Ein Adieu nach 26 Jahren: Neue Weichenstellungen bei der Bäckerei Bergamin und dem Café Dolcé Vita in Buochs

Der Verkauf der Bäckerei Bergamin und die Schliessung des Café Dolcé Vita in Buochs löst nicht nur bei Bergamins Emotionen aus.

Ruedi Wechsler
Drucken
Teilen
Irene und Robi Bergamin sagen nach 26 Jahren Adieu.

Irene und Robi Bergamin sagen nach 26 Jahren Adieu.

Bild: Ruedi Wechsler
(Buochs, 21. September 2020)

Für Robert und Irene Bergamin warten aufwühlende Tage bis zur Geschäftsschliessung Ende September. Auch bei der treuen Kundschaft löst der Abschied Wehmut und Emotionen aus. Bereits während der Lehrzeit in der Bäckerei Käslin in Beckenried fragte sich Robert bei Übermüdung öfters, ob er sich künftig «so ein Seich» antun wolle.

Der Beckenrieder und die in Einsiedeln aufgewachsene Irene, lernten sich im Merkur in Einsiedeln kennen, wo die beiden gemeinsam mehrere Jahre arbeiteten. Im November 1993 heirateten sie und schon zwei Monate später folgte die Übernahme der Bäckerei Wyrsch in Buochs.

Der beste Entscheid des Lebens

Ein Kollege aus der Klasse der Weiterbildung gab damals Robert Bergamin den Wink, dass die Bäckerei von Werni und Emmi Wyrsch in Buochs zu haben sei. «Wir sagten sofort zu, trotz gesundheitlicher Probleme meiner Frau. Heute stellen wir fest: Es war neben der Trauung der beste Entscheid des Lebens», sagt Robert.

Für seine Frau Irene sei die Belastung während der 26 Jahre enorm gewesen, hält er fest. Nebst dem Haushalt bereitet sie die Backzettel und die Bestellungen vor und führte in früheren Jahren den Lebensmittelladen, der zur Bäckerei gehörte. Robert Bergamin sagt:

«Meine Frau ist extrem gewissenhaft und sie hat mich öfters gerettet, weil ich in dieser Beziehung etwas chaotisch bin.»

Wie die Jungfrau zum Kinde

Ein eigenes Café neben der Bäckerei war im Hinterkopf immer präsent. Die Bergamins haben aber niemals mit einer Möglichkeit gerechnet. Als sich dann die Migros und der Coop in Buochs niederliessen, kam schon bald die Anfrage von Coop. Die Umsatzeinbussen im Lebensmittelladen und die fehlenden Parkplätze an der Ennetbürgerstrasse 25 erleichterten den Entscheid, die Mehrbelastung mit dem Kaffee auch sich zu nehmen.

Das «Dolcé Vita» in der Nähseydi 6 wurde 1999 eröffnet. Sechs Teilzeitangestellte helfen mit, den Betrieb zu führen. Die Mahlzeiten im beliebten «Dolcé Vita» werden abwechselnd von Irene oder Robert zubereitet. Sie dürfen beide als aussergewöhnliche «Chrampfer» bezeichnet werden. Da bleibt fast keine Freizeit und an den Wochenenden herrscht sowieso Hochbetrieb. Für die nötige Erholung legt sich Robert tief in der Nacht, am Nachmittag und am frühen Abend kurz hin. Für Irene klingelt der Wecker um 5.00 Uhr und von Freitag bis Sonntag bereits um 3.45 Uhr. Wenn immer möglich bleibt wenigstens der Dienstag als Ruhetag. Ferien gab es in den letzten drei Jahre keine mehr und wenn, dann höchstens zwei Wochen pro Jahr.

Enorme Vielfalt

Die Vielfalt der Produkte habe sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert und der Bäcker trennte sich kontinuierlich von einigen Backmitteln – diversen «Pülverlis». Es werde vermehrt natürlich produziert. Dazu sagt Robert: «Unsere Birchermüesli, die Canapés und vor allem unsere Sauerteig-Brote sind beliebt und werden sehr geschätzt.»

Ebenso die weit herum bekannten «Znüni-Auslieferungen» die bis zum Sand (Kerns) von ihm persönlich geliefert werden. Die Kundschaft hat sich in dieser Zeit ebenfalls verändert. Dazu meint Irene: «Es gibt Personen, die nicht mal grüssen oder wenn das Handy klingelt, entfernen sie sich und ich werde einfach stehen gelassen. Die Leute sind schon gestresster und ungeduldiger geworden, drängen nach vorne und halten sich nicht mal an den vorgeschriebenen Abstand vor der Theke.» Irene spricht aber gleichzeitig von einer grossen Familie in ihrem Betrieb. Sie werde die treue Stammkundschaft sehr vermissen. Ihr Mann Robert schwärmt von der aufgestellten Kundschaft an ihrem Verkaufsstand im Camping.

Jetzt sind einmal Ferien mit ausgiebigem Runterfahren geplant. Irene hofft, dass ihre Krankheit nicht weiter fortschreitet und sie freut sich riesig auf das Ende dieser Ära. Ein mehrmals verschobener Besuch im deutschen Deidesheim, der Partnergemeinde von Buochs, wird bald nachgeholt. Robert wird in Zukunft bei Thomas Christen als Nachtbäcker in der Backstube stehen. Die Veränderung in der Nähseydi und der Verkauf der Bäckerei sei der ideale Zeitpunkt für diesen Schritt. Die Bäckerei Thomas Christen übernimmt bald im Neubau das Café. Die Liegenschaft der Familie Wyrsch hat Ferat Gühl erworben. In der Backstube wird er die Gebäcke für die eigenen Gastrobetriebe produzieren.

Mehr zum Thema