde mit 179 gegen 147 Stimmen beschlossen, das Geschäft auf der Traktandenliste zu lassen. Als es an der Reihe war, trat der ehemalige Fernsehmann Peter Gysling ans Mikrofon. Im Sinne einer Kompromisslösung schlug er vor, die Sanierung im Grundsatz gutzuheissen, den Gemeinderat aber zu beauftragen, das Projekt zu verbessern und dabei Vorschläge der Anwohner und Bürger zu berücksichtigen. Mit 198 gegen 118 Stimmen wurde sein Rückweisungsantrag angenommen. «Ich bin überhaupt nicht gegen eine Sanierung und schon gar nicht gegen den Fussball», sagte Gysling gegenüber unserer Zeitung. Nur das Vorgehen des Gemeinderates, wie es sein Vorredner erwähnte, finde er nicht gut.

Somit konnte nicht mehr weiter diskutiert werden. Bei der Diskussion um den Rückweisungsantrag meldete sich noch Philipp Niederberger zu Wort. Er wollte den Änderungsantrag stellen, einen Naturrasen statt einen Kunstrasen zu realisieren. Dazu kam er aber nicht, weil ihm nach wenigen Sätzen von Gemeindepräsident Remo Zberg das Wort entzogen wurde. Was einige erstaunte, formell aber korrekt war, da die Diskussion zu diesem Zeitpunkt nur um den Rückweisungsantrag ging. Da dieser aber angenommen worden war, konnte sich Niederberger danach nicht mehr äussern.

Fahren im Ortsbus ist gratis

Mehr Freude zeigten die Hergiswiler beim Thema Ortsbus, der am 1. März 2020 den Testbetrieb aufnimmt. Kostenpunkt: 950000 Franken für knapp 22 Monate. Geplant sind insgesamt 16 Haltestellen. Mit 324 gegen 17 Stimmen wurde die Einführung beschlossen.

Allen übrigen Geschäften wurde auch einstimmig zugestimmt, so den Einbürgerungen von drei Frauen aus dem Kosovo, aus Sri Lanka sowie aus Deutschland.

Auch an der anschliessenden Kirchgemeindeversammlung wurde das Budget einstimmig genehmigt. Als traurige Nachricht gab Kirchenpräsident Martin Dudle bekannt, dass der Kirchenchor vergangenen Sonntag formell aufgelöst worden sei – nach 96 Jahren. «Für mich ein sehr emotionaler Moment, denn eine Kirche ohne Musik ist eine traurige Kirche.» Es werde aber weiterhin Musik in der Kirche geben, so Dudle. Der Kirchenrat hat Suzanne Z’Graggen, Kirchenmusik-Direktorin in der Jesuitenkirche Luzern und Dozentin an der Musikhochschule, in einem 25-Prozent-Pensum angestellt.

Gemeindeversammlung Hergiswil lehnt Sportplatz-Sanierung ab

Unerwartet heftig wehrten sich die Bürger von Hergiswil gegen einzelne Details bei der vom Gemeinderat vorgeschlagenen Sanierung des Fussballplatzes Grossmatt. Der Sanierungskredit wurde deshalb zur Überarbeitung zurückgewiesen.
Kurt Liembd